nach der Stadt gefahren , hatte er mit Mißvergnügen gesehen , wie stark die Waldungen mitgenommen waren . Grade die mächtigsten Stämme , die Zierden und der Stolz des Waldes , waren mit diesem Theile der Waldungen der unbarmherzigen Axt erlegen , und jetzt , wo er , von der andern Seite kommend , in die Ferne sah , fand er die Gegend so verändert , daß sie ihm fast wie fremd erschien . Gleich am Eingange des Waldes konnte man die Neudorfer Kirche , welche sonst erst am Ausgange desselben sichtbar gewesen war , erblicken . Es nahm sich nicht übel aus ; es mochte auch vortheilhaft sein , daß man das große Terrain zur Seite des Weges gerodet hatte , denn es war schwerer Boden , der nach gehöriger Behandlung guten Ertrag versprach . Aber alle diese Aenderungen waren nicht freiwillig gemacht ; sie waren von einer Nothwendigkeit geboten worden , und es war nicht mehr das heitere Auge des zufriedenen Besitzers , mit dem der Freiherr auf den weiten , schönen Theil des Waldes blickte , der nach den abgeschlossenen Contracten im nächsten Herbste auf Betrieb des Käufers fallen mußte . Er genoß diese Natur nicht mehr rein , er berechnete ihren Ertrag . Er konnte sich nicht verbergen , daß er eine völlige Aenderung in seiner Lebensführung eintreten lassen müsse , wenn er erhalten wollte , was noch sein war , wenn er auf Renatus vererben wollte , was er überkommen hatte . Aber wie er auch darüber sann , er fand nicht , daß er ein Ungehöriges gethan , er hatte immer nur das von seinen Verhältnissen Geforderte geleistet , und er war so völlig mit seinen Gewohnheiten und Anschauungen verwachsen , daß ihm eine wirkliche Einschränkung unmöglich dünkte . Daß ein Edelmann von Haus und Hof vertrieben , wie seine Freundin heimathlos und flüchtig werden könne , das begriff er , und fast däuchte ihm dieses Loos erträglicher , als inmitten seiner Standes- und Lebensgenossen von seinen Gewohnheiten abzuweichen , oder eine Stufe von der Höhe hinunter zu steigen , auf welcher die Herren von Arten sich hierlands seit Generationen behauptet hatten . Er wiederholte es sich , daß er in seinem vollen Rechte sei , er versuchte endlich , sich es klar zu machen , daß im Grunde gar nichts geschehen sei , ihn zu beunruhigen ; denn was war es denn so Wichtiges , daß man ein altes , unbehagliches Haus verkaufte , oder daß man Wälder ausschlagen ließ , um die Mittel für einen großartigen Bau und für neue Cultivirungen zu schaffen ? Man konnte in der Residenz , wenn man es wollte , ein schöneres , bequemeres Haus erbauen , und die Herrschaft hatte des Waldes von allen Arten noch genug . Indeß wie oft er sich dies Alles auch wiederholte , es wollte ihm das Wohlgefühl nicht wiedergeben , mit welchem sonst der erste Schatten seines Waldes ihn erfüllt , und es waren lauter unerfreuliche Bilder , lauter trübe Vorstellungen , die sich in seinem Geiste entwickelten . Ein scharfer Luftzug schreckte ihn aus denselben empor . Er wurde achtsam , die Sonne schien nicht mehr durch das Laub . Er hörte den Ton des Regenpfeifers , und nicht fern vom Wege klopfte und hämmerte der Specht . Das Wetter hatte sich geändert , während sie durch den Wald gefahren waren . Es überlief den Freiherrn fröstelnd . Auch in seiner Seele klopfte und mahnte es heute gar vernehmlich , und sich in seinen leichten , weißen Reisemantel hüllend , sagte er halblaut und seufzend zu sich selber : Es ändert sich eben Alles ; es währt hienieden nichts ! - Aber er unterdrückte die Gedankenreihe , welcher der Ausruf entsprungen war , wie jene , welche sich an ihn knüpfen wollte . Von dem Luftwechsel erwachte die Herzogin . Man hatte das freie Feld erreicht ; einzelne Dohlen schwangen sich mit versuchendem Flügelschlage von dem Boden auf , hoben die Köpfe , als wollten sie sehen , woher der Wind komme , und flogen dann dem Walde zu . Krächzend und mit schallendem Flattern folgte ihnen die ganze Schaar . Wir bekommen ein Gewitter , sagte der Freiherr ; die Krähen suchen Schutz . Aber ich hoffe , daß wir Richten noch erreichen , bevor das Wetter aufkommt . Die Kutscher trieben die Pferde an , man fuhr schnell an den Gegenständen und an den Menschen vorüber . Auf den Wiesen war Alles in voller Thätigkeit ; man war in der Heu-Ernte und hastete sich bei dem heraufziehenden Wetter , wenigstens die wartenden Wagen noch voll zu laden , um sie womöglich trocken unter Dach zu bringen . Trotzdem erregte das Erscheinen der beiden Reisewagen ein großes Erstaunen . Niemand war von der Heimkehr des Freiherrn unterrichtet gewesen , und man hielt erschrocken mit der drängenden Arbeit inne . Die Mützen flogen bei dem Anblicke des Freiherrn mit gewohnter Unterthänigkeit von den Köpfen , aber die Gesichter lachten nicht so freudig wie sonst , wenn der Freiherr nach längerer Abwesenheit heimzukehren pflegte . Man fragte einander , was diese unerwartete Ankunft zu bedeuten habe , aber man war nicht begierig , die Antwort des Befragten zu vernehmen ; und daß die Herzogin bei dem Freiherrn saß , während die Baronin nicht mitgekommen war , das steigerte die unheimliche Angst , von welcher die Leute sich in der Erinnerung an ihre Missethat ergriffen fühlten . Jeder Einzelne wollte nicht gern besonders wahrgenommen werden , sondern trat lieber hinter seinen Nebenmann zurück ; denn sie dachten , wen der Herr ins Auge fasse , auf den richte sich sein Verdacht so wie sein Zorn . So geschah es , daß die Leute , Alt und Jung , zurückwichen , wo des Freiherrn Wagen vorüberfuhr , und sein scharfes Auge bemerkte das und wußte es zu deuten . Man fürchtete in ihm den Richter , das sollte und mußte so sein . Er war nach Hause gekommen , um strenges Gericht