Mann wurde nicht sobald dieser gesetzlichen Unbilden inne , als ihn ein tiefer Verdruß ergriff . Zu stolz , sich zu beschweren , schlang er den Ingrimm hinunter , und zehrte dadurch nur noch mehr an seiner Seele . Von Stufe zu Stufe im Mißmute versinkend , hatte er zuletzt weder Hoffnung , noch Aussicht vor sich , und fühlte diesen trostlosen Zustand um so herber , als ein beschäftigtes , zerstreutes Leben ihm die allgemeinen Hülfsmittel , wodurch sich sonst der geschlagne Mensch aufrichtet , nicht zugänglich gemacht hatte . Er verzagte an sich und an dem Vaterlande , und war in dieser trüben Stimmung im Begriff , seinen Abschied zu fordern , und die reinerhaltne , tapfre Kraft als Mietling irgendwo zu vergeuden . Damals kamen Johanna und die Herzogin nach der Hauptstadt , von Ihnen zur Heilung bedenklicher Nervenleiden dorthin gesendet . Nur mit Widerstreben hatte Johanna Ihrem Befehle gehorcht , sie scheute sich , den Ort aufs neue zu betreten , der so manche traurige Erinnerung in ihr weckte . Sie mied Gesellschaften , und konnte selbst von dem Anblicke ehemaliger Freunde schmerzlich berührt werden . Die Herzogin hielt sich ebenso zurückgezogen , man sah beide Frauen nur auf einsamen Spaziergängen , doch auch dort von dem Auge der Neugier beobachtet . Eines Tages konnte ihnen der General , der auch fern von den Menschen zu wandern liebte , einen Dienst leisten . Er empfing den artigen Dank der Damen und versetzte , Johanna scharf ins Auge fassend , daß , wenn ihm Dank für die unbedeutende Gefälligkeit werden solle , er ihn nur darin zu finden wünsche , daß er sie nicht zum letzten Male gesehen habe . Er sprach dies mit der Galanterie eines alten Manns , aber kurz , trocken , soldatisch . Sie , der alle solche Töne zum Herzen dringen , antwortete ebenso entschieden , er möge nur kommen , sie werde sich nicht vor ihm verleugnen lassen . Dem ersten Besuche folgte der zweite , diesem der dritte usw. Aus kurzen Zusammenkünften wurden lange , aus Gesprächen allgemeinen Inhalts vertrauliche Unterredungen . Sie kam dem feurigen Greise mit der Unbefangenheit einer Tochter entgegen , er lebte in ihr , in ihrem adlichen , glänzenden Wesen ein neues Leben . Dennoch blieb er seinem Vorsatze getreu , und entdeckte ihr in einer hingebungsvollen Stunde , daß er entschlossen sei , dem Vaterlande den Rücken zu wenden . Als sie das Nähere von ihm erfahren , und gehört hat , wie dieser edle Charakter mit sich , seiner Jugend und seinen Erinnerungen uneins zu werden im Begriff stehe , ist sie in eine große Bestürzung verfallen , und weder Bitten , noch Tränen sind gespart worden , den verehrten Helden von seinem Vorsatze abzubringen . Er bleibt indessen fest , und fragt bitter , was ihn denn eigentlich in diesem Staate halten solle , wo man seiner nicht mehr bedürfe ? - » Ihre Taten , Ihre Ehre , Sie selbst « , versetzte Johanna . » Die Taten sind getan , meine Ehre nehme ich überall mit hin , und was mich selbst betrifft , so weiß ich kaum , wenn ich die jetzigen Emporkömmlinge betrachte , ob ich der nämliche noch bin , von dem man einmal geredet hat . « - Er geht bis zur Türe , dann wendet er sich , und sagt mit niedergeschlagnen Augen , aber festem Tone : » Es gibt ein einziges , was mich an diesen undankbaren Boden fesseln könnte , und das wäre , wenn Sie , Johanna , sich entschließen möchten , die Tage eines alten Soldaten zu teilen . Meine Seele würde dann eine Beruhigung finden , und die Ungerechtigkeiten zu ertragen vermögen , unter welchen sie jetzt daniedersinkt . « - Ohne eine Antwort abzuwarten , verläßt er rasch das Zimmer . Am andern Morgen empfängt er einen Brief von ihr , worin sie ihm sagt , daß sie keine Leidenschaft für ihn empfinde , aber ihm herzlich ergeben sei , daß sie überhaupt vielleicht nicht mehr in dem Sinne zu lieben imstande sei , wie die Welt dieses Wort nehme , am wenigsten einen Jüngling , daß ihr ganzes Wesen vielmehr seine Erfüllung nur in einem zweiten , reichen , gehaltvollen , durchgeprüften Leben finden könne . Wenn ihm diese Geständnisse genügten , so sei sie die Seine , sobald eine natürliche Lösung ihres früheren Verhältnisses eintrete , denn zu öffentlichen Schritten gegen Medon könne sie sich nicht verstehen . Vor allen Dingen aber habe er zu bleiben und zu haften am Herde seiner Väter und Fürsten . Der alte Held war überglücklich durch diese Zeilen . Er eilte zu ihr , versicherte ihr , daß sie ihm sein Dasein zurückgegeben habe , und daß er nicht mehr an seinen Vagabunden - Einfall denke . Sie habe über die Gestaltung der Zukunft allein zu bestimmen . Hierauf haben beide die Entwicklung der Dinge ruhig abgewartet . Medons Tod machte endlich Johannen frei , und nachdem die Erschüttrung , welche dieses Begebnis in ihr erregen mußte , überstanden war , reichte sie dem Generale ihre Hand . Ihre Seele wurde dadurch völlig hergestellt , ihr Schicksal gesichert . Kein schönerer Anblick , als die beiden hohen Gestalten , die eine unter dem Schnee des Alters blühend , die andre in reifer Fülle prangend , nebeneinander zu sehen . Die liebenswürdige Patriotin hat als Frau ihre Lebensaufgabe gelöst ; indem sie einem verdienten Feldherrn häusliches Behagen gab , erhielt sie ihn bei seiner Pflicht , und leistete dadurch dem Gemeinwesen selbst einen Dienst . Er , sobald er nur wieder fröhlicher und mitteilender wurde , auch von neuem bemerkt , erlebte es , daß man ihn bei einigen Gelegenheiten , die dem Kriege ähnlich sahen , und wo » die hohlen Namen und die Figuranten « es nicht tun wollten , hervorsuchen mußte . Die Scham , welche zuweilen die Menschen ergreift , wenn sie ihrer Verschuldungen sich bewußt werden