Regina - ist das die Milde und Großmut Gottes ! « » Seine Barmherzigkeit ist ' s , die mir schon auf Erden mein Purgatorium - seine Liebe ist ' s , die mir Anteil am Kreuz gönnt , « entgegnete sie ruhig . Leichenblaß und abgezehrt waren ihre Züge , eine fürchterliche Wunde klaffte an ihrer linken Wange und zog sich zu der Schläfe hinauf - und wie Kerzen in einer Gruft standen ihre Augen , noch größer , noch strahlender als sonst , mit stillem Glanz über der grausigen Zerstörung . » Das Gitter zu ! den Schleier herab ! « rief Uriel in namenloser Verzweiflung . » Ich halt es nicht aus ! ich sterbe vor dem Anblick . « Der Vorhang rauschte zusammen und sie sagte : » Sieh , Uriel , das ist die Regina , die Du geliebt hast - und Du schauderst vor ihr zurück ! Wirst Du nun die Fügungen Gottes preisen ? « » Nein ! « rief er , und seine Verzweiflung löste sich in Tränenströmen - das ist sie nicht ! Das Lamm Gottes , das Opfer , das sich lächelnd und selig langsam am Kreuz schlachten und verbluten läßt : das ist die Regina , die ich liebe . O Du gottbegnadetes Geschöpf , welch einem großen Herrn dienest Du ! « » Es ist der , welcher gesagt hat : ich liebe , die mich lieben ; und der mir zum Beweis seiner Liebe seine Dornenkrone aufgesetzt hat . « Uriel drückte mit beiden Händen die Tränen aus seinen Augen , nahm alle Kraft zusammen , um seine Aufregung zu bemeistern , blickte auf das Kruzifix , das ihm noch nie so verständlich , so lebendig gewesen war , sammelte sein Herz in seinem Willen und sagte gefaßt : » Wohlan , Schwester Therese vom Lamm Gottes , der Herr , der Deine Liebe mit einem solchen Lohn auf Erden vergilt , dessen Liebe muß etwas über alle Begriffe Großes , Süßes , Göttliches sein , welches das Maß meines Herzens überfüllt . Das hab ' ich verlangt , das hab ' ich gesucht ! nun ist es gefunden : dem Herrn will ich fortan dienen . « Da teilte sich der Vorhang . Regina erschien in ihre Schleier verhüllt und nichts von ihrem Antlitz war sichtbar , als ihre Augen , die wie aus dem Jenseits schimmernd ihn anblickten . Mit unbeschreiblicher zärtlicher Freude sagte sie : » Auf Wiedersehen im Himmel ! « und verschwand . - Am Abend dieses Tages suchte Uriel in der Stadt den Superior der Karmelitessen auf , nannte sich ihm und fragte ihn , nachdem er in einigen Worten den Vorgang mitgeteilt hatte , wie denn eigentlich dies furchtbare Leiden über die blühende kräftige Regina gekommen - und ob nichts zu ihrer Herstellung versäumt sei . « » Letzteres ist gewiß nicht der Fall , « erwiderte der Geistliche . » Wir haben hier äußerst geschickte Aerzte und keine Mittel , auch die schmerzlichsten nicht , sind unversucht geblieben . Aber dies Übel ist ja fast immer unheilbar ! - Als die Gräfin bei den Karmelitessen eintrat , siechte eine Laienschwester daran hin und die demütige Novize bat um Erlaubnis , die Kranke pflegen zu dürfen . Ansteckend ist es nicht ; nur heißt es , daß der Krankheitsstoff , wenn er auch nur durch ein Minimum in das Blut des Gesunden übergehe , dieses vergifte . Die Gräfin empfing mit Freuden die Erlaubnis und besorgte ihr Geschäft mit solcher Andacht , daß die Oberin mir sagte , ihr fielen dabei die Legenden von der heiligen Elisabeth von Thüringen und der heiligen Katharina von Siena ein . Kaum war die Laienschwester tot , so zeigte sich das Übel bei der Gräfin ; aber sie kannte dessen Entstehung nicht und beachtete es nicht , hielt es für vorübergehend , vielleicht erzeugt durch die veränderte Lebensweise und mochte nicht davon reden , aus Furcht , man werde sie , die noch Novize war , zurückschicken , damit sie sich im Vaterhause herstellen lasse . Bemerken konnte es niemand , da der Halsschleier die Wangen zur Hälfte bedeckt , da sie immer ganz heimlich die Linnen wusch , welche sie auf die Wunde legte und nie die leiseste Unruhe oder Bekümmernis kund gab . Nachdem sie Profeß abgelegt hatte und somit ganz sicher war , daß man sie behalten müsse - wie sie unbefangen sagte - da sprach sie denn endlich von dem Übel und sogleich wurde ein geschickter Arzt zu Rate gezogen . Er meint , sie könne einen Nadelstich , einen feinen Riß an der Hand gehabt - und durch denselben , bei dem Verbinden der Laienschwester , den Giftstoff im Blut aufgenommen haben . « » Und so ist sie verloren - rettungslos verloren ! « sagte Uriel tonlos . » Nur für die Erde , Herr Graf , von der sie ja , der Sehnsucht nach , längst abgeschieden ist ; droben ist ihr ein herrlicher Platz bereitet . Die heilige Therese sagt : Nach dem Maß der Liebe , mit der wir unserem guten Jesus nachgefolgt sind , werden uns die himmlischen Wohnungen eingeräumt . Da ist denn wohl zu hoffen , daß der gute Jesus die Schwester Therese vom Lamm Gottes liebevoll empfangen werde , wenn sie vor seinem Thron erscheint . Ein Blutbräutigam , wie die heilige Schrift ihn nennt , ist er ihr hienieden gewesen ; in seinen Wunden hat er sie sich anvermählt ; zu einem lebendigen Schlachtopfer hat er sie auserkoren ; und sie hat , wie das Lamm , das zur Schlachtbank geführt wird , gänzlich dem Willen des göttlichen Bräutigams sich hingegeben , nie den Mund zur Klage , viel weniger zum Widerspruch geöffnet und so gelitten , in stiller , schweigender Liebe , wie die ganz guten Kinder Gottes leiden . O Herr Graf ! das gibt eine selige Sterbestunde - und wenn wir uns einer solchen erfreuen , so