von dem jungen Freunde , den wir gefunden , Abschied nehmen . Da gingen wir noch zum Lebewohl auf den Kirchhof und du lasest über einem Grabe : Kommt zu mir Alle , die ihr mühselig und beladen seid , ich will euch erquicken ! Und als du nachsahest , wer dort lag , weintest du ... Weint ' ich ? fragte Ackermann . Ja , Vater ! Und so schwer trennt ' ich mich von dem Grabe , rief Selmar , und nun bist du jetzt überall ein Anderer . Du nimmst Theil , du bist bewegt , du erzählst , du erinnerst dich von der Stelle da in Plessen an hundert alte Dinge , und wie du gar von dem Jäger am Gelben Hirsch erfuhrst , unser lieber Freund möchte wol mit dem Prinzen Egon verwandt , es vielleicht gar selber sein , wie du im Heidekrug noch so spät aufstandest um ihn zu sprechen , und ganz verstört und doch beseligt wiederkamst , daß du schnell abreisen mußtest , um dich nur zu sammeln und deine Freude zu beherrschen , da muß in dir so viel Glück und Lust der alten Zeit aufgestanden sein , daß du plötzlich wieder Liebe zu Deutschland faßtest und dich entschlossen hast , zu bleiben . Denn , daß du an die Verwaltung der Güter des Prinzen denkst , nur um meine Zukunft zu sichern und wenn diese sich entschieden , mich verlassen und wieder meerwärts ziehen könntest , das glaub ' ich nicht , Vater ! Nein , mein Kind , rief Ackermann mit überschwellendem Gefühl und drückte Selmar ' s bewegte Brust an die seine ; nein , wie würd ' ich dich je verlassen können ! Ich will bleiben . Ich bin es einem Gelübde deiner Mutter auf ihrem Sterbebette schuldig , dich in die Verhältnisse sanft zurückzuführen , denen du angehörst , und wenn ich dich dann verliere , wenn du dann nicht mehr mein bist und eine neue Mutter findest ... Vater ! rief Selmar , wie könnte das je geschehen ? Wer kann meine wahre Mutter gewesen sein , als Die , die dich liebte ? Dir hat sie mich geboren , dir hat sie mich gegeben für ein ganzes Leben ! Die Großmutter eine neue Mutter für mich ? Nein ! Willst du zurückkehren , ich folge dir ! Um meinetwillen steh ' von dem Gedanken ab , den du in deiner Liebe jetzt ausführen willst , dem , deine reichen Erfahrungen und Kenntnisse hier in Europa zu bewähren . War ich es denn , Vater , der dir den Gedanken einflößte , am Fuße von Hohenberg zu wohnen und Egon ' s Eigenthum zu verwalten , dies schöne Fürstenthum vielleicht vor dem Untergange zu retten ? Nein , mein Kind , sagte Ackermann mit einer besondern Feierlichkeit ; nein , das kam aus eignem Herzen ! Ich will versuchen , noch einmal in der Heimat Anker zu werfen . Ich will dein und mein Wohl begründen , indem ich mich entschließe , einem Herrn zu dienen , der es vielleicht nicht verdient . Nicht verdient ? sagte Selmar . Warum sollte es unser Freund nicht verdienen ? O , daß er krank ist , daß ich nicht an seinem Lager stehen und seine Wünsche hören kann ! Wie wollt ' ich ihn pflegen , jeden Trunk müßt ' er aus meiner Hand nehmen ! Ich wäre eifersüchtig , wenn ihn ein Andrer mehr lieben sollte als ich ! Kind ! Kind ! Was sprichst du ? sagte der Vater . Ich sag ' es nur , antwortete Selmar mit einem leisen Erröthen über das Feuer , das ihn ergriffen hatte ; ich sag ' es nur , weil du meintest , er ... verdiene es nicht . Er ist vornehm , sprach der Vater mit ernstem Tone , er ist vornehm und leichtsinnig . Nennst du ihn leichtsinnig ? war des Knaben verwunderte Frage . Ich kenn ' ihn nicht mehr als du , sagte der Vater , aber seine Aufführung verdiente wenig Anerkennung . Statt sich genau nach Allem zu erkundigen , was etwa noch für die Rettung seines Eigenthums gethan werden könnte , streifte er um das Schloß gedankenlos , besuchte die Schmiede , wo ihn der Eine nicht sehen , der Andre nicht hören konnte , plauderte im Walde mit dem Jäger über Alles , nur nicht über Das , was ihm zu wissen nöthig war . Auf dem Schlosse kann er kaum etwas Andres gewollt haben , als eine leere Neugier befriedigen . Eine Kokette tändelte mit ihm ... Wirklich , Vater ? Die Tochter desselben Mannes , der an seinem Erbe nicht viel Redlichkeit gezeigt haben mag , konnte ihn so bestricken , daß er nur noch für sie einen Gedanken hatte - Nur für sie ? fragte Selmar traurig . O , diese leichtsinnigen Jünglinge , sprach Ackermann mit Nachdruck und schärferer Betonung , als für diese Äußerung natürlich schien ; diese jungen Männer sind flatterhaft und jedem Winde preisgegeben ! Ihr Gewissen gibt ihnen keine Schwere , daß sie Stand halten könnten . Dieser da war schon in Paris und hat dort schwerlich in der Spreu das gute Korn gesucht , sondern eben nur die vom Wind getriebene leichte Spreu und das Angenehme . Wir wünschen , daß er von seiner Krankheit genesen möge und ist er geheilt , ist er vom Lager wieder erstanden , so will ich hoffen , daß die Welt , in der er lebt und die uns verschlossen ist , ihn nicht zu sehr verderbe ! Selmar schwieg und verfiel in eine große Traurigkeit . Nach einer Weile sagte er : Warum aber konnte das schöne Mädchen mit ihm tändeln , da sie doch nicht seines Standes ist ? Ackermann belehrte ihn mit sonderbarer , ernster Umständlichkeit und entgegnete : Der Leichtsinn , den die meisten Männer fühlen , ist ja auch vielen Frauen eigen . Dies Mädchen ist schön und sie