ist auf den Neffen übergegangen . Sollte man es für möglich halten , daß dies so unvorbereitet , so überaus schnell geschehen kann ! « » Fragen wir nicht nach diesen Dingen , « antwortete Fu , » sondern bleiben wir beim körperlich Gegebenen . Es ist Zeit , von hier aufzubrechen , damit wir noch vor dem Ho-Schang nach Shen-Fu kommen . « Es muß gesagt werden , daß wir nicht die einzigen Gäste waren , die sich hier an dieser Stelle befanden . Der ganze Garten hatte sich gefüllt ; es war ein unausgesetztes Kommen und Gehen . Wir waren schon auf dem Wege nach hier immerwährend Leuten begegnet ; von jetzt an fand dies in größerem Maße statt , bis die Straße so belebt wurde , daß es schien , als ob die ganze Bevölkerung unterwegs nach Shen-Fu sei . Diese Stadt war eine Gartenstadt und nicht von einer Mauer umschlossen , wie es bei chinesischen Bezirksorten der Fall zu sein pflegt ; sonst aber ganz chinesisch gebaut , nur mit mehr Platz für jedes Haus , mehr Luft und Licht für die Bewohner . Die Straßenfronten waren mit Vorgärten geschmückt , die Häuser mit Fahnen , Flaggen und allem Möglichen , was Farbe hat und in den Lüften flattert . Auf den Gassen wogten fröhliche Menschen hin und her . Alle Türen standen offen , nicht bloß für Freunde und nähere Bekannte , sondern für Jedermann . Es roch überall nach frischem Gebäck , nach Fleisch und Braten . Das ganze Land ringsum war kameradschaftlich und gastlich gestimmt , so recht und echt und ganz nach dem Herzen unserer » Shen « ! In der Mitte der Stadt , auf einem großen , freien Platze , stand ein sehr ansehnliches Gebäude , nach deutschem Begriff das Rathaus , die Bürgermeisterei . Dorthin ritten wir . Die Art und Weise , wie man uns von allen Seiten grüßte , bewies , wie hoch meine beiden Freunde in der Liebe und Achtung dieser braven Leute standen . Es gab einen Raum , die Pferde einzustellen . Mein Sejjid blieb unten ; » weil ich so gut chinesisch kann « , sagte er . Wir Andern aber gingen eine Treppe hoch , wo die Verwaltungszimmer lagen . Dort wartete ein Bote des Ho-Schang . Er war vor kurzem eingetroffen , um mit Fu zu sprechen , und die Beamten Raffleys hatten ihn derart höflich empfangen , daß er sich sowohl geehrt als auch willkommen fühlen konnte . Er war , wie schon seine Kleidung erwies , ein Unterpriester des Ho-Schang , hatte ein intelligentes und wohlwollendes , sehr sympathisches Gesicht und machte seine Meldung , mit tiefer Verbeugung beginnend , in folgender Weise : » Ich bin der Bote dessen , der das Volk über Ki belehrt , über den Lebensodem , aus dem man Gott erkennt in seiner Allmacht und in seiner Liebe . Er hat gesehen , daß auch Ihr dieser Liebe dient , nicht etwa in leeren Worten , sondern in allen Euren Taten und Werken . Darum wurde Euch von T ' ien , dem Himmel , große Macht gegeben , die täglich wächst und Euch die Herzen zuführen wird aus allen Gegenden der ganzen Erde . Auch unser großer , weithin einflußreicher Ho-Schang wünscht , sich mit Euch zu vereinigen , um durch die Gott wohlgefälligen Werke der Shen dem Himmel und der Religion der Liebe zu dienen . Nur die Tat beweist , und die Tat , das ist die Shen ! Darum kommt er heut gezogen , mit vielen , vielen Seelen , die er Euch bringen will , hierher , nach Shen-Fu , dem Ausgangspunkt Eurer Menschenfreundlichkeit . Aber er möchte auch noch weiter , nach jenem Schlosse , welches Ihr Raffley-Castle nennt . Dort soll der Ort des Paradieses abgebildet sein und auch der Weg , der durch die Hölle auf zum Himmel führt . Das möchte er gerne sehen und auch uns Andern allen zeigen . « Als er hier eine Pause machte , nahm Fu das Wort , um in der verbindlichsten Weise zu sagen , was hierauf zu sagen war . Dann fuhr der Priester fort : » Der erste Bote des Ho-Schang hat Euch bereits von jenen fremden , westlichen Barbaren mitgeteilt , von denen leider auch ich jetzt noch zu sprechen habe . Sie nahmen Besitz von unserem großen Tempel und dessen ganzer Umgebung , und wir vertrieben sie nicht , weil im Reiche der Mitte alle Gotteshäuser zugleich auch jedem Gaste , jedem Bedürftigen geöffnet sind . Sie sagten , daß sie Engländer seien ; wir aber hielten sie für zusammengelaufene Leute aus allen christlichen Ländern . Sie schienen nämlich bloß anfangs einig zu sein ; bald aber entzweiten sie sich . Es sind bei uns einige Leute , die in den östlichen Häfen waren und darum ein wenig Englisch verstehen . Die gaben wir den Fremden als Diener und erfuhren durch sie , was gut zu wissen war . Die Fan-Fan waren lauter Christen , aber fast ein Jeder von ihnen glaubte etwas Anderes , und ein Jeder behauptete , daß grad das , was er glaube , das Richtige sei . Auch warfen sie einander die Verschiedenheit ihrer Länder , ihrer Völker , ihrer Regierungen und ihrer Fürsten vor . Das war so überflüssig , so lächerlich , so unbegreiflich ! Nur in Einem waren sie einig , sie alle zusammen , nämlich über Euer Gebiet herzufallen und der Shen zu nehmen , was sie besitzt . Denn die Shen sei ihre größte Feindin ; sie mache die Menschen liebreich gegen einander , folglich zufrieden mit ihrem irdischen Los und greife dadurch ganz unerlaubt in die Rechte der besseren Stände ein . Zu ihnen gesellte sich Einer , den sie erwartet hatten . Er hieß Dilke und brachte eine Schar annamitischer Spitzbuben mit . Er hatte ein Schiff mit Waffen gebracht , die während der Feier des heutigen Festes geholt und verteilt