entgegen , denn die Frau bleibt ja immer und ewig die innerste Seele aller der gemütlich - traulichen Beziehungen , welche verschiedne Menschen zwischen vier Mauern zusammenhalten . Der Jammer des Herzogs war groß . Die Liebe zu seiner Gemahlin war vielleicht der einzige recht menschliche Punkt an ihm , da er sonst freilich wohl nur aus Aristokratie und Repräsentation bestand . Nun behandelte ihn diese angebetete Frau mit Kälte , die zuletzt in einen unverhüllten finstern Widerwillen ausging . Nach und nach konnte ich mir aus einzelnen Symptomen wohl zusammensetzen , daß der junge Fremde an den Gewissensskrupeln der Herzogin schuld sein möge , und in einer unvorsichtigen Stunde , in der guten Absicht , mit dem Gemahle einen vernünftigen Heilplan festzusetzen , entdeckte ich ihm meine Vermutung , welcher ich jedoch die Beteurung hinzufügte , daß ich fest , wie von meinem Leben , von der völligen Vorwurfslosigkeit der Büßenden überzeugt sei , und das Ganze nur für eine Folge überstrenger Begriffe halte . Ich hatte aber diese Mitteilung zu bereuen . Denn er , nach seiner Sinnesweise vermutlich unfähig , eine Pein um nichts zu begreifen , ließ mich durch seine schwermütigen Blicke , seine verfallenden Züge , seine gebeugte Haltung schließen , daß er mehr , daß er wahre Fehltritte argwöhnte . Alle Versuche , die Schmarotzerpflanze von dem schönen , schlanken Stamme , an welchem sie sich festgesogen , abzureißen , wurden mit konvulsivischer Heftigkeit zurückgewiesen . Meine Mittel nahm die Kranke , aber was konnten die helfen ? Das beste wäre gewesen , dem geschäftigen Seelsorger eine Dosis Bilsenkraut einzugeben , wozu ich nicht selten , Gott verzeihe mir die Sünde ! bei mir die stille Anwandlung verspürte . Denn wer mir an das Heiligste und Wunderbarste , an den menschlichen Leib , die frevelnde Hand legt , der greift als Feind in des Arztes Gebiet , den hasse ich bis in den Tod . Da nun aber eine Vergiftung sich doch für mich nicht wohl schickte , so ersann ich ein andres , nämlich ein Abführungsmittel . Es war mir bekannt , daß der Oberhirt der Diözese , seine und seiner Kirche Stellung mit Klarheit überschauend , und wohl wissend , daß dem Katholizismus nur noch durch eine heitre Verständigkeit zu helfen ist , trübliche Fanatiker durchaus nicht liebte , und alle Versuche , eine gemachte Devotion und Rigorosität früherer Zeiten wieder hervorzubringen , bei jeder Gelegenheit streng zurückgewiesen hatte . Hierauf mich verlassend , und mit raschem Entschluß meinen Polacken besteigend , war ich nach einem tollen schweißtriefenden Ritte in der Metropole . Im Offizialate angelangt , ließ ich mich zu einem der ehrwürdigen Herrn führen , von dessen derbem naturfrischem Wesen ich viel gehört hatte . Ich fand ihn , seltsam genug , in einer kahlen Arbeitszelle , die kurze Pfeife im Munde , hinter der Flasche und dem grünen Weinrömer , Akten lesend . » Wundern Sie sich nicht « , rief er mir mit heisrem Lachen entgegen , indem er eine dicke Rauchwolke von sich blies , und den Römer füllte , » mich unter solchem Rüstzeuge zu finden ! Den Arbeitern im Weinberge des Herrn wird oft schwach zumute , und sie bedürfen dann leiblicher Erstärkung . « Ich versetzte , daß gerade diese Umgebung mir Mut mache , mein Anliegen vorzutragen , weil ich ihn für einen von denen halte , welche den Herrn in Freudigkeit suchten ; eröffnete ihm darauf , ich sei Doktor und der Leibarzt der Herzogin von * . Die Dame kranke , meine Kur könne aber nicht anschlagen , weil ein andrer , ein Seelendoktor entgegenoperiere . Wie es nun ein Gesetz der Stereometrie sei , daß , wo ein Körper , sich kein zweiter befinden könne , so gelte ein Ähnliches auch in der Medizin , und deshalb wolle ich ihn , als Beisitzer der höchsten geistlichen Behörde , um abhülfliche Maßnahmen angehen . Das Sokratesgesicht verzog sich wieder zu einem faunischen Lachen , er schürzte seine Nasenflügel empor und fragte ungefähr mit den Worten des Patriarchen im » Nathan « ( obgleich diesem im Gemüte ganz unähnlich ) : » Ist solches ein Problema , oder ein wirklicher Casus ? « Ich erzählte ihm darauf , was ich wußte , und wie ich nun aus dem Memoire ersehe , die Sache bis auf Nebenumstände ziemlich richtig und vollständig . Der alte rechtschaffne Mann , dessen treuer Wandel nach den Geboten Gottes und nach dem Beispiele der Heiligen allgemein bekannt war , ließ mich kaum zu Ende reden , warf seine kurze Pfeife auf den Boden , daß der Kopf zerbrach , und rief in Selbstvergessenheit : » Den soll ja der Teufel holen ! « Darauf sich kreuzigend und den verpönten Fluch mit üblichem Spruche bereuend , fügte er hinzu : » Zu solcher Sünde hat mich der Zorneifer fortgerissen . Doch nur Geduld , es ist gerade eine Stelle in der wilden Eifel offen , wo er unter den Haferbauern seine Künste versuchen mag . Ihr Herzog hat ihn zwar zu seinem Hauskaplane gemacht , da er aber zugleich die Pfarrei des Orts versieht , so ist er unsrer Gewalt unterworfen . Er soll in Bälde versetzt werden . « Nach einigen Gesprächen wurde ich mit dem derben Alten ganz vertraut . » Diese neumodischen , aufgespreizten Überläufer geben uns viel zu tun « , sagte er . » Sie wollen uns Alten vorbeirennen , es immer besser machen , als gut , damit nur ja niemand an der Aufrichtigkeit ihrer Gesinnung zweifle , und bringen solchergestalt manche Unruhe zuwege . Sie laufen umher , stänkern , rühren den Dreck , mengen allerhand Subtilitäten in das Dogma , verfälschen dadurch selbiges , und verführen eine Quälerei und Deutelei , davon unsre Kirche gar nichts weiß , noch wissen will . Wir müssen jetzt dahin streben . Geistliche zu bekommen , die alert , aufgeweckt , sich helfen können , und nicht , wie leider Gottes bis jetzt der Fall