worden , sondern der edelmüthige Verleger hatte ihm auch noch von früheren Arbeiten her eine Zulage Zusammengerechnet und baar eingehändigt . Woher diese Gelder eigentlich kamen , wissen wir besser als der alte Herr und seine Tochter . - Genug , sie waren da und wurden auf ' s Beste verwendet , was beinahe den ersten kleinen Streit seit langen Jahren zwischen Vater und Tochter hervorgerufen hätte . Clara behauptete nämlich , ein neuer Winterrock sei für den Vater unbedingt nothwendig , er dagegen meinte , ein Mantel für Clara sei noch viel nothwendiger ; doch siegte der Oberrock , indem Clara sagte , sie halte es für eine Sünde , für die paar Gänge , die sie zu Fuß zu machen habe , das viele Geld auszugeben . Daß der Winterrock einen Hauptbestandtheil der heutigen Bescheerung bilden sollte , verstand sich von selbst . Obgleich Herr Staiger seine Tochter Clara ohne Einschränkung alle Kassengeschäfte besorgen ließ , so hatte er doch diesmal mit pfiffigem Lächeln einige Gulden aus der Rolle für sich behalten und nach langem Zögern und vielen Ausflüchten seiner Tochter anvertraut , es sei doch nicht mehr als schicklich , daß er auch seinem Freunde Arthur , der ja am Weihnachtsabend kommen werde , etwas Weniges unter den Christbaum lege . - Von den Pelzmanschetten , die er für Clara kaufen wollte , sagte der alte , lügenhafte Mann natürlicherweise nichts und freute sich wie ein Kind , daß ihm sein Betrug so gut gelungen ; denn als er Arthur ' s Namen genannt , da hatte ihr Auge geglänzt und sie ihm zugestimmt und versichert , das sei ein ganz glücklicher Gedanke ; wenn sie selbst auch - eine unbedeutende Cigarrentasche für den Bekannten ihres Vaters gestickt , so sei dieß doch nicht der Rede werth und würde auf dem großen Teller allein gar zu mager , zu unbedeutend aussehen . Als der heilige Abend herangekommen war , da wurden die Kinder zu einer Nachbarin geschickt und ihnen auf ' s Strengste eingeschärft , erst nach einer Stunde und zwar bei völlig eingebrochener Dunkelheit zu erscheinen . Wenn sie auch nicht zu früh kamen , so hörte man sie doch mit ungeheurer Pünktlichkeit zu der angegebenen Zeit die Treppen heraufsteigen und nach der Wohnung eilen . Clara trat ihnen aber im Vorzimmer entgegen und hielt sie auf . » Aber wir kommen doch nicht zu früh ? « versetzte das kleine Mädchen ; » wir sind so lange ausgeblieben , als du es gesagt , liebe Clara . « » Ja , und jetzt möchten wir auch sehen , was das Christkindchen für uns mitgebracht hat . « » Das wird nicht zu viel sein , « sagte die ältere Schwester , indem sie ihrem Bruder die Mütze abnahm und diese auf eine Stuhllehne hängte . » Das Christkind hat sich bei uns erkundigt , und wenn wir euch auch nicht gerade sehr verklagten , so mußten wir ihm doch Einiges sagen , weil es darnach gefragt . « » Und was hat es denn von mir wissen wollen ? « fragte der kleine Bube mit ziemlich langem Gesicht . » Allerlei Sachen , « entgegnete Clara , » ob du folgsam und in der Schule artig und aufmerksam seiest , ob du auch gleich nachher nach Hause kommest oder ob du dich mit anderen Buben auch wohl Stunden lang auf den Schleifen herumtreibest und Schneeballen machest , ob du beim Mittagessen Alles thuest , was man dir sagt , ob du deine Suppe essest und nichts davon verschüttest und ob du ruhig sitzen bleibest und nicht zu viel sprechest . « » Und was hast du geantwortet ? « Clara zuckte mit ernsthafter Miene die Achseln . » Ja , « sagte sie , » so lieb ich dich auch habe , Alles konnte ich nicht leugnen ; doch habe ich nicht vergessen , daß du mir gestern noch versprochen , du wollest von jetzt an sehr artig , sehr lieb und folgsam sein . - Und das hat das Christkindchen gern gehört . « » Und du meinst , es werde mir nicht böse sein , und doch etwas bringen ? « » O , ich glaube das bestimmt , namentlich wenn du jetzt recht artig bist und dich mit Marie hier noch eine Zeit lang aufhältst , bis ich euch rufe ; denn ihr wißt , das Christkindchen schickt heute Abend die Sachen , und erst , wenn sie da sind , kann ich sie euch geben . « » Aber wenn es sie heute Abend erst schickt , so kommen sie ja hier durch das Zimmer und dann sehe ich sie zuerst , « meinte Karl . » Da irrst du dich sehr , « bemerkte die kleine Marie , » es kommt drüben an ' s Fenster geflogen und reicht da Alles herein . « » Aber das möchte ich einmal sehen . Clara , kannst du mich nicht rufen , wenn es geflogen kommt ? « » Nein , nein , « entgegnete lachend die Tänzerin ; » das wäre noch schöner ! Da dürfen keine kleinen Kinder zusehen , sonst fliegt es vorbei und bringt gar nichts . - Also wollt ihr recht brav hier auf dem Bänkchen sitzen bleiben , bis ich euch rufe ? « » Ja gewiß , « sagte Marie . » Und ich will dem Karl was erzählen , dann wartet er gerne und schläft auch nicht ein . « » O , ich werde nicht schlafen ! « versetzte bestimmt das Bübchen . Und dann gingen die beiden Kinder mit einander zu einem Fußschemel , und setzten sich darauf hin . Marie nahm die rechte Hand ihres Bruders , und dieser strampelte mit den Füßen und sagte : » Wenn das Christkind nur bald kommt ! « Clara war unterdessen mit leisen Schritten nach dem anderen Zimmer zurückgekehrt und half ihrem Vater noch ein paar bunte Papierstreifen , sowie auch ziemlich dünne Talglichtchen