Ich kann auf Dank keinen Anspruch erheben , da ich an meine Hilfe eine Bedingung knüpfen muß . Ich ermächtige Sie , Baron , diesen Scheck meinem Bruder auszufolgen - gegen einen Revers , in dem sich Robert verpflichtet , sofort nach Ordnung dieser Sache um seinen Abschied einzukommen . « » Graf Egge ! Diese Bedingung ist hart . « » Diese Bedingung ist geboten durch die Rücksicht auf meinen Vater und ist eine Forderung des Degens , den Robert bisher getragen . Oder wollen Sie , Baron Dörwall , die Garantie übernehmen , daß mein Bruder mit dem heutigen Tag von seiner unglückseligen Leidenschaft geheilt ist ? Und daß er sich für die Zukunft von Konflikten fernzuhalten weiß , die unverträglich sind mit der keinen Makel duldenden Ehre eines Offiziers ? « Dörwall schwieg . » So bedaure ich , in Würdigung des Rockes , den auch Sie tragen , Baron , diese Bedingung aufrechterhalten zu müssen . « » Er ist gezwungen , sie anzunehmen . Und ehrlich gesprochen , ich muß Ihnen recht geben . Nun verzeihen Sie mir die unbehagliche Stunde - « » Sie war nicht unbehaglich , nur ernst . « Baron Dörwall warf den Mantel um die Schultern . Tassilos Stimme verlor ihren ruhigen Klang . » Ich darf Sie wohl bitten , mir über den Verlauf dieses Tages Nachricht zu geben ? « » Wohin ? « » Nach Hubertus . « » Hoffentlich kann ich Ihnen Gutes melden , die Sache wird ja wohl glimpflich verlaufen . « » Das gebe der Himmel ! Und wenn alles erledigt ist , nicht früher , bitte ich , Robert mitzuteilen , daß sein Vater schwer leidend ist . « Als Tassilo allein war , zog er die Uhr . » Noch zwölf Minuten . Es wäre noch möglich ! « Sein Blick haftete an dem Bild seiner Frau , das auf dem Schreibtisch stand . Er hatte sie arm gemacht , aber er wußte , sie würde lächeln dazu ! Diese Stunde hatte das häßliche Wort beglichen , das Robert gegen Anna ausgesprochen - nun hatte sie ihm geholfen ! Durch die Fenster brach der helle Tag . Das Frühlicht hatte roten Schein . Tassilos Pferde jagten zum Bahnhof . Der Zug hatte die Halle schon verlassen . Drei volle Stunden bis zum nächsten Zug . Um die Zeit zu verbringen und mit sich allein zu sein , fuhr Tassilo mit dem Wagen bis zur zweiten Station . Und nun lag das Ziel vor ihm ! Was sollte ihn in Hubertus erwarten ? Welche Nachricht sollte der Abend aus München bringen ? Drei Uhr schon ! Vielleicht waren in jenem häßlichen Spiel die bleiernen Würfel bereits gefallen ? Wie hatten sie entschieden ? Eine dumpfe Angst wühlte in ihm - sie galt dem Vater und galt dem Bruder . In der Tiefe der Waldstraße tauchte die Parkmauer von Hubertus auf , und eine gellende Stimme klang : » Tas ! Tas ! « Umflattert von den Falten des schwarzen Kleides , eilte Kitty dem Bruder entgegen . Ehe die Pferde halten konnten , sprang sie in den Wagen und hing an Tassilos Hals . Sie fand nicht viel Worte , um ihn vorzubereiten . Ihr Schmerz redete eine kurze , deutliche Sprache . Stumm hielte Tassilo die Weinende umschlungen , während der Wagen in der Ulmenallee am leeren Adlerkäfig vorüberrollte . Als zwischen den Bäumen das Schloß erschien , fragte Tassilo : » Weiß er , daß ich komme ? « » Nein . Ich habe versucht , die Rede auf dich zu bringen . Er ließ mich nicht weitersprechen . Dann wurde er unruhig - ich glaube , er fürchtet , daß ich dir Nachricht schickte . « Der Wagen hielt , Doktor Eisler erwartete ihn . » Ihr Vater verlangt nach Ihnen , « sagte der Arzt zu Kitty , » aber bitte , beherrschen Sie sich ! Jede Äußerung Ihres Schmerzes bedrückt ihn . Seine Augen sehen nicht , aber sein Gehör empfindet doppelt scharf . « Kitty trocknete die Wangen . » Er soll keinen Laut von mir hören . « Sie sah zu ihrem Bruder auf . » Und du ? « » Ich komme . « Während Kitty zum Vater ging , wanderte Tassilo mit Doktor Eisler in den Park hinaus . Er las es schon aus dem Blick des Arztes , daß er Schweres hören sollte . » Was sagte Ihnen Ihre Schwester ? « fragte der Doktor . » Daß das Leben meines Vaters in Gefahr steht . « » Das mußte ich ihr sagen . Aber verschwiegen hab ' ich ihr , wie nah diese Gefahr ist . Ihnen gegenüber , und wenn ich Ihnen auch Kummer verursache , muß ich wahr sein . Machen Sie sich auf das Schlimmste gefaßt ! Ihr Vater ist verloren . Blutvergiftung . Das Wort ist unerbittlich . « Bleich fiel Tassilo auf eine Gartenbank und bedeckte das Gesicht . Es währte lange , bis er zu sprechen vermochte . » Blind ? Und jetzt der Tod ? Unerbittlich ? « » Der Prozeß nimmt einen rapiden Verlauf . Bei der ersten Untersuchung , vormittags zehn Uhr , hoffte ich , daß eine Ablösung der Hand noch Rettung bringen könnte . Ich lief nach Hause , um alles vorzubereiten . Als ich kam , um Ihrem Vater die Wahrheit zu sagen und seine Einwilligung zu erwirken , sah ich , daß auch eine Wegnahme des ganzen Armes nicht mehr gefruchtet hätte . Nun schwieg ich . Hätt ' ich den Kranken nutzlos quälen sollen ? Ich linderte seine Schmerzen . Nun ist sein Zustand ein erträglicher . « » Und ahnt mein Vater - ? « » Das kann ich nicht sicher beantworten . Er beherrscht sich , seiner Tochter zuliebe . Aber er macht sich wohl seine Gedanken - wenigstens hat er selbst die Frage gefunden : Gift im Blut ? Ich habe natürlich verneint .