aber nicht ! - Erlaubst du mir , zu meinem Vater zu gehen ? « » Geh ! « sagte ich , aber erst nach einer Weile . » Doch kehre bald zurück . Der Morgen ist schon unterwegs . « Er ging . Als er bei den Seinen angekommen war , hörten wir hier hüben wieder alles , was er drüben sagte . Er war auch dort ein vortrefflicher Vermittler . Die in der Höhle ausgestandene Angst , der liebevolle Empfang von unserer Seite , der unvergleichliche Eindruck der heutigen Beleuchtung und unserer köstlichen Winnetoufigur , das alles wirkte zusammen , den jungen Häuptling der Kiowa zu unterstützen , seinen guten Zweck zu erreichen . Er kehrte zu mir zurück und meldete : » Tangua , mein Vater , der Häuptling der Kiowa , würde zu dir kommen , aber er kann nicht gehen . Er möchte dich um Verzeihung bitten , sich mit dir versöhnen ! « » So bleibe er ! « antwortete ich froh . » Ich gehe zu ihm . Ich bitte dich , mich zu ihm zu bringen ! « Ehe ich mich mit ihm entfernte , bat ich die Häuptlinge , hier sitzen zu bleiben , zu lauschen und , falls ich von drüben herüber darum bitten sollte , mit zu antworten . Am Fuße unserer Kanzel erschien gerade jetzt der » junge Adler « , um irgend eine Frage an mich zu richten . Ich ließ ihn gar nicht zu Worte kommen , sondern sagte : » Die Häuptlinge sollen sofort ihre Medizinen erhalten . Wie lange dauert es , bis du sie bringen kannst ? « » Mit dem Vogel ? « fragte er . » Wenn es möglich ist , ja . « » Eine halbe Stunde . « » Das ist mir recht . Es wird dann , gerade so wie gestern , dämmern . Das ist die rechte Zeit . Bitte , geh sogleich ! « Als ich mit Pida drüben ankam , stand seine Frau mit ihrer Schwester an der Kanzel . Wir stiegen hinauf . Pida setzte sich zu den Häuptlingen nieder , ich aber blieb stehen . Tangua ergriff das Wort . Er sagte , daß er gern aufstehen möchte , um zu mir zu sprechen , leider aber könne er sich nicht erheben . Ich ließ ihn nicht weiterreden , sondern fiel ihm in das Wort . Ich sagte , wenn hier um Verzeihung gebeten werden solle , so sei gewiß nicht der Indianer , sondern das Bleichgesicht zuerst und zumeist hierzu verpflichtet , und dieses Bleichgesicht sei ich . Hierauf griff ich in die Vergangenheit und erzählte , wie das Bleichgesicht über das Meer gekommen sei , um seinem » roten Bruder « alle seine » Medizinen « zu rauben . Ich ging hierauf der Geschichte nach . Ich übertrieb nichts und bemäntelte nichts . Ich erzählte die Wahrheit , nackt und ungeschminkt , wie sie wirklich , wirklich war . Ich sprach von den Fehlern der roten Rasse , von ihren Tugenden , von ihren Leiden , vor allen Dingen von ihrer bisherigen Zukunftslosigkeit . Das alles habe man vornehmlich dem Bleichgesicht zu verdanken . Aber dieses Bleichgesicht sei zur besseren Erkenntnis gekommen . Es wünsche , daß sein roter Bruder leben bleibe und zum Volke werde , wie es ihm von Anfang an beschieden sei . Dieses Bleichgesicht sei bereit , alle seine Irrtümer einzugestehen und wieder gut zu machen . Es fühle vor allen Dingen , daß es verpflichtet sei , sein Herz und sein Gewissen zu reinigen , indem es seine roten Brüder um Verzeihung bitte . Indem ich dies sagte , trat ich zu ihnen hin und streckte meine Hände aus , sie ihnen zur Abbitte zu reichen . Einige Augenblicke lang waren alle still ; dann aber wurden mir alle Hände entgegengereicht , und alle Stämme versicherten mir , daß sie ebenso gesündigt und ebenso um Verzeihung zu bitten hätten , wie ich , das Bleichgesicht . » Einander verzeihen ! Ihr uns und wir euch ! « rief Tangua . » Und dann einander helfen ! Ich habe dich gehaßt , nun aber werde ich dich lieben ! Wenn ich sterbe , soll Friede sein über meinem Grabe ! Sind wir noch eure Gefangenen ? « » Nein ! « erklang die Stimme Tatellah-Satahs , noch ehe ich antworten konnte . » Uff ! « rief Kiktahan Schonka . » Wer spricht da ? « » Der Bewahrer der großen Medizin . « » Wo ? « » Drüben auf der anderen Teufelskanzel . « » So sind wir hier auch auf einer Kanzel ? « » Ja . Ich belauschte euch auf der nördliche Tenfelskanzel , die man Tscha Manitou , das Ohr Gottes , nennt . Dort hört der gute Mensch , was die bösen Menschen sagen , und kann sich darum retten . Und nun belauschten wir euch hier auf der südlichen Teufelskanzel , die man Tscha Kehtikeh , das Ohr des Teufels , nennt . Da hören die bösen Menschen , was die guten sagen , und sehen sich dann gerettet . Der Häuptling Tangua hat gefragt , ob ihr noch gefangen seid . Er mag weiter fragen ! « Das ließ er sich nicht zweimal sagen , sondern tat es sofort : » Kommen wir an den Marterpfahl ? « » Nein , « antwortete Tatellah-Satah von drüben herüber . » Wir müssen also nicht sterben ? « » Nein . « » Wir behalten unsere Waffen und unsere Pferde ? « » Ja . « » Dürfen hier bleiben und Winnetous werden ? « » Ja . « » Sind alle eure Häuptlinge einverstanden ? « » Alle , alle , alle , alle ! « ertönten so viele Stimmen , wie Häuptlinge sich jetzt bei Tatellah-Satah befanden . » Und was wird mit unseren Medizinen ? « » Schau zum Himmel auf ! - Wen siehst du da ?