, ich weiß alles : heimlich regieren sie Dich auch , daß Du mir geneigt bist . Ich seh ' s an Deinem Blick , Du bist mit mir zufrieden . Du sagst nichts . Du schließest Deine Lippen so fest , als habest Du Furcht , sie mögen gegen Deinen Willen plaudern . Goethe ! Es ist mir genügend , was Dein Blick sagt , auch wenn er nicht auf mir weilt . Gestern , wie ich hinter Dir stand und mit dem Papier rauschte , da sahst Du Dich um , ich merkte es wohl ; ich ging leise hinaus und schob die Tür nicht ganz zu , da sah ich Dich rasch den Brief ergreifen , dann ging ich weg , ich wollte Dich nicht länger belauschen , mich überlief ein leises Frösteln , wie ich mir vorstellte , daß Du jetzt lesen werdest , was ich zu Dir gedacht hatte in letzter Mitternacht . - Wie selig , Goethe ! - denken : jetzt nimmt er diese Schmeicheleien auf , jetzt spricht sein Geist freundlich nach , was ich für ihn erdacht habe . Es ist schön , was ich Dir sage , es sind die Liebesgeister , die mit Dir sprechen , sie umkreisen jubelnd Dein Haupt . Weißt Du , wie ich Dich mir denke heute an Deinem Geburtstag ? - Am Meeresstrand , auf goldnem Thronsessel im weißen wollnen Gewand , den Purpur untergebreitet ; in der Ferne die weißen Segel auf hoher See , geschwellt vom Wind , rasch aneinander vorüberfliehend , und Du , ruhend im Morgenlicht , gekrönt mit heiligem Laub , mich aber seh ich zu Deinen Füßen , mit der reinen Flut , die ich am Meer geschöpft , um sie zu waschen . - So denk ich mich zu Deinem Dienst in tausend Bildern , und es ist , als sei dies die Reife meines Daseins . Hast Du schon in die untergehende Sonne gesehen , wenn sie schon milder leuchtet , so daß ein scharfes Aug von ihrem Glanz nicht mehr geblendet wird ? - Hast Du da schon gesehen , wie sich ihr eigen Bild von ihr ablöst und vor ihr am Horizont niedertaucht in die rote Flut , und nach diesem Bild immer wieder ein anderes in leisen Brechungen der Strahlen immer wieder sich anders färbt ? - Meine Seele , wenn der gewaltige Glanz Deiner vollen Erscheinung nicht mehr so stark blendet und die Ferne sanfte Schleier über Dich webt , sieht solche Bilder , die eins nach dem andern von Dir abstrahlen , sie tauchen alle unter in meiner Begeistrung wie im Feuerschoß der Natur , und ich kann mich nicht sättigen in dieser schönen Fülle . * * * Den 3. September So müde wie ich war am späten Abend , so fest wie ich schlief am frühen Morgen , hab ich drei Tage nicht geschrieben . Du hast nicht nach mir gefragt in dieser Zeit , und heut am Abend bin ich zum erstenmal hinausgegangen und überlege hier auf der Bank , daß Du mich vergißt . Die Vögel sind schon gewohnt , daß ich hier sitze unbeweglich still . - Wie ist ' s doch so wunderlich hier im fremden Land ! - Hierher bin ich gekommen an den verlassenen Ort , um tief in mich selbst zu versinken . Da seh ich Bilder , Erinnerungen früherer Tage , die sich an den heutigen anschließen . Heute , wie sie in der frühen Morgenstunde vor dem römischen Haus Musik machten , und wie der Herzog hervortrat und die großen Hunde ungeduldig den Menschen zuvoreilten und ihm an den Hals sprangen , das kam mir so feierlich vor , wie er sich freundlich ihren ungestümen Liebkosungen preisgab und über sie hinaus dem Volk winkte , das ihn mit Jauchzen begrüßte . Da teiltest Du plötzlich die Menge , das Vivat verdoppelte sich bei Deiner Erscheinung ; die beiden hohen Freunde miteinander auf und ab schreiten zu sehen , hoch an Geist und Milde , das war dem Volk ein heilig Schauspiel , und sie sagten alle : » Welch seltnes Paar ! « - Und viel Schönes wurde von Euch gesprochen , jede Eurer Bewegungen wurde beachtet : Er lächelt , er wendet sich , der Herzog stützt sich auf ihn ! Sie reichen einander die Hände ! Jetzt lassen sie sich nieder ! - So wiederholte das Volk mit heiligem Schauer alles , was zwischen Euch beiden vorging . Ach , mit Recht , denn aus Euer beider vereinten Liebe ging sein Glück hervor , das wissen sie alle ; und wie Ihr lange miteinander Rede führtet , da harrte die Menge schweigend , als ob der Segen von Jahrhunderten auf es herabgerufen werde . Ich auch , Goethe ! - Ich glaub dran , daß Euch beiden als Wesen höherer Geschlechter Macht gegeben ist , Segen für die Zukunft zu versichern , denn in des Herzogs Brust ist die Milde schon lange als Frucht gereift , das hast Du selbst gesagt , und Dein Geist strömt Licht aus , Licht der Weisheit , die Gnade ist und alles gedeihen läßt . Als Du weg warst , da ließ der Herzog mich rufen , er fragte , ob Du mich gesehen und begrüßt habest , das mußte ich verneinen , denn Du hattest mich ja übersehen . Erinnerst Du Dich noch an jenen Geburtstag ? - Am Abend , wo ich hinter dem Pfeiler stand , Du suchtest mich mit dem Blick und fandest mich auch , ach , wie durchglühte das mein Herz , wie ich Dein Spähen belauschte , da reichtest Du mir Dein Glas , daß ich draus trinken sollte , und keiner merkte es in der Menge . - Heute bin ich allein , viele Tage sind seitdem vergangen , dort liegt Dein Haus , ich könnte zu Dir gehen und Dich von Angesicht zu Angesicht sehen , doch zieh ich ' s vor ,