glaubt , sie wird es immer sein . Deshalb versäumt sie , schon jetzt durch Tugend und Zucht edlere Schönheiten zu sammeln , die sie ewig schmücken würden . Warum warst du nur in jener Herberge so erregt über sie ? forschte Selmar .... Wann ? fragte der Vater . Da , als du ihr noch in später Nacht auf dem Gange begegnetest ? Du schienst ihr damals nicht zu zürnen . Ich war erstaunt , sagte Ackermann . In Begleitung des unheimlichen rothhaarigen Menschen , der sich zu uns gesellte , kamen wir spät in der Nacht an , du legtest dich zum Schlafe , der mich noch floh . War ich von dem strömenden Regen fiebernd durchkältet oder bewegte mich zu lebhaft der Plan , in der Art einer großen amerikanischen Niederlassung hier einen landwirthschaftlichen Versuch nach meinem Geschmacke zu wagen , ich konnte nicht schlafen . Was sollt ' ich nun von einem Mädchen denken , das tief in der Nacht , während Alles in dem großen Hause ruhte , im leichten Übergewand über den Corridor huscht und das Zimmer eben öffnen will , wo ich wußte , daß Prinz Egon schlief .... Sie erschrak so heftig , daß sie entfloh .... Seit jenem Augenblicke weiß ich , daß der junge Mann seine Neigungen zu leicht verschenkt und würde Niemanden beneiden , der sich rühmt sein Freund zu sein . Das kann dein Ernst nicht sein , Vater , sagte Selmar und schmiegte sich , schalkhaft lächelnd und in sein großes , festes und sicheres Auge blickend , zu ihm empor ; wie würdest du nur sonst so lebendig den Gedanken ergriffen haben , des Prinzen Güter zu verwalten , ihn vielleicht vor dem drohenden Zusammensturz seines Erbes zu bewahren , ihn zu schützen vor schlimmen Haushaltern , die nur von ihm rauben , nicht durch Unterstützung seines Erwerbes den ihrigen verdienen wollen ! Gestern , als wir noch einen Umweg einschlugen , um ein anderes Gut des vornehmen Freundes anzusehen , wie hast du da geschwärmt für den Gedanken , ihm wieder das Leben zur Freude zu machen ! Hab ' ich geschwärmt , Herz ? sagte der Vater fast scherzend . Geschwärmt ! Geschwärmt ! Über Kartoffelbau nach unserer Art , Rüben , Ölpflanzen , Dresch- , Säe- , Egge-Maschinen hab ' ich geschwärmt ! Überall sah ich meinen neuen Pflug durch die Erde gehen , sah , wie die Bauern ringsherum staunen werden , wenn ich Taback baue von virginischem Samen , sah Felder mit Runkelrüben besäet und die Schornsteine von Laboratorien rauchen , die aus solchem Material noch Werthe erzeugen sollen , das man hier gewohnt ist als unnütz wegzuwerfen . Das war meine Schwärmerei . Nun wohl , ich schwärmte für die Sache an sich . Daß dieser Plan auch den jungen Mann , dessen Krankheit hoffentlich Gott wenden wird , um ihm Gelegenheit zu geben , noch sehr an Herzensgüte und Sittenreinheit zuzunehmen , mit betrifft , ist ein Zufall , der mir nicht viel sagen will . Jetzt aber genug von ihm ! Ich möchte ihn noch ärger schelten , wär ' er nicht krank . Selmar schwieg . Er hatte sich in seiner Vertheidigung erschöpft . Das Letzte , was er für den vermeintlichen Prinzen noch anführen konnte , seine bedenkliche Erkrankung , hatte ja der Vater schon vorweggenommen . Er wußte , daß er diesen erzürnen würde , wenn er einen von ihm für erledigt erklärten Gegenstand von freien Stücken wieder aufnahm . Er sah zur Erde und schleuderte mit dem schwanken Stöckchen , das er in der Hand trug , hier und da einen kleinen Stein zur Seite auf die Beete , die nicht gut gehalten waren .... Die Blumen wuchsen fast wild . Die Hecken trugen Beeren , die überreif vertrockneten , weil sie nicht abgelesen wurden . Die Blätter der verwelkten Rosen lagen zerstreut unter den grünen stachlichten Stämmen . Niemand hatte die Rosen gebrochen , bis sie mit auseinanderfallenden Blättern von selbst niederglitten . Tausende verwelkter Blütenkapseln lagen auf den Wegen und mischten sich mit dem Kieselsand . Es war hier weder die Hand der Liebe , noch die der Furcht sichtbar und Ackermann sagte einige Male mit Recht : So sieht es aus , wo kein Herr ist ! Einige Male trennten sich unsere harrenden Wanderer , die wol schon zehnmal Park und Garten auf und ab durchmessen hatten . Den Vater fesselte dann ein Baum , den Knaben eine Blume und dadurch geriethen sie zuweilen auseinander . Einmal stand Selmar an dem Pavillon und betrachtete von allen Seiten das geheimnißvolle umfangreiche Gebäude , dessen Fenster mit äußern Jalousieen verdeckt waren . Es waren Marquisen von schiebbaren Holzstäben . An eins dieser Fenster trat Selmar näher heran , hob den hölzernen Vorhang ein wenig in die Höhe , sodaß die Bretter sich verschoben und einen Blick ins Innere erlaubten . Ha ! Vater , wie schön ! rief er plötzlich . Ackermann kam ruhig näher . Scheinbar ruhig .... Er war es vielleicht nicht . Er sah wenigstens mit ängstlicher Spannung bald zur Gartenthür , bald zu den Fenstern des Palais ... Die Krankheit jenes jungen Mannes , in dem er den Prinzen Egon kennen gelernt zu haben glaubte , beschäftigte ihn mehr , als er seinem Sohne verrieth , dessen übergroße Freundschaft für Egon er , wie wir wohl bemerkt haben werden , absichtlich niederhalten wollte . Wie ihm Selmar , von dem Innern des Pavillons so überrascht , zurief , kam er dem Fenster , wo Selmar lauschte , näher ; aber kaum hatte er in der Meinung etwa einen schönen Saal zu sehen , einen Blick durch die engen Bretter der Jalousieen geworfen , als er sie voll Entrüstung zuzog und seinen Unmuth über Selmar aussprach , den er jetzt neugierig , ja zudringlich nannte .... Es war das Badezimmer des alten Fürsten gewesen , das Selmar gesehen hatte , eine bunte , magisch von oben herab beleuchtete Kammer mit