zu den Truppen Schills gehörten , die so unglücklich endeten . Der Graf suchte ihn zu beruhigen , indem er ihm vorstellte , daß die preußischen Behörden gewiß keinen Eifer anwenden würden , die Theilnehmer an dieser Unternehmung auszuspüren , wenn sie ihnen nicht bestimmt als solche angezeigt würden , daß es also nur der Klugheit bedürfe , jede Theilnahme der Unglücklichen an Schills Plänen vorsichtig zu verschweigen und für die müßigen Nachbarn , die nicht ermangeln würden , mit Fragen einzustürmen , eine wahrscheinliche Fabel zu ersinnen , um ihren kläglichen Zustand genügend zu erklären . Der Arzt hatte den Prediger gleich den nächsten Tag in der Bewegung seines Gemüths mit dem traurigen Zustande bekannt gemacht , in welchem die beiden jungen Edelleute , ehemalige preußische Offiziere , nach dem Schlosse waren gebracht worden , und jener erschien sogleich , um das Wie und Warum zu erfahren , und als ihm der Graf Robert mit einiger Verlegenheit antwortete , die Kranken wären noch so schwach , daß man sie nicht um ihr Geschick befragen könne , und daß es überhaupt menschlicher sein würde , schmerzliche Erinnerungen aus ihrem Gemüthe zu entfernen , als durch Fragen zu erregen , erwiederte der Prediger verdrüßlich und spöttisch : So wird es uns damit vielleicht gehen , wie mit der Begebenheit des Herrn St. Julien , der beinah in demselben Zustande in dieß Schloß gebracht wurde , und niemals hat man die Veranlassung seines Unglücks erfahren . Des Grafen Wangen röthete der Zorn . Sie wissen , Herr Prediger , sagte er mit einiger Heftigkeit , wie nah mit mir der Obrist St. Julien verbunden ist , und wenn ich die Gründe ehre , die ihn bestimmen , über diesen Gegenstand zu schweigen , so dächte ich , dieß könnte eine Regel für alle meine Freunde sein . Der Prediger fühlte , er war zu weit gegangen . Ein verdrüßliches Schweigen herrschte im Saale . Endlich begann der Geistliche von Neuem : Beinah hätte ich es vergessen , Ihnen mitzutheilen , daß der alte Lorenz einen so schändlichen Gebrauch von dem ihm durch des Sohnes Tod zugefallenen Vermögen gemacht hat , daß ich glaube , er wird bald wieder in drückender Armuth sein . Woher schließen Sie das ? fragte der Graf gleichgültig . Weil mir diesen Morgen ein jüdischer Handelsmann einen Brief von ihm brachte , in dem er mich ersuchte , Sie dahin zu vermögen , ihm eine schriftliche Zusicherung der Pension auszustellen , die Sie ihm bewilligt haben , wie er schreibt , um Lebens und Sterbens Willen , wie mir der Israelit vertraute , damit er sie diesem verkaufen könne . Man wendete sich an mich , fügte der Prediger hinzu , weil man nicht wußte , daß Sie sich jetzt gerade hier befinden . Ich rieth dem jüdischen Kaufmann , sich mit diesem Gesuch gerade an Sie zu wenden , und ich zweifle nicht , daß er bald auf dem Schlosse erscheinen wird . In der That wurde , nachdem kaum eine Viertelstunde verflossen war , Herr Moses gemeldet , der dem Grafen des alten Lorenz Gesuch vortrug , mit der Versicherung , daß er aus Menschenliebe bereit sei , dem Greise die Pension abzukaufen und ihm den Ertrag einiger Jahre voraus zu bezahlen ; obgleich es möglich sei , daß der Alte früher stürbe und er sich Verlust dadurch zuzöge , so wollte er es auf die Gefahr hin wagen , damit nur der Greis nicht des Obdachs beraubt würde , denn er könne sich bei diesen schweren Zeiten , bei den drückenden Abgaben ohne diese Unterstützung nicht im Besitze des Gutes erhalten . Der Graf erwiederte auf die lange Rede des menschenfreundlichen Israeliten , daß ihm dieß leid thue . Da aber die dem alten Lorenz von ihm bis jetzt ausgezahlte Pension ein freiwilliges Geschenk sei und er sich die Freiheit vorbehalten wolle , es ihm nach Umständen zu geben oder zu entziehen , so sei er nicht geneigt , sich schriftlich eine Verbindlichkeit aufzulegen und eine Handlung der Güte in eine Pflicht zu verwandeln . Nach dieser Erklärung empfahl sich Herr Moses , nachdem er geäußert hatte , daß er sich unter solchen Umständen auf kein Geschäft mit dem alten Manne einlassen könne . Nachdem er den Saal verlassen hatte , sagte der Graf : Wie ist es nur möglich , daß der alte heillose Sünder in der kurzen Zeit , seit er das Erbe seines Sohnes empfing , so viel Geld ausgegeben hat ? Es thut mir leid es sagen zu müssen , erwiederte der Prediger etwas kalt , weil er des Grafen frühere Heftigkeit noch nicht hatte vergessen können , daß ihm nicht bloß die schlechte Gesellschaft von seinem Gelde geholfen hat , sondern auch die sogenannte gute . Der unselige Alte hat sich der Völlerei und dem Spiele ergeben , und manche haben es nicht verschmäht , große Summen von ihm zu gewinnen , die recht bedeutende Ansprüche in der Welt zu machen gewohnt sind . Aber gedenken Sie ihm nun Ihre Unterstützung zu entziehen , da er wieder in Noth geräth , die Sie ihm zukommen ließen , wie er ihrer nicht bedurfte ? Keineswegs , sagte der Graf ; da ich aber voraussehe , daß dieß bald seine einzige Hülfsquelle sein wird , so will ich sie ihm erhalten ; denn hätte ich ihm die Möglichkeit gegeben , seinen künftigen Unterhalt zu verkaufen , so , glaube ich , würde dieß seinen Fall kaum einige Monate hingehalten haben . Das ist sehr wahrscheinlich , sagte der Prediger , und es wäre gut , daß man ihn , wenn er alles Uebrige verloren hat , gewissermaßen unter Aufsicht nähme , denn die ewige Trunkenheit hat seine Verstandeskräfte geschwächt , ihn unfähig gemacht , sich selbst zu regieren , ja , er ist völlig kindisch geworden . Denken Sie nur , er ließ sich von Leuten , die ihn verspotteten , überreden , ein Bad zu besuchen , dort den großen ,