überall den Frauen so wohl ansteht , werden die häuslichen Pflichten des geistlichen Familienlebens erfüllt - und erfrischend und beseelend , wie ein schöner Strom durch einförmige Fluren , schlingt und windet sich das Gebet durch all unser Tun und läßt uns nicht allzuweit aus der Gegenwart Gottes uns verlieren . So vergehen Tage , Wochen , Jahre . Können wir nicht in Wahrheit mit König David selig ausrufen : Kommt vor Sein Angesicht mit Jubel . Wir sind Sein Volk und die Schäflein Seiner Weide . Gehet ein mit Frohlocken in Seine Tore . Preiset Ihn , lobet Seinen Namen ; denn lieblich ist der Herr . Und zu einer so süßen Gegenwart gesellt sich eine noch süßere Hoffnung . Dereinst kommt ein Stündlein , ach , das gebenedeite , glückselige Sterbstündlein . Dann heißt es : Der Bräutigam kommt ! Dann spricht die Seele : Tritt ein , o Herr , bei deiner Magd ! längst hat mein Herz zu dir gesagt : Dein Antlitz such ' ich ! - Und dann spricht er , der unendlich milde und liebliche Herr : Stehe auf , meine Freundin , und komm ' . Der Winter ist vorüber ! - Sieh , Uriel , so lebt man und stirbt man auf dem Karmel . « Er hörte ihr zu . Sie hätte stundenlang sprechen können und er würde des Zuhörens nicht müde geworden sein . Ihm zerschmolz das Herz vor diesen Frühlingslüften aus einer übernatürlichen Welt . Sie sagte das alles mit einer Einfachheit und Geistesstille , welche deutlich zeigten , wie heimisch sie in jener war . Wie von lindem Balsam überflossen und geschmeidigt löste sich die Spannung , die Unruhe , die ihm die Brust zerkrallten . Er vergaß , daß er sie geliebt , daß er sie verloren hatte . Er war bei ihr , er war glücklich . » Regina , Königin meiner Seele ! « rief er mit einem Ausbruch von namenloser Wonne . » Willst Du zur Königin der Seelen sprechen , « entgegnete sie sanft , » so mußt Du sie nennen Maria Regina , die gebenedeite Gottesmutter . Die Regina , welche Du im Sinne hattest , ist ja längst tot . O wende Dich doch nicht den Schatten und dem Tode zu , wenn ein göttliches Leben Dich ruft und Deiner harrt . Lerne Gott lieben , indem Du ihm dienst : das ist mein Wunsch und mein Gebet für Dich . « Er hörte , daß sie vom Stuhle aufstand . » O warte noch ! « rief er in heftiger Bewegung ; » erfülle mir erst eine Bitte ! sie ist gering . Du hast am Tage Deiner Einkleidung hier am Gitter zu der ganzen Familie gesagt : Auf Wiedersehen im Himmel ! aber ich war nicht dabei . Wohlan , Regina , öffne das Gitter , schlage den Schleier vom Antlitz zurück , damit ich Dich noch einmal auf Erden sehe , Dich - die Du alles bist , was ich je geliebt habe ! und dann sprich auch zu mir : Auf Wiedersehen im Himmel . « » Es geht nicht , « antwortete sie zögernd ; » ich tue es nie . « » Ich will es nicht verraten , « sagte Uriel flehend , » nicht dem Vater , nicht an Corona , nicht an Hyacinth . « » O , Hyazinth wünscht so etwas nicht ! « rief sie . » Er war nie hier - und es wäre doch ihm und mir ein Trost gewesen . Aber er will nicht den irdischen Trost . Sein Herz ist so recht ein Opferkelch . In den heiligen fünf Wunden bin ich immer mit ihm vereint ; denn nichts verknüpft die Seelen so innig , Uriel , als die Entsagung . « » Ja , er ist eben Hyazinth , « sagte Uriel sanft . » Wirf mir nicht vor , daß ich anders bin . Einmal , nur ein einziges Mal laß mich Dich sehen in dem wunderbaren Leben , das Du von himmlischen Geistern gelernt haben mußt . Einmal tritt heraus aus den Wolken , Du Morgenstern meines Lebens - und dann bleibst Du mein Polarstern . Einmal , Du seliges Geschöpf , laß mich den Abglanz Deines Glückes schauen und meiner Seele einprägen . « » Genug , « sagte sie . » Warte hier , ich komme wieder . « Sie kam wieder und sagte : » Uriel ! es war eine besondere Eingebung Gottes , daß ich mir vornahm , als ich den Schleier empfing , er solle mir nun auch wirklich alle Gestalten der Erde verschleiern . Aber heute ist ' s ein besonderer Fall ! « » O Dank , Regina ! Gott Dank ! « frohlockte er . » Versprich mir aber eines , « sagte sie feierlich . » Der Vater und Corona dürfen nie erfahren , daß Du mich gesehen hast . Versprich es mir bei dem gekreuzigten Herrn und Heiland . « » Bei dem gekreuzigten Herrn und Heiland ! « wiederholte Uriel mit einer Stimme , die vor Bewegung zitterte . Der innere Laden wurde aufgeschlossen , der dunkle Vorhang zurückgeschoben , endlich das Gitter weit geöffnet . Da standen drei Karmelitessinnen in ihrem dunkelbraunen Habit mit dem weißen Skapulier und dem schwarzen Schleier . Zwei von ihnen hatten ihn tief über das Antlitz herabgesenkt . Die dritte hatte ihn ganz zurückgeschlagen ; nur weißes Linnen umgab ihr Gesicht . Das war Regina ; schlank und hoch stand sie zwischen den Ordensschwestern und blickte ruhig zu Uriel hinüber . Er hielt die Augen geschlossen , bis all die Vorbereitungen gemacht waren ; dann schlug er sie zu Regina auf . Als habe er einen Todesstoß mitten im Herzen empfangen - so taumelte er vom Gitter zurück , brach zusammen , sank auf die Knie , schlug beide Hände vor ' s Gesicht und rief mit einem ächzenden Schrei : » Ah ! Ah !