der Bitte um Ruhe , und diese ihr als nothwendig erkennend , eilte der Lord , Mistreß Morton herbei zu rufen . Wir haben Lord Richmond , seit seiner letzten Anwesenheit in London , nur in öffentlichen Beziehungen wiedergefunden und kehren um so lieber zu ihm zurück , da uns durch die eben erwähnte Mittheilung des Grafen Bristol eine Andeutung über ihn zukömmt , die wir um so lieber verfolgen , da sie uns wieder mit unserer eigentlichen Schutzbefohlenen in Verbindung zu bringen scheint . Als er eines Abends spät nach dem Palaste seines Bruders zurückkehrte , meldete man ihm , es harre auf ihn ein Fremder , der nur ihm selbst seinen Namen sagen wolle . Richmond begab sich nach seinen Zimmern , und alsbald führte man den Fremden vor , der durch seinen würdigen Anstand , wie durch seine Kleidung sogleich den Geistlichen der herrschenden protestantischen Kirche verkündigte . Sein freundlich ernstes Gesicht und der ruhige Aufblick seiner Augen nahmen sogleich Lord Richmonds Theilnahme in Anspruch , und dieser führte ihn selbst in seine innern Zimmer , ihn hier verbindlich zu seinen Mittheilungen einladend . - Ich weiß nicht , Mylord , ob ich die Angelegenheit , die mich zu Euch führt , eine eigene oder eine fremde nennen soll ; gewiß aber bin ich dazu berufen , mich derselben mit allen meinen Kräften anzunehmen . Mein Name ist Brixton und Euch vielleicht in Bezug auf eine junge Dame nicht unbekannt , deren sich Eure verehrungswürdige Familie auf das Gnädigste angenommen hat . - Brixton , rief Richmond freudig überrascht , Ihr seid derselbe würdige schottische Geistliche , an den uns Lady Melville verwies , um näheren Aufschluß über ihre Verhältnisse zu erhalten ? - Derselbe , Mylord , entgegnete Brixton , der durch die unglücklichste Verflechtung von Umständen , durch eine lange Abwesenheit in Irland , an der großen und heilig gelobten Pflicht verhindert ward , dem Fräulein allen Beistand zu leisten , den ihre höchst unerwartete Lage nöthig machte . Erst als ich wieder in Edinburg war , erhielt ich die Briefe , welche man mir nachzusenden bei der Unstätigkeit meiner Reise für unmöglich gehalten hatte , zugleich aber die Erlaubniß meines ehrwürdigen Bischofs , mich nach Godwie-Castle selbst zu begeben . Hier stockte er und eine flüchtige Verlegenheit zeigte sich auf seinem Gesichte . Sodann fuhr er mit Höflichkeit fort : Ich habe die Ehre gehabt , die Frau Herzogin selbst zu sprechen , und von ihr die niederschlagende Nachricht erhalten , daß dies unglückliche verlassene Fräulein einen Schritt gethan hat , der sie nicht allein der Mißdeutung aussetzt , sondern wahrscheinlich auch in die unglücklichsten Verhältnisse gestürzt hat , wenn nicht bald etwas zu ihrer Rettung geschieht . Es gab eine Zeit , an die ich mit Schmerz als eine vorübergegangene denke , wo alle Macht und alles Ansehn der erlauchten Familie Nottingham sich vereinigt haben würde , um diese Rettung zu beschleunigen . Ich mache der Frau Herzogin aus ihrer Weigerung keinen Vorwurf ; ich konnte mich ihr nur mit halbem Vertrauen mittheilen , da ich durch frühere Versprechungen gehindert bin , mich über das ganze Verhältniß der jungen Dame genügend auszusprechen ; ich mußte daher auf eine Theilnahme rechnen , die sich vielleicht für sie hier vorfand , auf ein Vertrauen , welches mir , dem Fremden , um dieses Kleides willen vielleicht geschenkt ward . Frauen sind zu einer größeren Vorsicht bei Verschenkung ihres Vertrauens berechtigt ; auch sind die eignen Familienangelegenheiten ganz geeignet , das größere Interesse der Frau Herzogin in Anspruch zu nehmen . So habe ich allerdings sehr wenig Erläuterndes über den unglücklichen Schritt des Fräuleins erfahren können . Ich mußte mich darein finden und that es um so eher , da mir eine Reise nach London jedenfalls den Schutz zu gewähren verhieß , dessen ich bedurfte . Die Sache hatte sich hier jedoch anders gestaltet . Unfähig , die Personen zu erreichen , die ich als hülfreich kannte , bin ich von einer mir verborgen bleibenden Partei in allem , was ich vorhabe , beobachtet und gehindert ; ja , ich habe Ursache zu glauben , daß selbst meine persönliche Sicherheit gefährdet ist . - Sir , rief hier Richmond , dessen anschwellendes Herz aufathmete , diesem Manne , der wahrscheinlich in Godwie-Castle keine freundliche Aufnahme erfahren hatte , und der ihm doch so über Alles hinaus wichtig erschien , sein Wohlwollen bezeigen zu können , nehmt denn vor Allem den Schutz an , den dies Schloß und der Name Nottingham zu leihen vermögen ; mein Bruder , der diesen Namen von seinem verehrungswürdigen Vater erbte , trägt ihn nicht mit minderer Ehre . Freundlich sich neigend nahm der Geistliche diesen Antrag auf . Ich kann nicht läugnen , daß Eure Güte die Bitte erfüllt hat , die ich um so sicherer an Euch thun wollte , als ich mich selbst , setzte er lächelnd hinzu , für wichtig erklären muß ; doch , fuhr er ernster fort , ein Blättchen vorzeigend , ich hatte nicht den Muth , das Interesse Eurer Familie so fortdauernd in Anspruch zu nehmen , glaubte aber in einer unsichern Lage den von einem Unbekannten und anscheinend Wohlwollenden mir angezeigten Weg nicht verschmähen zu dürfen . Kennt Ihr die Handschrift ? Richmond nahm das Blättchen . In unorthographischer Schrift stand darauf : » Eure persönliche Freiheit ist bedroht , sucht das Palais der Nottinghams auf , Lord Richmond wird Euch Schutz verleihen . « Sonderbar ! rief Richmond , wer kann Eure Sicherheit bedrohen ? Habt Ihr darüber Vermuthungen ? - Ich kann in diesem Augenblicke nicht darüber urtheilen , Mylord ; es ist so Vieles , so Unerwartetes in meiner Abwesenheit geschehen , daß ich nicht im Stande bin , zu übersehen , welche Ausdehnung dadurch ein Mitwissen um Verhältnisse erhielt , die bisher wohl berechnet in ein wohlthätiges Dunkel gehüllt waren . - Und gehen diese Verhältnisse die junge Dame ausschließlich an , die sich Eure Schülerin nannte ? fragte