gewisse Auskunft geben könnten , daß aber Verschwiegenheit die erste Pflicht eines guten Bedienten sei . Er wolle nur so viel sagen , daß sein Herr eine Sache , die er angefangen habe , auch zu Ende bringe , und daß er selbst der unmaßgeblichen Meinung sei , es gebe kein Mädchen auf Erden , das seinem Herrn auf die Dauer widerstehen könne - eine Behauptung , die von dem weiblichen Theil der Gesellschaft mit großer Entrüstung zurückgewiesen wurde . Was den Blicken dieser Leute nicht entging , konnte Oswald ' s durch die Liebe hundertfach geschärftem Auge nicht verborgen bleiben . Mußte er doch täglich wahrnehmen , wie Baron Felix Alles aufbot , sich die Gunst seiner schönen Cousine zu erwerben : alle Gewandtheit , die er sich in tausend Intriguen auf den glatten Parquets großstädtischer Salons angeeignet , allen Witz , mit dem ihn die Natur keineswegs kärglich versehen hatte ; alle Vortheile , die ihm sein Verhältniß als naher Verwandter gestatteten . Mußte er doch sehen , mit welcher Umsicht die Baronin diese Bemühungen auf jede Weise unterstützte , und Felix in jeder Hinsicht eben so unermüdlich wie geschickt secundirte . Zwar sagte er nein ! oder schwieg , wenn Bruno nach Tische , nach einem Spaziergang mit zornigem Antlitz diese oder jene Frechheit von » dem Affen , dem Felix « erzählte ; aber er wußte recht gut , daß der Knabe nicht falsch gesehen oder gehört hatte , und sein einziger Trost war , daß Helene ' s Stolz in die Verbindung mit einem ihrer so ganz und gar unwürdigen Mann nun und nimmermehr willigen werde . Was Fräulein Helene selbst betraf , so ging sie ihren stillen Weg , ohne scheinbar weder nach rechts noch links zu blicken , nur daß in der letzten Zeit ihr Betragen noch zurückhaltender , ihre Miene noch vornehmer , ihr Lächeln noch seltener geworden war . Sie wußte sehr wohl , daß sie in dem Kampfe , der ihr drohte , vergeblich an das Herz der kalten , egoistischen Mutter , vergeblich an die Einsicht des alten , schwachen Vaters , vergeblich an die Ritterlichkeit des frivolen , zügellosen Felix appeliren würde , und daß sie sich auf Niemand verlassen könnte , als auf sich selbst . Aber dieses Bewußtsein diente nur dazu , den Muth des hochherzigen Geschöpfes anzuschüren und zu entflammen . Die Annäherung , die zwischen ihr und der Mutter stattgefunden hatte , war nur eine scheinbare gewesen . Zwischen der Baronin , die nur weltliche Zwecke kannte und verfolgte , und ihrer Tochter , die einem vielleicht übertriebenen , immer aber hochsinnigen Idealismus huldigte , war auf die Dauer keine Vereinigung möglich . Das sprach Helene wiederholt in den Briefen aus , welche sie jetzt häufig an ihre liebste Freundin und einzige Vertraute , Miß Mary Burton , nach Hamburg schrieb . Dearest Mary , hieß es in einem derselben , wie oft hast Du Dich über das grausame Geschick beklagt , welches Dich mit Reichthum überschüttete , um Dir alle Verwandte zu rauben , Eltern , Geschwister , Cousins und Cousinen - alle jene Freunde und Freundinnen , die uns die Natur selbst mit auf den Lebensweg giebt . Aber , glaube mir , liebes Mädchen , es giebt noch ein schlimmeres Loos , als das Deine . Die Wehmuth , die Dich bei dem Gedanken erfaßt , allein dazustehen in der Welt , ist nicht ohne eine gewisse Süßigkeit . Wie oft sprachst Du mit Entzücken von Deinem Bruder Harry , der Dir in der Blüthe seiner Jahre geraubt wurde , von Deiner Schwester Kitty , der holden Blume , die so früh verwelkte - Du sagtest , sie seien Dir nicht gestorben , könnten Dir nicht sterben , denn sie lebten schöner und herrlicher in Deiner Erinnerung fort . Die Schatten der lieben Todten umschwebten Dich überall , sie seien Dir eine liebe Gesellschaft , in der Du Dich unendlich wohler fühltest , als oft , sehr oft in der kalten , egoistischen , die Dich umgiebt . O gewiß : das Leben ist der Güter höchstes nicht ; aber die Liebe ist es . Das Leben ohne Liebe ist ganz werthlos . Deine Verwandten sind gestorben , aber sie leben Dir ; meine Verwandten leben , aber für mich sind sie todt . - Es ist ein grauses Wort , theuerste Mary , aber ich streiche es dennoch nicht wieder aus , denn es ist wahr , und wir haben ja geschworen , uns nie die Wahrheit zu verhehlen , koste uns ihr Bekenntniß noch so viel . Ja , sie sind todt für mich , meine Verwandten , und ob ich gleich die Hälfte meines Lebens hingeben möchte , sie ins Leben zu rufen - mit frommen Wünschen ist hier nichts gethan . Wer leidet denn für uns ? Doch nur die , in deren Herzen wir allezeit eine sichere Zufluchtsstätte finden vor allem Leid , das uns bedrängt , vor allen Zweifeln , die uns ängstigen ; die nichts wollen , als unser Glück , und unser Glück nicht in der Erfüllung ihrer eigenen Wünsche , in der Befriedigung ihrer eigenen Selbstsucht erblicken . Und ist dies nicht der Fall bei den Meinigen ? kann ich ihnen mein Herz erschließen ? muß ich nicht stets fürchten , bei ihnen anzustoßen , wenn ich spreche , wie ich denke ? fragen sie nach meinen Neigungen ? ängstigen sie mich nicht vielmehr mit Zumuthungen , mit Andeutungen , die mir das Blut erstarren machen ? Freilich mein guter alter Vater - er würde , wenn es zum Aeußersten käme , mich nicht verlassen ; aber großer Gott , ist denn die Furcht , es könne bis dahin kommen , nicht schlimm genug ? und ist denn der Beistand , den man sich ertrotzen muß , etwas , worauf wir mit vollem Vertrauen , mit gläubiger Zuversicht blicken können ? Ach , Mary , ich kann Dir nicht sagen , wie