. Er nickte . » Das ist ein guter Mensch . Der hat mit dem Vieh zu tun . Das Vieh verdirbt einen Menschen nit . « Und während der Fischbauer in das Hemd fuhr , fragte der Söldner zögernd : » Wie geht ' s denn allweil ? Daheim ? « » Recht muß Recht sein . Sonst geht ' s nit schlecht . Langsam macht sich schon alles wieder . Drei von meinen Buben hat man totgeschlagen . Aber von den fünfen , die noch übrig sind , hat jeder ein Gütl gekriegt , das leer geworden ist . « » So so ? - Und der Mareiner ? « Der Albmeister lachte . » Dein Bruder ist angerumpelt und muß das Maul wieder halten . Sein Zenonisches Erbrecht hat man nit gelten lassen . Jetzt ist er wieder Sanktpetrischer Frongütler . Aber sonst ist Segen in seinem Haus . An Ostern hat seine Bäurin Drilling gekriegt . Drei Buben . « » Nit mehr ? « Auch Malimmes wurde heiter . » Gelt , ja ! Heuer ist in der Ramsau ein gutes Kinderjahr . Jedes Weibl und Maidl tragt in der Sonn was Lebendiges umeinander . « » Wo man viel totgeschlagen hat , müssen viel wieder herwachsen . Geh ' s wie ' s mag ! « » Was denn sonst ? « Der Fischbauer bändelte die zwei Schäfte seiner grauen Hose zusammen . » Und außer den drei Buben ? « Das Gesicht des Malimmes , das eben noch überleuchtet war von einer wilden Fröhlichkeit , wurde hart und ernst . » Ist da sonst noch ein Kindl im Haus ? Beim Bruder ? « » Geh , du Narr ! « Der Albmeister schlüpfte in die genagelten Schuhe . » Meinst , deine Schwägerin kann hexen ? Freilich , ein lützel was lernt man im Krieg . Die Mareinerin hat allweil gezittert vor Angst , wenn ein Herrenknecht in der Näh gewesen . Jetzt lacht das tapfere Weibl , so oft einer kommt . Was denn sonst ? « » So so ? « Nach langem Schweigen , während der Albmeister die Riemen seiner Schuhe knüpfte , fragte Malimmes rauh : » Wie geht ' s meiner Mutter ? « » Jeh , du , die ist doch gestorben , selbigsmal , wie der Marimpfel bei Piding hat bleiben müssen . Den besten von ihren Buben verliert eine Mutter hart . « Diesen Erfahrungssatz des Albmeisters hörte Malimmes nimmer . Der Strich seiner großen Narbe war so bleich geworden , als hinge ein weißer Zwirnfaden über das braune Gesicht herunter . So ging er stumm und mit schwerem Schritt aus der Kammer . Draußen in der Glut des schönen Abends ließ er sich einkeilen in das Gewühl der Menschen und ließ sich schieben , stoßen und treiben von der Menge - er wußte nicht , wohin . Und wo dieser bunte , frohe , rauschende , vom Blut des Abends überleuchtete Lebensstrom den Malimmes hinschwemmte , in jeder Gasse , überall und immer war jener grüne Wachtelschleier in seiner Nähe . Jetzt wieder . In der engen Brückengasse . Und da wühlte sich Malimmes plötzlich zu dem Frauenzimmer hin und griff nach dem grünen Schleier . Das Weib wehrte sich schweigend und wollte entrinnen . Aber Malimmes hatte den Schleier schon in der Faust und riß ihn herunter . Blonde Zöpfe , große , angstvolle Augen und ein geschminktes Gesicht , das nicht erblassen konnte . Die Traudi war ' s. Stumm und zitternd stand sie vor ihm , Furcht , Liebe , Gram und Freude im nassen Blick . Beim ersten Erkennen leuchtete in Malimmes etwas auf , als wäre in seine frierende Einsamkeit ein bißchen Wärme gekommen . Doch beim ersten Blick gewahrte er auch das Fürchterliche im Gesicht dieser armen Tochter : die französischen Krankheitsflecken unter der weißen und roten Schminke . Wortlos , die Zähne übereinander knirschend , faßte er die Traudi am Arm . Sie entzog sich ihm und sagte traurig : » Du sollst mich nimmer anrühren ! Du nit . Die Kriegsleut haben mich versaut . « Er brauchte lang , bis er fragen konnte : » Warum bist du fort von daheim ? « » Wie die Mutter tot war , hat ' s mich nimmer gelitten . Weil du nit kommen bist , hab ich dich suchen müssen . So bin ich auf Wasserburg gekommen , das man beschossen hat . Jeden hab ich gefragt nach dir . Und einer - « Sie konnte nimmer weiterreden . Er sagte heiser : » Wasserburg ? Das ist im vorigen Herbst gewesen . « Sein Gesicht entstellte sich . » Wann hast du dein Kind geboren ? « » Wie man Friedberg verwüstet hat , heuer in der Osterwoch . « Die Augen des Malimmes irrten flackernd über das vergnügte Gewühl der Menschen hin . » Gott wird wollen haben , daß dein Kindl tot ist ? « Sie schüttelte den Kopf . Da schrie er wild : » Es lebt ? « Sie nickte . Den Kopf beugend , keuchte er : » Wo hast du ' s ? « » Drunten , im Holzländgässel , bei meiner Herbergsmutter . « Schweigend stand er vor ihr , wie mit gebrochenem Nacken . Dann sagte er müde : » Komm ! « Sie rührte sich nicht und sah ihn verzweifelt an . » Hörst nit ? Komm ! « Er wühlte einen Weg durch das Menschengedräng . Und die Traudi schmiegte sich hinter ihm her ; heimlich berührte sie mit den Fingerspitzen seine Arme , seinen Rücken , seine Schultern ; dabei war in ihren klagenden Augen ein kleines , armes Glück . Zwischen hohen Häusern mit feuchten , muffigen Mauern lag eine enge , lange Gasse , in die vom leuchtenden Abendhimmel noch ein matter Glanz herunterfiel . Nur wenig Leute liefen da hin und her . Immer jagender wurde der Schritt des Malimmes .