ihnen wie zwei Torflügel zu schließen . Im Süden freuten wir uns über die dortlagernden Dinarun , die sich so schnell aus Feinden in Freunde verwandelt hatten . Ihr Scheik war soeben bei ihnen angekommen , hatte ihnen Alles erzählt und war soeben dabei , ihnen auch zu sagen , daß er die verwetteten Pferde und Kamele bereits zurückerhalten habe , und zwar unter Aufsicht des Pedehr , dem dies von dem Ustad übertragen worden war . Als wir ihnen mitteilten , daß es besten Falles gar keinen Kampf geben werde , versicherten sie uns , daß dies ganz gegen ihre Absicht sei , da sie wünschten , uns ihre Freundschaft durch die Tat beweisen zu können . Wir brachten sie in Fühlung mit den südlichen Dschamikun , die sich im Rücken der Taki mit dem Scheik von Schohrd zu verbinden hatten . So war unser Ring also geschlossen , mit Ausnahme der Durchzugsstelle für die Massaban und Schatten . Wenn sie so töricht waren , diese Tür zu benutzen , so gerieten sie in eine Falle , aus welcher es kein Entrinnen gab ! Es war mitten in der Nacht , als wir heimkehrten , und doch wartete Schakara auf uns . Sie sagte , sie habe vor Sorge nicht schlafen können , um uns eine Beobachtung mitzuteilen , die vielleicht sehr wichtig sei . Sie war , ehe sie sich zur Ruhe legen wollte , noch einmal zu den Pferden gegangen und hatte sie in einer ganz auffälligen Unruhe gefunden . Besonders waren die Tiere nicht dazu zu bewegen gewesen , sich zu legen . Das deutete auf irgend eine Gefahr , die unter ihnen in der Erde lag . Schakara dachte nach , und indem sie so still dastand und sann , hörte sie , scheinbar unter ihren Füßen , ein dröhnendes Geräusch , dem ein fortrollendes Donnern und Beben folgte . Das machte sie besorgt , und darum beschloß sie , nicht schlafen zu gehen , bevor sie es uns mitgeteilt habe . » Wir müssen hinunter « - - - » in das Bassin ! « sagte der Ustad und sagte auch ich , beide wie aus einem Munde . Wir holten Fackeln und begaben uns , begleitet von Schakara , die nicht ohne uns bleiben wollte , nach dem Landeplatze , stiegen in das Boot und ruderten nach dem Kanale . Es gab keinen Menschen , der uns sah . Weil der Ustad auch schon hier gewesen war , wußte er Bescheid . Wir bemerkten sofort , daß das Wasser in Folge des langen , bedeutenden Regengusses viel höher stand als früher . Die Ranken waren hier oben dichter ; sie ließen uns nur schwer hindurch . Dann brannten wir sogleich zwei Fackeln an und stakten und ruderten uns durch den Kanal in das vordere Becken . Heut konnten wir die Decken über uns erkennen , wohl wegen des Wasserhochstandes . Diese Flut mußte drücken und heben . Gleich an der ersten Säule sahen wir , daß an ihrer Basis ein großes Stück ausgewuchtet worden war ; oben aber prasselte es . Dennoch wagten wir uns weiter . Es bröckelte überall , und zwar in beängstigender Art und Weise . Stein auf Stein fiel klingend oder gluchzend in die Flut . Es war wirklich verwegen , nicht umzukehren ! Wir kamen dahin , wo die Säule mit dem Gerippe gestanden hatte . Sie war verschwunden . Nur der untere Stein stand noch , mit dem Skelett darauf . Von hinten her kam ein Aechzen , Knarren und Prasseln . Schakara war bisher still gewesen , überwältigt von der unheimlichen Schrecknis dieser Unterwelt ; jetzt aber schrie sie auf und bat uns , Gott ja nicht länger zu versuchen , sondern sofort umzukehren und zu flüchten . Wir taten es , ohne erst noch nachzusehen , ob vielleicht nicht nur diese eine , sondern noch mehrere Säulen zusammengestürzt seien . Die Folge sollte zeigen , daß dies sehr wahrscheinlich der Fall gewesen war . So standen wir also zwischen zwei drohenden Gefahren : Oben am Alabasterzelte rückte die Moräne vor , und unter uns brach das Innere der Erde zusammen . Glücklicher Weise lag sowohl der Duar als auch unser Haus mit dem Garten und dem Weideplatze zwar nahe , aber doch außerhalb des Bereiches der beiden Katastrophen , von denen nur die Ruinen betroffen werden konnten ! Wir waren weder Geologen noch Architekten von Fach , aber es stand dennoch für uns außer allem Zweifel , daß kein Leben bedroht sei außer demjenigen , welches sich von jetzt an noch in das alte Gemäuer wagte . Darum ließ der Ustad gleich in der Morgenfrühe den Zutritt zu den Ruinen allgemein und bei hoher Strafe verbieten . Auch schickte er Boten nach den beiden Zelten hinüber , um die Bewohner derselben zu warnen . Man ließ ihm aber antworten , daß man die feindseligen Gründe dieser albernen Warnung kenne und über sie nur lache ! Hierauf stieg eine Menge Arbeiter zum Alabasterzelte hinauf , um den Absturz der Erd- und Steinmassen zu verhindern . Da sandte uns der Scheik ul Islam ein Stück Papier , auf welchem folgende Zeilen standen : » Gebt Euch keine Mühe , weder von oben noch von unten ! Wir glauben keinen Lügen ! Wir halten die Ruinen fest bis morgen ; dann werden Alle gehen , die nicht hierher gehören ! Hierauf mein Wort als Scheik ul Islam ! « Was unsere Festgäste betrifft , so hatten alle , denen nicht zu trauen war , sich wohlweislich entfernt . Von den andern aber fiel es keinem ein , den Ustad zu verlassen . Sie verhielten sich so , als ob sie vollständig ahnungslos seien , waren aber alle sehr wohl unterrichtet und warteten mit Ungeduld auf den nächsten Morgen , der die Entscheidung zu bringen hatte . Im Verlaufe des Nachmittages kamen Boten von verschiedenen Seiten , und als es dunkel geworden war , brachte der letzte von ihnen