zu sehn ! Und der Prinz ? sagte die Herzogin , an die Zukunft denkend . - Gott wird geben , daß seine ausgezeichneten Eigenschaften sich selbst zu ächter Thätigkeit überlassen bleiben , dann wird mein Vaterland zu beneiden sein . Ich selbst , Arabella , setzte er hinzu , ich werde in ihm nicht den Erben des Wohlwollens finden , welches Jakob zu meinem Freunde machte . Doch laß uns diesen trüben Gegenstand beendigen , ich habe Dir Freundlicheres vorzutragen . Anna Dorset bittet durch mich um Deinen Segen ! Sie ward in derselben Stunde , als ich London verließ , die Gemahlin Deines Sohnes . Daß Du mir diese Ueberraschung zugedacht , that mir wohl . Der Anblick eines glücklichen Familienkreises , worin wahrhaft menschliche Tugenden walten und ungestört sich entwickeln dürfen , ist der Balsam , der Noth thut , wenn der größere Schauplatz menschlicher Thätigkeit ein trübes Bild böslich sich durchkreuzender Leidenschaften darstellt . Darum , erwiederte die Herzogin , ist tugendhafte Behauptung des Rechts und der Ordnung im Schooße edler Familien so wichtig , weil aus ihnen die einzelnen Geister hervorgehn , die in das äußere Gewirre kleinlicher Interessen muthig eingreifen und ihrer Zeit den Karakter aufnöthigen , der das erdrückte Gute wieder belebt . Mit sicherer Hoffnung sehe ich auf die eben geschlossene Verbindung meines Sohnes ; er wird den ehrwürdigen Namen , den er trägt , in der Ehe mit einem Wesen , wie Anna Dorset , würdig fortpflanzen und seinem Vaterlande ein Repräsentant alt-adeliger Ehre und Sitte sein . - Ich habe die beste Meinung von meinem Enkel und freue mich seiner Nähe ; denn Du darfst sie erwarten , sie sehnen sich nach Deinem Segen . Ollony wird sie begleiten , und einige Wochen später denkt die Gräfin Dorset mit Lord Ormond ihnen zu folgen . - Und Richmond , fragte die Herzogin , darf ich ihn nicht erwarten ? - Richmond , erwiederte der Lord , scheint vorläufig ein anderes Interesse zu verfolgen , welches näher , als in einigen Andeutungen , zu erfahren , weniger Mangel an Vertrauen zu mir war , als es in unserer ungemein gedrängten Zeit lag . So viel ist gewiß , daß der edle Jüngling sich für gebunden hielt in allen eignen Wünschen und Handlungen , ehe erreicht war , was ich zu meiner Ruhe gewünscht . Ich habe dies errathen können und muß die edle Hingebung , die er mir bezeigt , um so mehr verehren , da jenes Andere kein unbedeutendes Interesse haben kann , indem er augenblicklich , nachdem ich mich befriedigt erklärt , sich ihm ausschließlich hingab . Er sendet Dir die ehrerbietigsten Grüße und läßt Dir sagen , daß Lord Membrocke plötzlich bei Hofe erschienen sei , und von ihm und Lord Ormond zur Rechenschaft gezogen , ihnen die Ueberzeugung gegeben habe , daß das Fräulein von Melville nicht mehr in den Händen des Lords sei , daß der Lord selbst aber nichts von ihr zu sagen wisse und in Bezug auf die ganze Sache die Verstimmung über einen gescheiterten Plan zeige ; daß er von unbekannter Hand eine Art von Notiz über ihr ferneres Schicksal erhalten , die er zu verfolgen denke , und nicht ruhen werde , bis er Dir über Deine Schutzbefohlene gute Nachricht bringen könne . Mein Sohn , fuhr die Herzogin mit schneidendem Tone auf , hätte , denke ich , abwarten können , bis meine Befehle ihn zum Ritter dieser Dame kreirt hätten . Mit Erstaunen und Unwillen sehe ich ihn aus eignem Willen eine Angelegenheit wieder aufnehmen , die ich für beendigt erklärt habe . - Meine Tochter , unterbrach sie der Lord mit einem sanften Lächeln , wir dürfen nie übersehen , daß eine Zeit für unsere Kinder eintritt , wo sie , von den Tugenden der Aeltern zur Entwickelung getrieben , diese erreicht haben und sich als selbstständig erkennen . Die Zeit tritt dann am entscheidendsten hervor , wenn das Herz von der gewaltigsten Macht über die Menschen ergriffen wird , ich meine , wenn die Liebe zuerst ihren Einzug hält . Großer Gott ! rief die Herzogin mit der ihr eigenen Heftigkeit , ich will nicht hoffen , mein Vater , Ihr sprecht von einem vorliegenden Falle ! Nein , Ihr habt nur im Allgemeinen bemerkt , nicht Richmond wähnt Ihr in diesem Falle , von ihm glaubt Ihr dies nicht ! - Und wenn ich eben ihn bezeichnet hätte , liebe Arabella , was erschreckt Dich daran so heftig ? Unmöglich kann Richmond eine unedle Wahl treffen , Melville ist ein alter Name , er nennt sie Deine Schutzbefohlene , er verweist mich an Dich , um über ihren Werth , ihre Tugenden Auskunft zu erhalten . Robert spricht mit Entzücken von ihr ; er treibt den Bruder zur Thätigkeit , - wie ? Legt dies nicht Alles ein gutes Zeugniß für sie ab ? - Laßt das , bester Lord ! sagte die Herzogin mit bebender Stimme und bleicher Stirn , laßt das und sagt , ich beschwöre Euch , sagt , was Ihr glaubt , ob Richmond eine solche Neigung bekannte , oder ob Ihr sie wahrgenommen ? - Richmond ist zart , fast jungfräulich in seinen Aeußerungen , aber dennoch glaube ich , er liebt das Fräulein , und Robert hat es mir bestätigt , und sein heißester Wunsch scheint diese Verbindung . Doch was ist ' s mit dieser jungen Person ? und Gott ! weshalb erschüttert Dich dies so heftig , meine Tochter ? - Die Herzogin hatte sich bei den letzten Worten des Lords erhoben , sie wollte ihre Verzweiflung dem väterlichen Auge entziehen , aber es strömte ein solches Uebermaaß von Schmerz und bangen Gedanken auf sie ein , daß sie nicht fähig war , Fassung zu behalten . Sie stützte sich betäubt auf die Lehne ihres Stuhles , unfähig , ein Wort auf die dringenden und besorgten Bitten des Vaters zu erwiedern . Mühsam wehrte sie endlich seinem Forschen mit