nicht eine Ewigkeit zu bleiben , wie sie in den Augenblicken geworden und ein Rückblick in das veränderliche sterbliche Leben machte ihr Schmerz . Noch gedachte sie ihres Vaters mit Sehnsucht und auch dieser Wunsch war ihr durch seine Nähe schnell gewährt . Sie fühlte sich sehr schwach und begehrte die letzte Ölung aus den Händen ihres Sohnes Johannes , der sie ihr mit Würde und Heiligung erteilte ; die Fackeln erhellten das stille Zimmer , in welchem nur das Schluchzen ihrer Lieben zuweilen die fromme Segnung unterbrach , draußen hatte Sturm die Himmelsfackeln ausgelöscht und die Schiffe wurden entmastet vorübergetrieben . Dolores betete mit Erhebung und segnete die Ihren , sie gedachte der am Morgen aufgefundenen Worte Christi : » Wahrlich ich sage dir , heute wirst du mit mir im Paradiese sein « ; da füllte ein Blutstrom den betenden Mund , ihr Tod war kein Kampf mehr wie ihr Leben , sondern der Anfang des Friedens . Sie starb den vierzehnten Juli , an demselben Tage , in derselben Mitternachtstunde , in welcher sie vor vierzehn Jahren die heilige Treue gegen Gott und ihren Mann gebrochen . Ewige Gerechtigkeit , warum mußte sie sterben ? Daß dir schaudre Mensch , vor der Gewalt der göttlichen Leidenschaft , der allmächtigen Liebe , welche von der Jugend so oft in törichtem Leichtsinne aufgesucht und ausgefordert wird ; - daß dir nicht graue vor dem Tode , sterblicher Mensch , denn er ist dir gewiß ; daß du gedenkest in ihm deines Lebens und dessen unerschöpflich reicher Erfahrung . Der Zukunft gehört alle Welterfahrung , möge keinem ihre gute Lehre zu spät kommen ; wer sich nicht verschließt , dem ist sie nicht verschlossen , in ihr lebt alles Vergangene ein vollkommenes Leben . Der Mensch steht aufgerichtet in der Welt , daß er sich umschaue mit offenen Augen ; oft will er sich begnügen mit seinem Kreise , aber die Not treibt ihn gewaltsam auf die Höhen , die seinen Blick erst beschränkten ; da strahlt ihm das Licht der Welt , sie liegt unter ihm , die dunkle Erde scheint leuchtend , oben umschließt ihn das ewige Blau . Zu dem Lichte möchte der Mensch dann aufsteigen , da beweist ihm die irdische Schwere schwindelnd in ihm ihre letzte Macht : Er fühlt , daß sie ihn stürzen kann , und er betet zu allem , was ihn erhoben , daß es ihn nicht zuschanden werden lasse . Da scheidet sich sein Wesen , das Blut aus tiefem irdischen Triebe aufwallend zur höheren reinen Luft füllt den betenden dürstenden Mund , der Mensch stürzt nieder , sein Göttliches steigt empor - dies ist der Tod auf den Höhen der Welt , so beschreiben ihn die Reisenden , die hohe Berge besteigen . Der Graf , die Herzogin , die Kinder , niemand wollte von der Sterbenden weichen ; Johannes stand allen bei mit heiliger Kraft , als die Verzweiflung über den unglücklichen Verlust sie beim Leichenbegängnisse ergriff . Die Nachricht ihres Todes verbreitete sich durch die Sterbeglocke der Schloßkapelle durch die ganze Insel , die Glocken läuteten , wie bei einem Erdbeben , alle fromme Seelen beteten für sie , viele dankbar für empfangene Wohltaten . Dem Grafen blieb nach dem unendlichen Verluste viel , seine Trauer und zwölf schöne Kinder , seiner Dolores Abbilder im Spiegel Gottes und eine liebende Mutter für alle , die Herzogin . Die Welt wünschte bald wegen der Kinder die Vermählung des Grafen mit der Herzogin ; aber es ziemte nicht dem Schmerze beider , nicht der Gewohnheit ihres Lebens , auch bedurften sie keiner anderen Vertraulichkeit miteinander , ihr Sinn und ihr Herz waren im Denken wie im Handeln eins . Nachdem Johannes die erste trübe Zeit dem Grafen mit Andacht geheiligt hatte , trat der Fremde , den wir als Prinzen von Palagonien kennen lernten , zu ihm ; es war das erste Unternehmen des unentschlossenen Prinzen , als er ihm seine Freundschaft so offen , so gutmütig antrug , daß der Graf sich ihm ganz erschlossen fühlte . Die beiden unglücklichen Freunde erheiterten einander mit der Erzählung ihrer Schicksale ; der ruhigere Prinz mäßigte die heftigen Ausbrüche des Schmerzes im Grafen , die rastlose Tätigkeit des Grafen zerstreute den von aller Welt zurückgezognen Prinzen durch wiederkehrende Berührung mit derselben . Oft glaubte der Graf , seine Dolores habe ihm aus dem Himmel diesen edlen Freund zugesendet , er schien ihm eine einsame Insel , die aus einem wilden Meere , das ihm alles entrissen , hervorgegangen , ihn freundlich aufgenommen und erhalten hatte . Lange verweilte der Minister bei der frommen Herzogin . Der Anblick seiner sterbenden Dolores hatte ihn tief gerührt , aber die Erinnerung war ihm nicht fürchterlich ; dagegen ließ ihm das Andenken an die Fürstin in Träumen keine Ruhe , oft erschien sie ihm auf einem glühenden Throne und flehte ihn an , daß er für sie beten möge . Er lebte vom Troste der Herzogin und konnte sich lange nicht zur Abreise entschließen . Der Kammerjunker mußte in Aufträgen von ihm den Erbprinzen aufsuchen ; die Erzählung des furchtbaren Ereignisses wirkte auf den leichtsinnigen jungen Mann , er entschloß sich von dem gewohnten Leben abzugehen . Seine Kameraden staunten und frohlockten über seine Verwandlung in einen Fürsten , jeder hoffte durch ihn seinen Vorteil , nur Furiosa , die sich durchaus in seine neuen Gesellschaften nicht finden konnte verließ ihn . Der Leichnam seiner Mutter , der Fürstin , wurde in einem halben Jahre von den morgenländischen Balsamen , womit ihn die Ärzte gegen Verwesung schützten , hinlänglich durchdrungen , um die warme Luft ertragen zu können . Die Sorge für diese geehrten Überbleibsel verpflichtete den Minister endlich zur Abreise nach Deutschland , der Abschied von seiner Tochter , von seinen Enkeln wurde ihm sehr schwer . Er selbst setzte sich in den Wagen , der den Sarg verschloß , und von allen Kirchen traurig bewillkommt wurde . Die Dichterin folgte ihm in einem