nie die meine werden . Es war zu viel geschehen , das sich nie vergiebt und noch weniger vergißt . Ich hatte ihr eine Andere vorgezogen und sie mir einen Andern . Eben jener Fürst Waldernberg war ihr Verlobter . Ist er es denn nicht mehr ? Nein . Ich fand sie im Begriff , die Stadt zu verlassen . Sie hat sich noch in der zwölften Stunde darauf besonnen , daß sie ein Herz im Busen trägt , dessen Sehnen aller Reichthum der Welt nicht stillen könnte . Wunderbar , wunderbar ! murmelte Berger , Ihr Beide , der Baronensohn , der sich zu den Proletariern hält , der Proletariersohn , der unter den Fürsten sitzt , Nebenbuhler um die Gunst derselben Dame ! und sie Dich verschmähend , weil sie von Deiner noblen Abkunft keine Ahnung hat , und den Fürsten wählend , weil sie glaubt , daß in seinen Adern dasselbe Blut rollt , auf das er so stolz ist . Schade , schade , daß dies die Welt nicht weiß und wissen darf . Sie würden dann vielleicht dahinter kommen , was es mit dem Unterschiede von adeligem und bürgerlichem Blut auf sich hat ! Sie scheinen es mit diesem Unterschied jetzt allerdings nicht mehr so genau wie früher zu nehmen ; ich erinnere mich einer Zeit , wo Sie es für eine moralische Unmöglichkeit erklärten , der Freund eines Adligen zu sein . Du spielst auf meine Freundschaft zu Oldenburg an , sagte Berger ruhig . Ich sage Dir , Oswald , wenn es je einen Menschen giebt , der es verdiente , daß man ihn liebt und ehrt , so ist es Oldenburg . Wenn ich mich je vor einem Menschen demüthigen und meinen Herrn und Meister in ihm erkennen könnte , so wäre es wiederum Oldenburg . Ich weiß , daß Du ihm grollst , weil die Frau , die Du verlassen hast , in ihm schließlich ihre Welt fand . Das ist nicht recht , Oswald ! Oldenburg hat stets mit Freundschaft von Dir gesprochen . Es wäre mir sehr lieb , Oswald , wenn ich Euch versöhnt wüßte , bevor ich von Euch auf immer scheide . Erst kommt die Reihe an mich , sagte Oswald ; wissen Sie , Berger , was Sie in Grünwald sagten ? Du wirst vor mir sterben , sagten Sie , die große Schlange hat ein zähes Leben , und Du bist weich , viel zu weich für diese harte Welt . Das war damals . Dies letzte Jahr hat die große Schlange alt und stumpf gemacht . Doch , was ist das ? Ein Lärm , der aus einer Kellerkneipe , deren Treppe nicht weit von ihnen mündete , herauftönte , machte die beiden Männer von ihren Sitzen auffahren . Sie ergriffen ihre Waffen und eilten , gefolgt von anderen Männern , die mit ihnen die Barricade besetzt hielten , dem Keller zu , wo jetzt rasch hinter einander mehrere Schüsse fielen . Es waren dies dieselben Schüsse , die auch Oldenburg aus seiner momentanen Ruhe auf der Barricade in der Langen Straße emporgeschreckt hatten . Fünfzigstes Capitel Albert Timm war nach dem heftigen Wortwechsel mit Oswald stehen geblieben und hatte dem Enteilenden mit einem so grellen Lachen , daß die Vorübergehenden ihn verwundert anschauten , nachgeblickt ; dann war er in einer andern Richtung davongeeilt , heftige Worte vor sich hinmurmelnd , mit den Zähnen knirschend und die Fäuste ballend . Albert Timm war wüthend , und er hatte Ursache dazu . Seine Lage war eine verzweifelte . Die Schulden , die er in Grünwald und anderswo hinterlassen hatte , drückten ihn nicht besonders ; aber auch mit der geringen Baarschaft , die er mit nach der Residenz genommen , war er schon seit mehreren Tagen zu Ende , und wenn selbst das nicht so viel sagen wollte , so waren doch all die herrlichen Aussichten auf eine glänzende Zukunft , wie sie ihm seine lebhafte Phantasie vorgegaukelt hatte , zerstoben wie bunte Seifenblasen . So hatte er , sich und die ganze Welt verfluchend , schon mehrere Straßen zurückgelegt und kam jetzt in Quartiere , wo die Revolution schon ihre Fahne erhoben hatte . Er freute sich dessen , nicht weil er irgendwelche Sympathien für die Sache des Volks und der Freiheit gehabt hätte , sondern aus dem instinctiven Bewußtsein , daß er , der Abenteurer , der Heimatlose , in einer Zeit der Verwirrung und des Umsturzes zwar nichts verlieren , möglicherweise aber viel gewinnen könnte . Das gab ihm seine ganze Elasticität wieder ; er schrie lustig Hurrah mit der Menge , stimmte aus voller Kehle in den Ruf : Zu den Waffen ! auf die Barricaden ! ein und hatte ordentlich seine Freude daran , als der Lärmen und Tumult , je weiter er nach dem Dustern Keller - dem Ziel seines Weges - kam , in rascher Progression wuchs . So gelangte er in die Lange Straße , gerade in dem Augenblicke , als auch Oswald und Berger von einer andern Seite dort eintrafen . Er bemerkte die Beiden wohl , auch Herrn Schmenckel , der , halb Berger suchend , halb sich von dem Strome der Revolution treiben lassend , ebenfalls bis hierher gekommen war . Durchaus nicht gewillt , sich vor seinen beiden Feinden sehen zu lassen , drückte er sich auf die Seite und wollte eben in die Gertrudengasse hineinbiegen , als er sich von Jemand am Rockschoß festgehalten fühlte . Als er sich umsah , erblickte er seinen Freund und Gönner , Ehren Jeremias Gutherz . Nun , wie ist ' s abgelaufen ? fragte der geheime Polizist , der mittlerweile Timms Freundschaft sich erworben und in die Intriguen desselben vollkommen eingeweith war . Alles vergebens ! erwiederte Timm ärgerlich , Mühe und Arbeit umsonst , ganz umsonst ! Ich könnte die beiden Schufte - er deutete auf Oswald und Schmenckel - - in der Hölle braten lassen . So , so ! sagte