dichten Wald ein Gerüst aufschlagen , um den Körper , in Felle genäht , von der Luft zerstören zu lassen . Aber der Jaguar verweigerte die Herausgabe seines toten Weibes . Da , wo sie gelebt hatte , begrub er Kirschblüte nach der Weise des Christentums , in dessen Lehren er erzogen worden war , und wenig kümmerte es ihn , was dazu die roten Männer sagten . Doch sollte die Strafe auf dem Fuße folgen . Der fliegende Pfeil grub die Streitaxt aus dem Boden , die Comanchen verfolgten den Jaguar wie ein reißendes Tier , das in ihre Hürden eingebrochen war und ihr Eigentum geraubt hatte . Er mußte in die Wälder flüchten , heimatlos , ganz allein , er hatte kein Dach , das ihm Schutz gewährte , kein Feuer , an dem er sich wärmen durfte , und der Zorn des Ewigen schwebte über seinem Haupte . Einmal kam er in die Nähe einer Minenstadt , hungernd , frierend , ermüdet zum Sterben , - da sah er eine Hütte und darin ein Feuer , an dem Kinder spielten , er sah den Rauch vom Bratspieß zum Himmel steigen und erblickte harmlose , zufriedene Menschen . Es hatte geregnet , der Jaguar in seinen abgetragenen Kleidern war bis auf die Haut durchnäßt , er fühlte Fieber in den Adern und seine Füße bluteten , - schon wollte er sich der Hütte der Goldgräberfamilie nähern und um einen Platz an ihrem Feuer bitten , da sah aus dem einzigen kleinen Fenster ein alter Mann . Das Haar war grau und das bleiche Antlitz von tiefen Furchen durchzogen , die Augen blickten dunkel und trübe - - Dieser Mann , den wenige Monate zum Greis gemacht hatten , war des Jaguars Vater . Nahe , ganz nahe stand der Sohn , dem er geflucht hatte , ein Bettler in Lumpen , hungernd und frierend , mit Fieber in den Adern . Und dieser Sohn dachte an das Bibelwort von dem Verlorenen , der zurückgekehrt war , an die Verheißung , daß dem Reuigen verziehen werden soll , es stritten wilde , böse Mächte in seinem Herzen , aber der Trotz behielt den Sieg . Wäre er ein wohlhabender Mann und ein glücklicher Mensch gewesen , ja , dann hätte er mit tausend Freuden die Seinigen begrüßen können , aber zu ihnen als heimatloser , fluchbeladener Bettler zurückzukehren , sie zu bitten , ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen ? - Nie ! - Er wandte sich ab und lief fort , wie von bösen Mächten verfolgt . Und Jahre vergingen , bis sein Trotz gebrochen war , bis er sich mit den Comanchen wieder aussöhnte und in ihrem Dorf seinen Wigwam erbaute . Er hat das Antlitz des Großen Geistes im Zorn gesehen und in der Versöhnung , er hat seine Stimme kennengelernt in der Natur und in den Ereignissen , die ohne menschliches Dazutun aus den Wolken herab sprechen . So wußte er auch , als sich seine und seines weißen Bruders Kugel im Fluge trafen , daß das ein Wahrzeichen sei und daß er einen Freund gefunden habe , dem die Kunde dessen , was er gesündigt und was er erlitten hatte , als Warnung dienen könne . Möge der junge weiße Fremdling des Jaguars gedenken , sooft ihn das heiße Blut zum Widerstand treibt , möge er sich allzeit erinnern , daß es ein anderes ist um die schnelle , trotzige Tat und um den langen , mahnenden Weg der Reue . « Er schwieg , und Robert drückte ihm erschüttert die Hand . Er dachte an das stille Grab Mohrs an der Küste der kubanischen Insel . Und die Gestalten dieser beiden Männer , das traurige Antlitz des Geistersehers und das ernste des Trappers , standen ihm noch vor Augen , als er längst in das Wirtshaus zurückgekehrt war und zum erstenmal wieder in einem Bett schlief . Am anderen Morgen nahm er Abschied von den Comanchen , denen der Trapper erzählt hatte , um was es sich handelte , und deren völlige Zustimmung er ihm ins Englische übersetzte . Sie alle begleiteten Robert bis an das Postschiff , das ihn nach San Franzisko bringen sollte . » Grüße Mongo und Gottlieb « , bat er mit etwas unsicherer Stimme , » und versprich ihnen Briefe von mir . Auch dir darf ich schreiben , nicht wahr , Jaguar ? « Der Trapper nickte . » Unter dem Namen des Wirtes , bei dem wir wohnen « , antwortete er . » Wenn ich im Herbst noch lebe , so erhalte ich dort den Brief meines jungen Freundes . « » Gut also ! Aber jetzt läutet die Glocke zum drittenmal , - leb wohl , Jaguar , - leb wohl und noch einmal Dank für alles ! « Der Trapper trat , während die Matrosen die Haltetaue lösten , auf die Landungsbrücke . Er hielt noch immer Roberts Hand und sah ihm fest ins Auge . » Leb wohl « , sagte er in deutscher Sprache , » leb wohl , und der allmächtige Gott segne dich ! « Das Schiff begann sieh zu drehen , die schrille Pfeife zerschnitt die Abschiedsworte , und die Hände lösten sich . Noch einmal grüßte der ernste Mann vom Lande herüber , noch ein Lächeln schwebte um die Lippen , die nach dreißig langen Jahren das erste deutsche Wort gesprochen hatten , - und dann traten andere Menschen dazwischen , dann sah Robert nur noch wie im Fluge die hohe , spitze Mütze und die schlanke Gestalt des Trappers . Als er sich auf die Zehenspitzen erhob , war alles verschwunden . So schnell zerrissen das Band der letzten Monate , so ganz allein wieder unter Fremden , - das Gefühl war sonderbar wehmütig . Der Deutsche , den er gestern getroffen hatte , war ebenfalls auf dem Dampfer und wollte wie er zur Armee nach Deutschland gehen . Robert hatte also einen Reisebegleiter , mit