in euch selbst und wird aufsteigen wie ein verzehrendes Feuer und wie ein alles verschüttender Aschenregen , wenn die Hand des Herrschers niederfährt , um den Janardagh168 aufzusprengen und auseinander zu reißen . Dann wird das Land von all den giftig bösen Dünsten frei , die diesem Berge des Unheiles bisher entstiegen , und wenn der dunkle Rauch , der über Chodehs Erde ging , verschwunden ist , wird endlich , endlich jedermann den reinen Himmel und den wahren Herrscher schauen ! - Ich bin mit dir zu Ende - - - für heute und jetzt . Reitet fort ! Ihr mögt euch wenden , wohin ihr wollt , es erwartet euch dort nicht dieses , sondern ein noch ganz anderes Ende ! « Während die beiden mit einander sprachen , waren auch die andern Perser zu ihnen herangekommen . Sie hatten den letzten Teil der Rede des Pedehr gehört und sahen nun den Mirza an , was er thun werde . Er bohrte die Innenspitzen seiner Schuhbügel in die Flanken des Pferdes , daß dieses vor Schmerzen sich bäumte und fast überschlug . Dann warf er die Hand verächtlich in die Luft und rief unter grellem , weithin schmetterndem Lachen aus : » Ein noch ganz anderes Ende ! Alter Narr ! Es giebt ja gar kein Ende ! Welch ein Glück , wenn es so wäre , wie du sagst ! Vielleicht aber hast du recht , denn uns fehlt nichts weiter , als nur das Eine , die Allwissenheit ! Versuchen wir es ! Ist es ein Phantom , oder ist es Wirklichkeit ? Reiten wir ihm zu , dem von dir angedrohten , von Anderen aber heiß ersehnten Ende ! « » Dem Ende - dem Ende ! « lachten die Andern ihm nach . Sie trieben ihre Pferde an und ritten , das Beit-y-Chodeh jetzt in einem weiten Bogen vermeidend , die grüne Alm hinab und verschwanden bald hinter dem Gebüsch der unten liegenden Gärten . Wir schauten ihnen nach , bis wir sie nicht mehr sahen . Dann wendete sich der Pedehr mir zu , indem er fragte : » Sind dir schon einmal derartige Menschen begegnet , Effendi ? Sollte man sie nicht für etwas ganz Anderes halten ? « » Es ist mir an ihnen vieles rätselhaft , « antwortete ich . » Kannst du mir sagen , was ? « » Wohl kaum ! Es giebt Empfindungen , für welche die Sprache keine Worte hat . Es kommen uns Ahnungen , die wir uns nicht einmal in Gedanken deuten , noch viel weniger aber in hörbare Laute kleiden können . Es war mir , als ob Ahriman Mirza zwei verschiedene Leben besitze und zwei verschiedenen Reichen angehöre . Seine hörbare Rede gehörte dem einen an , dem andern aber der Sinn , der in ihr lag , und der Geist , der sie ihm diktierte . Ich habe viele , viele Menschen kennen gelernt , so einen aber noch nicht ! Es gab , während er sprach , gewisse Stellen , an denen ich mir sagte , daß ich mich hüten müsse , an mir selbst irre zu werden . Er riß mir Gedanken aus der Tiefe , von denen ich niemals eine Ahnung gehabt habe . Und er wußte sie so zu leiten und zu gestalten , daß es mir schwer wurde , sie als irrig zu erkennen . Wehe dem denkschwachen , vertrauensvollen Opfer , welches er sich erwählt ! Es muß ihm unbedingt verfallen sein ! Da taucht ein Bild vor meinen Augen auf , ein Bild , widerlich und schön zugleich . Aber es gehört nicht hierher in Tempelsnähe . Könnte ich es dir zeigen , so würde in ihm wohl wenigstens einigermaßen die Antwort auf die Frage liegen , die du an mich gerichtet hast . « » Sprich immerhin ! Es giebt kein Bild im Himmel und auf Erden , welches der Sonnenglanz , der jetzt von unserem Beit-y-Chodeh für heut Abschied nehmen will , nicht doch verklären könnte . « » Du sagst : im Himmel und auf Erden . Und dieses Bild bezieht sich allerdings auf beide . Ich habe daheim ein liebes altes Buch . Es ist gewiß vierhundert Jahre alt und von meinen Vorfahren auf mich gekommen . Es enthält nur Bilder , keinen Text , aber die Rückseiten wurden von den Händen der jeweiligen Besitzer fromm beschrieben . Denn diese Bilder wurden zur Erklärung und Veranschaulichung dessen gedruckt , was uns das Kitab el mukkadas169 erzählt . Es ist für mich von unschätzbarem Werte . Ich habe es schon als Kind sehr oft mit meinen kleinen Händen aufgeschlagen und schaue auch noch jetzt so gern hinein . Es dünkt mich heut , als sei ich es selbst , dessen Gefühle und Gedanken , dessen Kämpfe , Niederlagen und Siege auf diesen Blättern abgebildet seien . Die Menschheit in ihrer Kinderzeit , dem Vater vertrauend und in dankbarer Liebe ihn verehrend . Des Knaben Trotz und Unbedachtsamkeit , die , wie einst Israel , nicht gehorchen wollen . Des Jünglings heißgeliebte Ideale , im Harfenton der Psalmen aufwärts erklingend . Hierauf der eigene Sinn , welcher verlangt , mit den Augen schauen zu müssen , was das Herz bisher ohne Einwand glaubte . Das immer suchende und nicht ermüdende Forschen nach Bestätigung . Der Kampf mit andern Völkern , die andere Götter hatten . Die fürchterliche Gegnerschaft dessen , der einst zu Hiob kam , um ihn zu vernichten . Das feste Halten an dem Gottesglauben , trotz aller Siege , denen ich erlag . Der schwere , heiße Kampf des tapferen Judas Makkabäus , sich aus diesen Niederlagen wieder aufzurichten und , obwohl von seinen eigenen Brüdern verachtet und verdammt , die Höhe von Moria wieder zu ersteigen und sich die Liebe seines Volkes zu erringen . Wie war das so schwer , jawohl das aller- , allerschwerste ! Doch glaube ich , ich habe es erreicht ! « Der