Scham Euch , Menschen ! Wer gefallen , Gemieden wird er nur von Allen , Tritt man ihn nicht mit Füßen gar . Und doch trägt Liebe nur fürwahr Zum Himmel . Ihr seid liebe-bar . Beschämen Störche Euch - wie erst die Nachtigallen ! Wer die Lieblosigkeit der Menschen In ihrer vollen Blöße schaut , Kann schaudernd nur sein Haupt verbergen Und weinen laut , Und in sein eignes Innre blicken - Ihm graut ! Mir war es im erotischen Schema Stets ein verlockend possirliches Thema : Den Newton , der in die Grube ging , Ohne zu lösen das Minne-Problema , Soll - so beschließt der Familienring Eine frische Miß geleiten Zu den Ehe-Seligkeiten . Reizende Novellette ! Einakter ! Studie für Haase und andere Charakter- Spieler ! Newton , der immer stramm Cosinus x , Parallelogramm , Diagonalen und Regeldetri Auftischt mit Mienen der Galantrie , Und von alle den Eheattaquen Keine Silbe versteht , den Nacken Nimmer beugt zum irdischen Schmutz ! Laßt dies Doppel-Problem uns packen : Fühlt der entkörperte Denker im Schutz Seiner Wissenschaft kein Gelüsten ? Oder wird sich in ihrem Putz Das Frauenzimmer noch immer brüsten Und sich nicht instinctive schämen ? - Doch will ich den Autor-Eifer zähmen , Die Sache bleibt besser ungeschrieben . Was die Frauen und Kinder lieben , Das behandle als feiner Kenner ! Wer schreibt in Deutschland denn für Männer ? Krankheit , einer Schwäche Geständniß , Ist die » Liebe « , offnes Bekenntniß Eignen Unwerths . Ergänzung fodern - Welcher Mangel an Selbst-Respekt ! Periodischer Liebes-Anfall uns neckt . Und wenn Andre so deutlich lodern , Glaubt man selber , es sei was dran . Glücklich , wer diesem Wahn entrann ! Laß die » Gefühle « vermodern ! Das Denken macht den Mann . Der Bauer verhungert im Irenland Und der Städter verhungert an Themsestrand Und im freien Urwald steht Baum an Baum Und Asiens Steppen sind wüst und leer Und die Erde hat ja für alle Raum Und für alle Schiffe hat Raum das Meer - Wer schafft dort Raum den Armen , wer ? Der Gesunde staunt über den Kranken , Kann ihm nicht folgen mit seinen Gedanken , Sich nimmer in seine Lage versetzen , Bis ihn selber die Pocken zerfetzen ! Und wenn ein naseweiser Thor Alle Seelenqualen verschwor Und über Sünde und Leidenschaft Die alten Phrasen zusammenrafft Und Werther , Harold und René Ihm lächerlich mit ihrem Weh , So kommt der Schmerz schon ungeladen Und straft ihn Lügen mit seinen Tiraden . Was spaßhaft ihm und dunkel war , Scheint nun sehr ernsthaft , wahr und klar . » Ich will ! « ist leicht zu sagen , Doch Thun und Können schwer . Der Knabe will sich wagen Sofort ins eisige Meer . Doch fröstelt er am Strande Und zögert ohne Muth Und ist erst spät im Stande , Zu springen in die Fluth . Statt gleich hineinzuspringen , Erkältet er sich erst . Ja , Wollen und Vollbringen Zugleich , das ist das Schwerst ' ! Die That wär ' schon halb fertig . Doch ob die Zeit auch paßt , Stehn immer wir gewärtig , Bis uns der Frost erfaßt . Wir fühlen in manchem Vergnügungslokal Der Langeweile verzehrende Qual . Wir gähnen , wir stöhnen , wir sehnen uns fort Und bleiben doch ewig am selben Ort . Leicht wäre ja geöffnet das Thor Und die Stille der Nacht harrt unsrer davor . Doch weil man bezahlt das Eintrittsgeld , Pflichtschuldigst duldet man weiter als Held . Der Posse des Lebens seid Ihr matt Und klatscht nicht mehr , seid müd und matt ? Was bleibt Ihr ? Seid Ihr denn hergebannt ? Ist denn für immer die Thür verrannt ? Was stoßt Ihr des Todes Thür nicht ein ? Sucht Ruh und Frieden im kühlen Schrein ? » Ja , weil wir bezahlt die Eintrittsgebühr , So wollen wir etwas haben dafür . Nach so viel Kummer und so viel Pein Muß etwas Freude in Aussicht sein . So wollen wir , ob wir auch stöhnen und schwitzen , Doch den Spektakel zu Ende absitzen ! « Zwei böse Züge hab ' ich beachtet , Wenn ich der Menschen Wesen betrachtet . Der Cabmann , der recht langsam trottet , Peitscht , wo sich die Menge zusammenrottet , Die Pferde , daß sie wie Wetter schnaufen , Damit er die Andern zwinge zu laufen ! Liest Jemand laut Dein neues Gedicht , Der Arme sich fast die Zunge zerbricht . Bald kann er dies , bald das nicht lesen , Als wäre die Schrift chaldäisch gewesen . Und Alles dies ganz unbewußt . Doch des Einen Müh ist des Andern Lust . Der Mensch ist ein geborner Sclav Und trägt im eignen Ich die Fessel . Wenn ihn kein Königsscepter traf , So dient er flugs dem - Suppenkessel . Der Tugendhafte nur ist stark Und nur der Starke haßt Tyrannen . Das Laster saugt am Lebensmark Und kann den Tapfersten entmannen . Die That wird lang vorher vorausgeplant Und jeder Pfad zu diesem Zweck gebahnt . Trotz alledem sie nur bestimmen muß Der eine augenblickliche Entschluß . Lang klebt die Hand am Hahn - da fällt der Schuß ! So ist der Weiseste , wer langen Rath Verschmäht , von jeder Welle rasch bestimmt , Wer mit dem Strome jeder Stimmung schwimmt . Und wahre Weisheit ist allein die That . Um der Sansara Kleinigkeiten Sich kümmern ziemt dem Denker nie . Doch lässest Du Dich so verleiten , So lern ' auch hier Philosophie . Der Grundsatz soll Dich vorbereiten : Ein jedes Ding hat stets zwei Seiten . Seinen Nutzen hat auch Unbequemes ; Leicht duldet man Unangenehmes , Wenn man nur eine hübsche Moral Zu ziehen weiß aus jeder Qual . Nicht nur die Moral des besondern Falles , Sondern diese Moral für Alles : Das Gute hat sein Uebeles oft , Doch stets aus Uebel unverhofft Sproßt