der Weihnachtsabend begonnen , endete er auch für diese reichen und in ihren Kreisen vornehmen Leute . Der Kommerzienrath war wohl der Einzige , der sich dies nicht besonders anfechten ließ ; er fand das Souper vortrefflich , sprach über die kommenden Feiertage , und fürchtete Schnee und Regen , wobei er mehrmals das Sprichwort zitirte , daß grüne Weihnachten weiße Ostern brächten . Hie und da redete er auch Einiges über Politik , über das muthmaßliche Fallen und Steigen der Papiere oder über irgend eine großartige Spekulation , die hier oder dort gelungen oder mißlungen sei . Alfons allein gab der Mutter zusammenhängende und richtige Antworten , die Uebrigen schienen alle mehr oder minder zerstreut zu sein . Die Räthin saß aufrecht in ihrem Stuhle und nickte jedesmal dankend mit dem Kopfe , so oft der Bediente eine Schüssel präsentirte . Sie aß nur einige Löffel Kompott und trank etwas rothen Wein mit Wasser dazu , im Uebrigen aber hustete sie oftmals in ihr Sacktuch hinein , machte auch kleine Trommelversuche , die sie aber alsbald wieder einstellte , denn das Tischtuch dämpfte jeden schönen Klang . Am einsilbigsten war Arthur ; die Unterredung mit der Mutter hatte ihn verstimmt und betrübt , das Aufgeben der Soirée mußte nothwendiger Weise auf das feine und richtige Gefühl der Doktorin einen peinlichen Eindruck machen . Dabei schien sich der Maler heute Abend im Kreise der Familie auch noch aus andern Gründen sehr unbehaglich zu fühlen und sich sobald als möglich hinweg zu sehnen . Er soupirte mit außerordentlicher Hast , ohne deßhalb den Gang des Ganzen auch nur im Geringsten beschleunigen zu können , und dabei blickte er häufiger als gerade nothwendig war , auf die Standuhr seinem Platz gegenüber , die , so langsam ihr Zeiger auch fortschritt , doch schon halb Zehn anzeigte . - » Spät ! spät ! « murmelte er ungeduldig in sich hinein . Selbst Marianne , die oftmals bei ähnlichen Veranlassungen die Kosten der Unterhaltung allein trug , und bald mit Diesem , bald mit Jenem plaudernd , einiges Leben hinein brachte , war nachdenkend , blickte häufig starr auf ihren Teller und fuhr wie erschreckt empor , wenn sie der Papa etwas fragte . Doch war es nicht die allgemeine Langeweile , die auch sie bedrückte , sie war ja an der Seite ihres einsilbigen und oft mürrischen Mannes , sowie auch , da sie im Hause wohnte , und sich viel in Gesellschaft der Mutter befand , dergleichen schon gewöhnt . Heute Abend war etwas besonders Eigenthümliches passirt . Vor ein paar Stunden ging sie absichtslos mit leisen Schritten bei dem Zimmer ihres Mannes vorbei und sah durch die ein wenig geöffnete Thüre , daß er ein Paket Damenhandschuhe - Frauen pflegen sich darin nicht zu irren - sauber in weißes Papier einschlug , mit einer rothen Schnur umgab , siegelte und überschrieb . Anfänglich dachte sie , es sei das eine Ueberraschung für den heutigen Abend . Aber wozu dann siegeln und überschreiben , wenn man im gleichen Hause wohnt ? - Sie konnte das nicht vergessen , und als sie an den Tisch trat , wo ihre Sachen lagen , war ihr erster Blick nach den Handschuhen ; aber unter all den Sachen war nichts , was jenem Paketchen ähnlich gesehen hätte . - Sie schüttelte den Kopf und konnte es nicht vergessen . - Wenn uns der geneigte Leser freundlich folgen will , so verlassen wir das reiche Eßzimmer des Kommerzienraths , den kostbar servirten Tisch mit seinem Silbergeräthe , seinem feinen Kristall und Porzellan und seinen verdrießlichen Gesichtern , - wir verlassen es , schauen uns aber unter der Thüre nach Arthur um , der , den Blick auf Mama geheftet , nicht erwarten kann , bis sie ihre Serviette hinlegen und so das Zeichen zum Aufbruch geben wird . - Wir verlassen das Haus und wandeln durch die stiller gewordenen Straßen nach der Balkengasse , wir treten in ein uns schon bekanntes Haus ; doch ehe wir die Treppen hinauf steigen , wollen wir uns erlauben , einen Blick rückwärts zu thun , rückwärts in der Zeit nämlich , um zu sehen , wie unsere Freunde hier den heiligen Christabend zugebracht . Da Herr Staiger , wie wir bereits wissen , nur zwei Zimmer bewohnte , die noch obendrein so gelegen waren , daß man durch das eine mußte , um in das andere zu gelangen , so würde es außerordentlich schwer gewesen sein , im Geheimen die Vorbereitungen zur Weihnachtsbescheerung zu treffen , wenn sich Clara nicht wie in allen Dingen , so auch hierin sehr gut zu helfen gewußt hätte . Im Vorzimmer nämlich traf sie alle ihre Anstalten ; dort stand der kleine Tannenbaum , den sie für weniges Geld gekauft , und dort wurde er mit einigen Aepfeln , mit Flittergold und ein paar Kerzchen aufgeputzt und besteckt . Damit nun diese Vorbereitungen von den Kindern nicht gesehen würden , hatte die ältere Schwester ihnen eingeschärft , stets die Augen zu schließen oder nach der rechten Seite zu sehen , wenn sie durch dieses Zimmer gingen . » Der liebe Christ , « sagte sie , » wird daran euren Gehorsam erkennen , und da er augenblicklich erfährt , wenn eines von euch hinter den Ofenschirm gesehen , so würdet ihr alsdann an Zuckerwerk und Spielsachen gar nichts finden , wohl aber eine große Ruthe , welche außerordentlich fähig ist , kleinen Kindern einen gewissen Theil des Körpers zu bearbeiten . « Wir müssen aber auch gestehen , daß Clara für den heutigen Weihnachtsabend schon ein Uebriges gethan hatte , und sie hatte hierzu nicht einmal , wie sonst immer , ihrer eben erst erhaltenen Monatsgage zuzusprechen gebraucht ; denn der Vater war vor ein paar Tagen mit einem höchst zufriedenen Gesichte von seinem Verleger , dem Herrn Blaffer , zurückgekehrt , und hatte triumphirend eine Rolle mit fünfzig Gulden auf den Tisch gelegt . Nicht nur war ihm sein Honorar bedeutend erhöht