davon . Daß der Getroffene der Schütz war und daß die Kugel ihm das Leben gekostet , erfuhr er erst später und prügelte seinen ungeschickten Kameraden dafür und für einen Einbruch bei einem Kaufmann in Winnenden , den er als einen ehrlichen Mann nicht bestohlen wissen wollte , tüchtig durch . Dieser , der die Schläge als verdient anerkannte , ließ den Verdruß darüber an einem Dritten aus , der ihn zu dem Einbruch in Winnenden verleitet hatte , und hieraus entstand eine Feindschaft , welche so tödlich wurde , daß man einander mit Schüssen zu Leibe ging und daß der Verführer des kleinen Kaspars , als geschworener Gegner des » Sonnenwirts « , von den rheinischen Gaunern den Namen » Konterwirt « erhielt . Der Tod des Schützen aber wurde in Ebersbach als eine neue Meucheltat der schädlichen bösen Wurzel angesehen , und der Vogt ließ Sturm schlagen und alle Bürger unter das Gewehr rufen , als ob eine ganze Armee von Gaunern im Anmarsch wäre . Der Kirchenkonvent von Ebersbach , unter dem Vorsitze des Pfarrers und Amtmanns , beschloß , dem jüngsten Kinde des verunglückten Schützen eine kleine Unterstützung auszusetzen und zugunsten der übrigen Hinterbliebenen desselben ein untertäniges Memorial bei der Herrschaft einzureichen , strafte aber zugleich den Zechbruder des Erschossenen um ein Pfund Heller , weil er demselben beim Schnaps Gesellschaft geleistet und dadurch mittelbar Gelegenheit zu dem Unfall gegeben habe . Dennoch sollte der Räuber , so sehr er seine Hand rein von Blut zu erhalten strebte , noch einen dritten Mord , den zweiten und letzten , den er selbst beging , auf seine Seele laden . Im Löwen zu Jöhlingen , einem Dorfe in der unteren badischen Markgrafschaft , hatte er einst mit der schwarzen Christine nebst einem Knecht und einer Magd , die das Paar bei sich im Dienste hatte , Herberge genommen . Sooft er seinen Stern mit Christinens Stern verband , konnte er im Wohlstande leben . Der Knecht war ein gelernter Gauner und in die Unternehmungen seiner Herrschaft eingeweiht ; die Magd aber , die anfänglich als Wärterin für ein inzwischen wieder gestorbenes Kind Christinens angenommen war , hatte bloß häusliche Dienste zu verrichten und alles eigenmächtige Stehlen war ihr von ihrem Herrn strengstens untersagt worden , weil sie , wie er sich ausdrückte , als ein Mensch von schlechter Kleidung und Person leicht darüber ins Unglück kommen könnte . Herrschaft und Gesinde speisten ruhig miteinander und achteten nicht darauf , daß zwei Männer in die Stube traten , sie eine kleine Zeit aufmerksam beobachteten und sich dann einer nach dem andern wieder entfernten . Die Gesellschaft war aufgefallen , sei es , daß ihre jenische Sprache Verdacht erregt , oder daß man sie auf einem benachbarten Markte gesehen hatte . Plötzlich fiel auf der Straße ein Schuß . Sie fuhren auf , aber zu gleicher Zeit drangen die beiden Männer wieder in die Stube und auf sie ein . Schwan machte sich von ihnen los und stürzte hinaus , sah aber die Treppe mit Bewaffneten besetzt , unter welchen er den Ratsschreiber des Orts mit angelegtem Gewehr erblickte . Die Not gab ihm Kraft , eine Türe auf dem Gange einzudrücken und sich in eine andere Stube zu werfen , die aber keinen Ausweg hatte . Einer seiner Verfolger kam herein und faßte ihn an den Haaren . Er drohte ihn niederzuschießen , wenn er nicht gehe , und da jener nicht abließ , so zog er die im Rockfutter versteckte Pistole , die er stets vermittelst einer Schnur am Arm hängen hatte , und jagte dem Angreifer die tätliche Kugel in die Seite . Hierauf griff er nach der anderen Pistole und erschien an der Treppe mit dem Ruf , wer ihn anrühre , den schieße er über den Haufen . Der Schuß und die drohende Haltung des kühnen Räubers schüchterten die Bürgerwachen völlig ein . Sie drückten sich an die Wand und an das Treppengeländer , so daß er mitten durch sie hinunterkam . Erst als er aus dem Hause hinausstürzte , sendeten sie ihm einige verlorene Schüsse nach . Er war frei , aber Christine blieb mit der reichgefüllten Kramkiste und mit Knecht und Magd in den Händen der Gerichte zurück , und diesmal war sie unter Umständen gefangen worden , die ihn nicht zweifeln ließen , daß sie einer schwereren Haft als gewöhnlich entgegengehe . Auch sah er sie nicht eher wieder als in der Vaihinger Gefangenschaft , die er schon ein halbes Jahr nach dieser Verhaftung seiner Gefährtin betrat . Arm an Hoffnung und bald auch an Barschaft schleppte er sich den Winter über hin und wagte während dieser Zeit nur einige wenige Unternehmungen , die ihm mehr Gefahr als Beute brachten . Er war überall und nirgends , aber von seinen hastigen Streifzügen kehrte er immer wieder nach einem vertrauten Hofe in der Nähe des Amtsfleckens zurück , wohin Christine abgeliefert worden war . Auf und bei diesem Hofe , der zugleich ein Vergnügungsort für die Honoratioren der Umgegend war , hielt er sich wochenlang auf und erlauschte eines Tages von der Küche aus die Kunde , die der Amtsschreiber den anderen Gästen im Wirtszimmer mitteilte , der Knecht und die Magd werden bald loskommen , das Weib aber scheine ein tüchtiger Fang zu sein ; neulich sei ihr das Spiel von den Fleischmännern garstig versalzen worden , sie habe ausbrechen wollen und dann dem Amtmann auf seinen Vorhalt hierüber zur Antwort gegeben , ein grüner Wald sei ihr lieber als ein gemalter Turm . In dieser Zeit wurde einst zu Steinbach bei Baden in einer Scheune eine nächtliche Gaunerversammlung gehalten , zu welcher sich die Zigeuner , die in den niederelsässischen Wäldern in Hütten hausten , von dem Sohne eines Fergen über den Rhein herüberführen ließen und zu welcher auch Schwan geladen war . Der Leutnant der überrheinischen Zigeuner , Mockel , trat hier mit einem Vorschlag auf , wobei es sich um nichts Geringeres handelte , als an dem Markgrafen