zu einem Feenmärchen zu machen , und faßte dabei den Vorsatz , es nunmehr darauf ankommen zu lassen , ob das Fest eine Entscheidung herbeiführe oder nicht ; er wollte eine solche weder suchen noch ihr widerstehen ; denn noch immer hielt er sich in seiner Selbstsucht für vollkommen frei . Wenn er aber das Mädchen nur ein einziges Mal geküßt habe , gab er sich das Wort , so solle sie unverbrüchlich die Seinige sein . Agnes aber hatte einen ähnlichen Plan in ihrem Herzchen ausgesponnen , der indessen sehr einfach war . Sie gedachte , in einem geeigneten günstigen Augenblicke ohne weiteres mit ihren Armen den Geliebten zu umstricken und zum Geständnis seiner Neigung zu zwingen und , falls dies noch nicht hülfe , die Aufregung der Festfreude benutzend , ihn so mit Liebeschmeicheln zu berauschen und förmlich zu verführen , daß er das Opfer ihrer Unschuld nähme . Dieser verzweifelte Plan gor und rumorte in ihrem pochenden Busen , daß sie wie eine Träumende umherging und nicht einmal bemerkte , wie Ferdinand starr auf ihren jungen Busen hinsah , als er einen Augenblick beim Probieren der schimmernden Festgewänder entblößt wurde . Sie war in ihrer Unschuld fest überzeugt , daß Ferdinand , wenn ihr Plan gelänge , alsdann für immer der Ihrige würde . In nicht so bedenklicher Lage befand sich Erikson , welchem sich alle Dinge , außer seinen Bildern , mühelos und körnig gestalteten ; er schritt auch mit ausreichenden Weidmannsschritten , obwohl nicht ohne die nötige Behutsamkeit , durch sein Liebesverhältnis und auf das Teil zu , das er oder das Schicksal sich erwählt . Eine reiche und schöne Brauerswitwe hatte bei der Verlosung der großen Gemäldeausstellung ein Bildchen von ihm gewonnen , welches ihm teuer bezahlt worden war . Die Dame stand nicht im Rufe einer besonderen Kunstfreundin , und Erikson hoffte , sie würde froh sein , ihm den Gewinst um einen ermäßigten Preis wieder abzutreten ; er gedachte dann das Bild anderwärts zu versenden zu erhöhtem Preise und so abermals eine Summe einzunehmen , ohne der Qual und Mühsal des Erfindens und der Ausführung eines neuen Gegenstandes ausgesetzt zu sein . Diese Aussicht gewährte ihm so viel Vergnügen , daß er sich unverweilt aufmachte und mit dem Wunsche , alle seine sauern Arbeiten noch einmal und immer wieder verkaufen zu können , das Haus der Witwe aufsuchte . Bald stand er auf dem Vorsaale des stattlichen Witwensitzes , dessen Pracht das Gerücht von dem unmäßigen hinterlassenen Vermögen des verstorbenen Bierbrauers zu bestätigen schien . Eine alte Aufwärterin , welcher er sein Anliegen mitteilen mußte , brachte ihm indessen gleich den Bericht , daß die Herrin das Bild mit Vergnügen wieder abtrete , daß er aber ein andermal vorsprechen möge . Weit entfernt , über diese Willfährigkeit und Geringschätzung empfindlich zu sein , ging Erikson ein zweites und drittes Mal hin , und erst das dritte Mal wurde er etwas betroffen und erbost , als dieselbe Aufwärterin endlich kundtat , daß die bequeme Dame das Bild um ein Viertel des angegebenen Wertes wieder verkaufe und die Summe für die Armen bestimme , daß der Herr Maler , um ihm nicht fernere Mühe zu machen , es am andern Tage bestimmt abholen und das Geld mitbringen möchte . Er tröstete sich indessen mit der Aussicht , nunmehr sicher ein Vierteljahr nicht malen zu müssen , und das Wetter betrachtend , ob es gute Jagdtage verspräche , machte er sich zum vierten Male auf den Weg . Die unvermeidliche Alte führte ihn in ihr kleines Wärtergemach und ließ ihn da stehen , um das Kunstwerkchen herbeizuholen . Dieses war aber nirgends zu finden ; immer mehr Bedienstete , Köchin , Kammermädchen und Hausknecht rannten umher und suchten in Küche , Keller und Kammern . Endlich rief das Geräusch die schöne Witwe selbst herbei , und als sie , die , nach dem kleinen wunderlichen Bildchen urteilend , gewähnt hatte , einen ebenso kleinen und dürftigen Urheber zu finden , als sie nun den gewaltigen Erikson dastehen sah , der mit der Stirn beinahe die Decke des niedern Verschlages berührte , indessen sein nordisches Goldhaar glänzend auf die breiten Schultern fiel , da geriet sie in die größte Verlegenheit , zumal er , aus einem ruhigen Lächeln erwachend , sie jetzt mit festem und wohlgefälligem Blick betrachtete . Sie war aber auch des längsten Anschauens wert kaum sechsundzwanzig Sommer alt , stand Rosalie liebreizend da , von der Rosenfarbe der Gesundheit und Lebensfrische überhaucht , von freundlichen Gesichtszügen , mit braunem Seidenhaar und noch brauneren lachenden Augen . Indessen , um ihre Verlegenheit zu endigen , lud sie den Maler ein , in das Zimmer zu kommen , und wie sie eintraten , sahen sie beide zugleich die kleine Gemäldekiste , welche als Fußschemel unter dem Arbeitstischchen der Witwe stand , dieser selbst unbewußt und vergessen , daß sie schon seit einigen Tagen mit ihren Füßchen mutwillig darauf getrommelt . Errötend lachte sie und zog das Bild eigenhändig hervor . Zugleich aber sagte sie , indem sie einen flüchtigen Blick auf Erikson warf , sie hätte sich eines anderen besonnen und bedaure , ihm das Bild nicht mehr für ein Viertel , sondern nur für die Hälfte des Wertes lassen zu können . Besorgt , sie möchte noch mehr den Preis steigern , zog er seine Börse und legte die Goldstücke auf den Tisch , indessen sie das Bild anscheinend aufmerksam betrachtete und wieder begann je mehr sie die Arbeit , welche sie bisher nur oberflächlich besehen , ins Auge fasse , desto besser gefiele sie ihr , sie müsse nunmehr wirklich die volle Summe fordern ! Seufzend bot er drei Vierteile der Summe . Allein die schöne Witwe war unerbittlich und sagte » Ihr Eifer , mein Herr , durch bares Geld Ihr eigenes Bild wiederzuerwerben , beweist mir den Wert , den ich erst verkannt habe . Ich fordere nun die doppelte Summe , die Freiheit der Frauenlaune benutzend , oder ich will