in das glitzernde Gewühl verlieren . Da sprang ihm der . Ingolstädter nach , faßte ihn mit eisernem Griff am Handgelenk , zerrte ihn hinter sich her zu einem Winkel in der Halle hin und deutete auf eine mit kostbarem Hofkleid geschmückte Mißform . » Vetter ? Kennst du den da ? Ist das jemand ? Oder niemand ? Wer ist das ? « Prinz Höckerlein hatte ein weißes Gesicht , doch ein verwundertes Lächeln und einen sanften Knabenblick . » Wer ist das ? « schrie Herzog Ludwig so laut , daß die über die Treppe hinaufsteigenden Mahlgäste erstaunt die Köpfe drehten . In Zorn hatte Heinrich seine Hand befreit . Nun sah er den Buckligen kalt und gleichgültig an und antwortete ruhig : » Die Ähnlichkeit versagt . Aber man weiß : Es ist dein Sohn . « Er ging zur Treppe hinüber . Gebeugt stand Herzog Ludwig vor dem Prinzen , dem eine zarte Röte die Blässe vertrieben hatte . » Wann kamst du ? « » Jetzt eben , Vater ! « » Wo warst du seit deiner Heldentat von Alling ? « Mit dem Gesicht eines hilflos Bekümmerten klagte der Prinz : » Daß der große Feldherr , der mein Vater ist , in die Sümpfe reitet , konnte ich bei der Jugend meiner Kriegserfahrungen nicht vermuten . Als deine treulosen Einrösser meine Tapferkeit behinderten , nahm ich eine Straße , die mir fest erschien . « » Ja , mein Würmchen , reite auf dieser Straße ! « Herzog Ludwig , unter heiserem Lachen , klopfte dem Buckligen auf die Schulter . » Reite ! Reite ! Nur immer zu ! Da wirst du weit kommen . « Er wollte gehen , wandte sich wieder und sagte rauh : » Weißt du , daß man mich zu Alling in meinem Zelt bestahl ? « Erschrocken fragte Prinz Höckerlein : » Um viel ? « Bei aller Qual belustigt , brach Herr Ludwig in Gelächter aus . » Um viel ? Ach nein ! Nur um Kornreif , Siegel und Stab . Das bißchen Bargeld soll außer Rechnung bleiben . « » Die Diebe muß man ausforschen . Willst du mir das überlassen , Vater ? Ich finde sie . « Die Augen des Buckligen erweiterten sich . » Solltest du verhindert werden , nach Ingolstadt heimzureiten , so will ich sie hängen lassen , diese bösen Diebe . Wie alle , die meinem Vater treulos waren . « Im Gesicht des Herzogs eine jähe , grauenvolle Veränderung . Und mit schwerer , dumpfer Trauer sagte er leis : » Einen wirst du begnadigen müssen ! Wenn du leben willst . « Er wandte sich und stieg über die festliche Treppe hinauf . Der mißgestaltete Knabe , in der schimmernden Seide seines reichen Hofkleides und mit seinem wippenden Spinnenschritt , ging lächelnd hinter ihm her . Draußen auf der Straße eine brausende Woge des Jubels . Vom kleinen Erker des großen Rathaussaales hatte sich das Königspaar der Bürgerschaft gezeigt , die im Glänze des nahenden Abends Kopf an Kopf den Platz und die abziehenden Gassen füllte . Als die Majestäten vom Fenster verschwanden und droben im Saal die schmetternde Bankettmusik begann , entstand auf dem Platz ein schiebendes Gewühl unter Kreischen und lustigem Gelächter . Auch Streitreden und Händel gab ' s. Die jungen Bürgersöhne vermerkten es übel , daß ihren Schwestern und Bäschen die fremden Fürstenknechte so gut gefielen . Ein Burghausener Harnischer hatte ein blondes Mädel gefischt und zog es hinüber zum Wadmarkt . Der war abgesperrt . Vor dem Mallerschen Patrizierhause , wo Herzog Heinrich Quartier genommen , standen die Zelte seiner Söldner und die angepflöckten Rosse . Als der Harnischer das blonde Mädel durch die Wache schmuggelte , fragte ein Stadtknecht nach dem Malimmes vom Taubensee . Man wies den Knecht zu einem Zelt , in dem ein schmuck gekleideter Söldner auf den Pferdedecken lag . » Du ? Bist du der Malimmes vom Taubensee ? « Ein Müder richtete sich auf . » Ich bin ' s gewesen einmal . Was ich jetzt bin , weiß ich nimmer . Der Krieg macht böses Vieh aus den Leuten . Was willst du ? « » Beim Ostentor ist einer festgenommen worden , der die Mauer hat übersteigen wollen . Der sagt , er müßt mit dem deutschen König reden und wär aus der Ramsau . Du tatst ihn kennen , sagt er . « Verdrießlich murrte Malimmes : » Was geht mich die Ramsau an ? Ruh will ich haben . « Doch er nahm seinen Hut und das Eisen . » Komm ! Das Gewesene laßt einen nimmer aus . « Als sie den Zaun der Wache durchschritten hatten und hineintauchen wollten in das heitere Menschengewühl , blieb Malimmes stehen und musterte ein geputztes Weib , das einen grünen Schleier um Haar und Gesicht gewickelt trug und wie wartend dastand . » Ist die schon wieder um den Weg ? « Seit er zu Regensburg eingeritten , hatte er diesen grünen Schleier schon viermal gesehen . » So eine geschuhte Wachtel ! Was die nur will von mir ? Komm ! « Es war eine harte Mühe , in diesem Gedräng das Ostentor zu erreichen . Hier ging es lärmend zu . Hochbeladene Karren wurden in langer Reihe zum Tor hinausgefahren , ein dumpfes Brausen scholl herein , und Stadtknechte mit gefällten Piken verteidigten die Torlücken , um die von draußen andrängenden Menschen abzuwehren . In einer kleinen , schon vom Abend durchschleierten Kammer neben der Wachtstube fand Malimmes den Hinterseer Fischbauer , der die Würde und das Wort des Seppi Ruechsam geerbt hatte . In der braunen Faust umklammerte der Bauer eine blecherne Pergamentkapsel . Sonst war er splitternackt . Ein Medikus untersuchte ihn und sagte : » Redet sonst nichts wider ihn , so kann man ihm Einlaß gönnen . Der Mann ist gesund . « » Was denn sonst ? « Malimmes mußte für den Verdächtigen zeugen