manchem Hause waren die Hände geschäftig , schöne Frauenkörper in die weiblichen Prachtgewänder der alten Reichsstadt zu kleiden , und es war nicht das geringste Vergnügen der Künstler , auch hier die Hand anzulegen und , die alten Trachtenbücher und den Weißkunig vor sich , in Stoff , Schnitt und Schmuck die eigensinnigen Neigungen , den unkundigen Modegeschmack der Frauensleute im Zaum zu halten . Wo Liebe mithalf , da spielte der anmutigste Roman in den Sammet- und Goldstoffen und um die Perlenschnüre , und manche zur Probe Vollgeschmückte entzog sich den verlangenden Armen ihres augenseligen Geliebten mit einem Lächeln , welches den weisen Sinn der Schönen verriet , daß sie auf einen bessern Augenblick zu hoffen wisse , wann Pauken und Trompeten ertönten und die glänzenden Paarreihen sich schwängen . Heinrich sah solchem Glücke halb gleichgültig , halb sehnsüchtig zu und war , als frei und ledig und mit seinen eigenen Sachen handlich und ohne Geräusch bald fertig , anderen dienstbar in ihren vermehrten Geschäften . Es war sein mütterliches Erbteil , daß er still und rasch seine eigene Person zu versehen und zugleich alle Aufmerksamkeit anderen zu schenken wußte . Solche Züge verkünden ein tüchtiges Geblüt und weit mehr ein wahrhaft gutes Herkommen als alle angelernten Höflichkeiten und Anstandsformen . Wo sie sich , wie hier , in unwichtigen Dingen , sogar nur in Sachen des Vergnügens äußern , während ihre Ausbildung und Betätigung in den großen Lebenslagen stockt , da muß ein ernstes Schicksal , eine tiefe Verirrung im Anzuge sein , welche sich nur dem unkundigen Beobachter verbergen . Beide Freunde Heinrichs waren zwei reizenden Wesen für das kommende Fest verpflichtet . In einer vergessenen altertümlichen Gegend der Stadt lag ein ganz kleiner , gevierter sonniger Platz , wo zwischen anderen ein schmales Häuschen im Renaissancestil zierlichst sich auszeichnete , in der Breite ein einziges Fenster von den schönsten Verhältnissen zeigend . Beide Stockwerke bildeten zusammen einen kleinen Turm oder eher ein Monument und waren durch den Gedanken der Gliederung ein Ganzes ; die wohlgefügten , von der Zeit geschwärzten Backsteine zeigten eine scharfe und gediegene Arbeit , und selbst der Türklopfer von Erz , welcher ein schlankes , den schmalen Leib kühn hinausbiegendes Meerweibchen vorstellte , verriet die Spuren vortrefflicher Künstlerarbeit . Über der reichverzierten Tür ragte ein morgenländisches Marienbild von schwarzem Marmor , das auf einem stark im Feuer vergoldeten metallenen Halbmonde stand . So erinnerte das Ganze an jene kleinen zierlichen Baudenkmäler , welche einst große Herren für irgendeine Geliebte , oder berühmte Künstler zu ihrem eigenen Wohnsitze bauten . Hierher hatte Ferdinand seine Schritte zu lenken ; denn in dem reichgesimsten Fenster sah man ein dunkles Mädchenhaupt auf schmalem Körper schwanken , wie eine Mohnblume auf ihrem Stengel . Die Witwe eines Malers aus der vorhergegangenen Periode wohnte in dem Häuschen , eines Malers , der zu seiner Zeit oft genannt wurde , von welchem aber nirgends mehr die Werke zu finden waren ; sogar seine seltsame Witwe , die einst nur außerordentlich schön gewesen , hatte das letzte Fetzchen gefärbter Leinwand weggeräumt und dafür das alte Haus inwendig bekleidet mit allen Erzeugnissen der Modenindustrie und den Spielereien der Bequemlichkeit . Nur ihr pomphaftes Bildnis , wie der Verstorbene sie einst als geschmückte Braut gemalt in aller ihrer Schönheit , bewahrte sie an einem altarähnlichen Platze und betete das Bild unverdrossen an . Sonst war die achtzehnjährige Tochter Agnes der einzige ästhetische Nachlaß des Mannes , und man bedauerte bei ihrem Anblick den Ärmsten , daß er dieses sein bestes Kunstwerk nicht selber mehr sehen konnte , und man bedauerte um so tiefer , als die Witwe gar kein Auge für das liebliche Wunder zu haben schien , sondern , in die Betrachtung ihrer eigenen früheren Schönheit versunken , die zarte Blume des Kindes schwanken und blühen ließ , wie sie eben wollte . Von einer Schulter zur andern , mit Inbegriff beider , war Agnes kaum eine Spanne breit , aber Hals und Schultern waren bei aller Feinheit wie aus Elfenbein gedrechselt und rund wie die zwei kleinen vollkommenen Brüstchen und wie die schlanken Arme , deren Ellbogen bei aller Schlänke ein anmutiges Grübchen zeigten . Bis zu den Hüften wurde der Leib immer schlangenartiger , und selbst die Hüften verursachten eine fast unmerkliche Wölbung ; aber diese war so schön , daß sie beinahe mehr Kraft und Leben verriet als die breitesten Lenden . Das Gewand saß ihr schön und sicher auf dem Leibe ; sie liebte es ganz knapp zu tragen , so daß ihre ganze Schmalheit erst recht zutage trat , und doch berauschten sich die Augen dessen , der sie sah , mehr in dieser Erscheinung als in den reichen Formen eines üppigen Weibes , und wer einer vollen Schönheit kalt vorüberging , glaubte dies schmale Wesen augenblicklich in die Arme schließen zu müssen . Auf solchem schwanken Stengel aber wiegte sich die wunderbarste Blume des Hauptes . In dem marmorweißen Gesicht glänzten zwei große dunkelblaue Augen und ein kirschroter Mund , und das Rund des Gesichtes spitzte sich stark in dem kleinen reizenden Kinne zu , und doch war dies Kinn nicht so klein , daß es nicht noch die reizendste Andeutung einer Verdoppelung geziert hätte . Aber der breiteste Teil der ganzen Gestalt im wörtlichen Sinne schien das große volle Haar zu sein , welches sie krönte ; die gewaltige , tiefschwarze Last , vielfach geflochten und gewunden und immer mit grünem Seidenbande durchzogen , wuchtete rund um den kleinen Kopf , und da , wenn die schlanke Geschmeidige sich anmutig und leicht bewegte und das schöne Haupt senkte , dies unwillkürlich die Vorstellung erregte , das Gewicht des dunklen Haarbundes verursache das liebliche Schwanken und Beugen , so rief sie von selbst das Bild einer Blume hervor ; aber noch froher überraschte es , wenn sie sich unversehens frei aufrichtete und die schwere Krone so leicht und unbewußt trug wie ein schlanker Hirsch sein Geweih . In ihr geistiges Leben war noch kein sicherer