, brachte es hierauf dahin , daß seine Stellung in der ehrenvollsten Weise geordnet wurde . An seiner Gemahlin hängt er mit der eifersüchtigen Zärtlichkeit eines Liebhabers , und daß an der Seite einer schönen vielumworbnen Frau seine Empfindung etwas von der des Danville hat gibt dem Bündnisse nur noch einen Reiz mehr . Nun aber möchte ich von Ihnen wieder allerhand wissen . Ich müßte mich sehr täuschen , oder Sie denken über den Geistlichen und dessen Verfahren etwas anders , als die gute , fromme Herzogin . Wie erklären Sie ihre Phantasmen , besonders das auf dem Hügel ? Was vermochte sie , an Hermann den harten Brief zu schreiben ? Ließen Sie sich zugleich bewegen , in die Geschichte des Herzogs und Hermanns einzugehen , auch über sich das Nötige beizubringen , so rundeten sich diese Mitteilungen allgemach aus . Die Flut der Offenherzigkeit ist einmal hereingebrochen , das Dämmen hilft doch nichts mehr , lassen Sie sie ungehindert und ganz strömen . X. Der Arzt an den Herausgeber Ja freilich habe ich eine von der Verehrung unsrer lieben Kränklichen verschiedne Meinung über den saubern Heiligen und Priester , der die arme Frau beinahe in das Erbbegräbnis geliefert hätte . Zuvörderst muß ich über ihn anführen , daß der lose Vogel keinesweges so frisch , wie ein neugebornes Kind nach Rom gelangte , was man aus seiner Erzählung von dem hölzernen Hergottswunder , erlebt im Kloster , man weiß selbst nicht recht , wo ? heraushören soll . Vielmehr hatte derselbe zu seiner Zeit , wie man zu sagen pflegt , nichts verbrennen lassen , und die Ehemänner wußten von ihm zu erzählen . Dazwischen war denn allerhand Ästhetik getrieben worden , so daß der ganze Kerl nicht viel über fünfundsiebenzig Pfund wog , als er durch die Porta del Popolo seinen Einzug hielt . Dort über den Sieben Hügeln vollendete der Katholizismus , was die Liederlichkeit angefangen hatte , und brachte ihn einer Nervenschwindsucht nahe , vor welcher ihn ein wackrer deutscher Arzt nur mit Mühe durch die sorgfältigste Kur bewahrte . Sein Geist aber ging unrettbar unter in leistenartigen und sozusagen klebrigen Begriffen . Ob er ein elfenbeinernes Christusbild in einem groben hölzernen Futterale entdeckt , oder dies dem Hermann nur vorgelogen hat , um seine sogenannte Bekehrung nazarenisch aufzustutzen , weiß ich nicht ; ich würde mich aber jedenfalls schämen , von einer solchen groben Handgreiflichkeit meine Wiedergeburt zu datieren . Mir ist alle bewußte und sich vortragende Religiösität in der Gegenwart ein Greuel , denn sie tritt , wo sie sich zeigt , aus dem Rahmen der Kirche , welcher sie angehören will . Sie entbehrt sonach des einzigen Zusammenhangs , durch welchen sie sich als echt beglaubigen könnte . Es gab oder es gibt wenigstens jetzt durchaus keine andre aufrichtig - fromme Menschen , als die es unwillkürlich , und ohne viel Wesen davon zu machen , sind . Wie mich der Anblick des Siechlings , der sich denn auch , um die Sache bis zur Spitze zu treiben , die Tonsur hatte scheren lassen , anwiderte , da ich das Schloß betrat ! - Ich erwartete gleich wenig Gutes von ihm . Dieser unglückselige Mensch hatte sich nach und nach gewöhnt , alles in der Welt unter der Verknüpfung von Schuld und Buße anzusehen , und sich so die große , grenzenlose Mannigfaltigkeit , welche durchaus verlangt , daß man vieles mit leichtem Blicke als gleichgültig und läßlich betrachte , in einen grauen , ekelhaften Brei zusammengerührt , von dem zu dieser Stunde eine Kelle voll als Schuld , und zu der nächsten eine zweite als Buße einzunehmen sei . Die natürlichen Folgen , die zufälligen Ereignisse waren für ihn nicht mehr vorhanden , in jedem Zahn- und Kopfschmerz sah er ein göttliches Strafgericht . Daß ein solcher devoter Taugenichts bei Gelegenheit , wenn es eben an Sünde gebricht , auch wohl darauf ausgehen kann , selbige künstlich zu verfertigen , um wieder Stoff für die Pönitenzmühle zu liefern , haben Sie in seinem Verhalten gegen Hermann , was ziemlich nach Kuppelei schmeckt , richtig geschildert , obgleich Sie sonst den Patron viel zu milde behandeln . Ihm fiel die arme Schwache in die Krallen , als sie sich mit ihren erträumten Gewissenslasten im stillen plagte . Bei Durchlesung und Vergleichung der beiden Bekenntnisse habe ich gefühlt , daß eine , um mich des Ausdrucks zu bedienen , robuste Sittlichkeit diejenige ist , welche uns zu unsrer und andrer Freude durch das Leben geleitet . Auch die Tugend kann kränkeln , scheinbar in ihrer höchsten Blüte vorhanden sein , gleichwohl aber das Geschöpf von einem Irrtume in den andern jagen . Was ist es mehr , daß eine junge verheiratete Frau einige Augenblicke an einen jungen Mann mit größerem Interesse denkt , als an den Gemahl , und wie bald heilen Entfernung , Pflicht und Verhältnisse solche leichte Seelenwunden aus ! Sie zu einem Gegenstande ängstlicher Betrachtung machen , heißt aber , nach und nach dahin arbeiten , unter lauter Pflichterfüllungen , guten Werken und Andachtsübungen Gatten und Haus aufzugeben . Doch trägt die Hauptschuld an der ganzen Wendung der Dinge der neophytische Priester . Wäre er , wie ein unschuldiger Mann und Diener Gottes es getan hätte , tröstend und beruhigend zu der schönen Selbstquälerin getreten , so würde sie sich in seinem Zuspruche bald ausgeheilt haben . So aber stürzte er sich auf ihr wundes Gemüt , wie der Geier auf die Beute , und es ist nicht zu beschreiben , mit welcher kasuistischen Grausamkeit er ihr Inneres zerlegt , der fiebernden Einbildungskraft Schrecknisse aus dem ganzen Gebiete der Möglichkeit vorgeführt , und sie so völlig mit sich uneins , verworren und elend gemacht hat . Unsre Bestürzung können Sie sich denken . Ohne daß irgend etwas vorgefallen war , floh uns , verbarg sich vor uns die geliebte Herrin , welche als belebende Sonne unsern Kreis erwärmt hatte . Das ganze Hauswesen des Schlosses neigte sich einer Auflösung