quälte ihn durch eine unbändige Eifersucht , und als die blonde Christine , trotzdem daß es ihr geglückt war , in einem Dienste unterzukommen , dem Zuge ihres Herzens folgend , ihn einst besuchte , so duldete die Zigeunerin sie nicht , sondern trieb sie gegen seinen Willen nach kurzem Zusammensein wieder fort . Dem Scharfsinn und der Gewandtheit dieses Weibes verdankte er seine glücklichsten Tage , wenn man es ein Glück heißen kann , von gestohlenem Gute zu leben . Aber man trifft nicht jeden Tag einen Markt , um die Taschen zu füllen , auch gelang nicht jeder Marktbesuch . Christine wurde mehrmals gefangen ; auch die Ehehändel trennten das Paar oft wochenlang . Wenn es gut ging , so zog er als Krämer mit Paß und Kramkiste durch das Land , verkaufte seine Waren um billige Preise von Haus zu Haus , mied jede verrufene Gesellschaft , herbergte in den besten Gasthäusern und war , wie er in der Untersuchung sagte , auf der ganzen Straße von Mergentheim bis Straßburg als der ehrlichste Kerl bekannt , so daß die Wirte , wie er hinzufügte , sich entsetzlich verwundern würden , wenn sie erführen , daß sie unter dem Namen des ehrsamen Krämers Johann Sigmund oder auch Hermann den Sonnenwirtle aufgenommen haben . Daß seine äußere Erscheinung ihn hiebei aufs beste unterstützte , gestand ihm nicht bloß der Spiegel , sondern sogar ein gedruckter Steckbrief , den zwei Schultheißen einst in der Schenke miteinander lasen , während er selbst ihnen , an ihrem Gespräche über den Sonnenwirtle teilnehmend , gemütlich über die Schulter in das Papier blickte : » Und ist vorgemeldter Erz-Gauner « , hieß es darin , » fünf Fuß , sieben Zoll groß , gedrungener Gestalt , hat gelbliches Haar , dicken Kopf , feines weißes Gesicht , dicke , runde Backen , volle Waden . « Im Bewußtsein dieses ehrbaren Aussehens wagte er einst einem pfälzischen Schultheißen und zwei Jägern , die ihn im Spiel betrogen und ihm seine Pistolen nehmen wollten , mit gerichtlicher Klage zu drohen und dem Schultheißen , als er sich hiedurch nicht schrecken ließ , den Hund , den dieser an ihn hetzte , niederzuschießen . Aber nicht immer liefen die Abenteuer so lustig ab . Oft versiegten alle Erwerbsquellen , oder er wurde von Diebshehlern , welchen er auf seinen Irrfahrten um die gefangene Christine seine Kramkiste anvertrauen mußte , um den Inhalt derselben bestohlen . In solchen Zeiten mußte er Hunger und Kummer leiden und , wie jeder , der sich dem Teufel ergibt , die Erfahrung machen , daß dieser ein Filz ist und daß man mit der Ehrlichkeit auch im schlimmsten Fall so weit kommt als mit dem Gegenteil . Dann griff er zu gefährlicheren Unternehmungen : er ließ sich von den Judenbanden im Gebiete des deutschen Ordens anwerben oder sammelte vorüberziehende Genossen zu Einbrüchen unter seiner eigenen Hauptmannschaft , welche aber nie länger dauerte als das einzelne Unternehmen selbst . Auf der Straße hat er nie geraubt . Sein Geschichtschreiber sagt , er habe sich gegen das Ende seiner Laufbahn Grausamkeiten aus Raubsucht erlaubt ; doch habe er auch in seinen schwersten Verbrechen Spuren übriggebliebener Menschlichkeit , Mitleiden gegen Arme und Unterdrückte gezeigt , den Grundsatz , nie einen Dürftigen zu berauben , durchgeführt , sehr große Almosen gegeben , und den Armen geschenkt , was er den Reichen gestohlen habe . Von wirklichen Grausamkeiten findet sich aber nichts in den Akten , die sehr genau in seine Verbrechen eingehen . Wohl sind Grausamkeiten von den Genossen seiner Taten angeführt , nicht aber von ihm . Auch verdient hervorgehoben zu werden , daß Einbrüche , die seine Genossen ohne ihn unternahmen , mehrmals von scheußlichen Mordtaten begleitet waren , wogegen bei Überfällen , die er leitete oder unterstützte , nie ein Mord begangen worden ist , mit einer einzigen Ausnahme , an welcher er unschuldig war , welche aber seine Heimat noch einmal in Furcht und Schrecken setzen sollte . Ein Jahr nach dem Tode des Fischers , um Ostern , wagte er sich wieder in die Gegend von Ebersbach , schickte die schwarze Christine in die Sonne und trug ihr auf , seinem Vater zu sagen , sie habe einen Unbekannten auf der Straße getroffen , der ihn grüßen lasse . Als er in den folgenden Tagen wieder mit ihr zusammentraf , erfuhr er von ihr , daß sein Vater seine Kinder zu sich genommen habe . Inzwischen aber hatte er sich selbst in Ebersbach zu Gaste geladen und hiedurch den Tod eines Menschen veranlaßt , dem er nichts weniger als übel wollte . In der Gegend umherschweifend , war er am Rechberg hinter einer Hecke hervor , unvermutet von einem Kameraden , dem sogenannten Jägerkasperle , angeschrien worden , der ihm klagte , er habe keinen Kreuzer hinter sich und vor sich , und ihn fragte , ob er keine Gelegenheit wisse . Da fiel ihm sein Vormund ein , mit dem er noch ein Hühnchen zu pflücken hatte . Schon die nächste Nacht fand die beiden Spießgesellen in dessen Laden . Während aber Schwan die erste Beute in einem benachbarten Gäßchen absetzte , kam der Fleckenschütz zu seinem Unstern des Weges daher . Er hatte mit einem Bekannten bis über Mitternacht im Branntweinhause gezecht , sah den Laden offen und taumelte hinein , um zu sehen , was es gebe . Der Räuber schrie ihn an , er solle sich packen . Da aber der Schütz ihn anstarrte und noch näher auf ihn zuging , so gab der Räuber , der seinen Stock für eine Flinte hielt , ohne weiteres Feuer und sprang seinem Genossen zu . Ein Nachbar , der von dem Schuß erwachte , sah zum Fenster heraus und rief , da er jemand im Gäßchen erblickte : » Was ist das für ein Schuß ? Hat man nach des Sonnenwirts Frieder geschossen ? « » Ja , ja ! « antwortete dieser und machte sich mit dem andern