da das Kirchenregister an dem geächteten Hartenstein und seinen Hehlern und Helfershelfern nicht zum Verräter werden durfte . Solches aber geschehen , entkleidete Dezimus Frey sich des priesterlichen Ornats und richtete an seine vorgesetzte Behörde seinen Verzicht auf das geistliche Amt . Als Beweggrund nannte er mit voller Wahrheit das Verlangen , sich dem Studium der Astronomie zu widmen . Sobald es Abend geworden war , der letzte Abend dieses schweren Kampfesjahres , bestieg er mit der , welche seine Schwester , und dem , welcher sein Bruder hieß , den Wagen , welcher sie nach der nördlichen Bahnstation führte . Dort im Coupé stieß - seinerseits unter einem Schrei der Überraschung - Doktor Peter Kurze mit den Geschwistern zusammen , setzte die Reise auch in ihrer Gesellschaft fort , da er - wie mit weitschallendem Posaunenton verkündet ward - den Ruf in ein holsteinisches Lazarett , behufs einer eine Meisterhand heischenden Amputation , erhalten hatte . Es mußte mit dieser Operation indessen nicht allzu drängende Eile haben , denn der Operateur dampfte wohlgemut an der Lazarettstadt vorbei , segelte auch ebenso wohlgemut mit den Freunden nach der Insel hinüber , der er erst acht Tage darauf , nachdem er seinem Patienten ein zuversichtliches » Gut Heil ! « zugerufen hatte , den Rücken kehrte . Er schwelgte in dem Plane , sich in der Universitätsstadt zu habilitieren und mittelst seiner auf Mehlbornschem Acker erwachsenen goldenen Ernte eine Privatklinik zu gründen , die sich gewaschen haben sollte . Was , das Gewaschensein nämlich , nach seiner unmaßgeblichen Meinung , nicht von jeder Klinik zu rühmen sei . Seinem zweitbesten Freunde vertraute er außerdem , daß er sich kürzlich in ein allerliebstes Wittweibchen verschossen habe , auf geneigtes Gehör rechne , unter allen Umständen aber entschlossen sei , fortan nur noch auf Witwen - natur- und vernunftgemäß der handlichsten Spezies des schönen Geschlechts - zu reflektieren . Max erholte sich sichtbar unter dem Wehen der Meerluft und dem Gefühle der Freiheit . Rose triumphierte . Er war weich und bewegt , oftmals mit Tränen in den Augen . Leise begann er wieder sich des Lebens zu freuen , und dieses Leben dankte er ihr . Nach Ablauf einer Woche kam Sidonie , und Lydia begleitete sie zum letzten Lebewohl . Lydia und Dezimus standen am Strande allein , als das Boot abstieß , in welchem Bruder Klaus die Freunde nach Helgoland ruderte . Der erste Sonnenschein des Jahres rang sich durch den Inselnebel , den Fliehenden und denen , welche ihnen nachblickten , das Symbol eines neuen Lebens . Als der letzte Schimmer des weißen Segels verschwunden war , da stand die treue Weltenmutter glorreich leuchtend über ihren Häuptern , und Dezimus Frey hielt an seinem Herzen das Weib , welches seinen Jugendträumen als Leitstern vorgeschwebt hatte und seinen Mannesjahren die Erfüllung bringen sollte . Bis zu diesem Abschluß , mein Konstantin , bin ich gelangt , während der Wochen , die wir auf dem unwirtlichen Eiland hinbrachten in Erwartung des Phänomens , an welchem wir die Entfernung unserer Erde von der alten , guten Sonnenmutter zu ermessen hoffen . Morgen ist die entscheidende Stunde ; es regnet , am Horizonte brauen dichte Nebel , die Gefährten blicken beklommen , noch vertraue ich aber meinem bewährten Johannisglück . Und nun lege ich die Feder aus der Hand , mit welcher ich die Erinnerungen an dieses Glück als ein Vatererbe für dich niedergeschrieben habe . Die Tatsachen sind treu . Wie aber eine Landschaft , die sich uns im Morgengold eingeprägt hat , verwandelt scheint , wenn wir im Nachmittagsschatten auf sie niederschauen , so mag auch die Farbe , über Menschen und Dingen von dazumal , sich im Gedächtnis nachmittägig verwandelt haben , und wenn es dich etwa bedünken sollte , daß das Licht mit ungebührlichem Glanze auf die Gestalt des Helden gefallen sei , - ei nun , mein Konstantin , es sind nur die besten Autoren , die heller als ihre Helden leuchten , und wem wird ein Fünkchen Eitelkeit wohl so gern verziehen werden als dem Vater , der seinem Sohne ein Erinnerungsbild hinterlassen möchte ? Es sind nur die Stufenjahre der Jugend , die ich vollenden konnte ; nicht mit Unrecht aber hat man gesagt , daß die ersten beiden Jahrzehnte , » die süßen zweiundzwanzig « , wie der Dichter sie nennt , die Hälfte eines Manneslebens umfassen , und wenn es Methusalems Alter erreichen sollte . Die andere Hälfte , die mit Lydia beginnt und den Sternen , mag , soweit du sie nicht miterlebt , deine Mutter dir ergänzen . Drücke auch aus meiner Seele heraus die Segenshand an dein Herz , die so warm in der meinen gelegen und dich so treu bis heute geleitet hat . Aber es war nicht gemütlicher Zeitvertreib , nicht die erquickende Rückschau in blaue Fernen allein , die mich trieben , deinen Blick auf das gute Heimland zu lenken , dem du Korn auf Korn entsprossen bist . Wie es einem Geschichten erzählenden Vater ziemt , lag mir eine Lehre im Sinn , die ich dir zurufen wollte just aus der antipodischen Zone , in die ich seit Monden und auf Monde hinaus mich gebannt , um eines Lichtmomentes willen , den ein Wolkenschatten verdunkeln kann . Es ist nahezu ein Postulat geworden , daß die Zeit , in der du zu reifen berufen bist , den idealen Lebensgehalt verkümmern läßt . In dir erfahren wirst du es nicht . Einem Sohne Lydias verkümmert nicht sein Ideal . Glaube es aber auch nicht , wenn du es hörst oder liest . Die Ideale wandeln und wechseln , erhellen und verdunkeln sich wie die Ideen , das Ideale währt und webt ewig wie die Idee . Du kennst nunmehr den Mann , den diese Zuversicht bis in seine Todesstunde beseligt hat . Und wenn es dir nicht gegeben sein sollte , die unlöschbare Flamme in Ausnahmsgeistern leuchten zu sehen und glimmen selber da , wo ihr geflissentlich Hohn