möglich zu beschleunigen , damit er bald möglichst die Frau Professorin aus dem Schlosse auf eine freundschaftliche Weise entfernen könne . Denn Sie werden bemerken , setzte der Graf hinzu , daß der sanfte Charakter Ihrer Mutter und die schüchterne Jugend Ihrer Gemahlin der wohlmeinenden Herrschsucht dieser Frau zu viel Raum geben , und deßhalb dieß Verhältniß , wenn es noch lange fortbesteht , am Ende sich nothwendig auf eine unangenehme Weise auflösen muß . Der Graf Robert sah die Richtigkeit dieser Bemerkung um so mehr ein , da ihm mehr als ein Mal die rücksichtslose Dreistigkeit dieser Frau unangenehm gewesen war , die um so schroffer hervortrat , da sie nicht mehr durch den Grafen und seine Gemahlin in Schranken gehalten wurde , und für die übrigen Mitglieder der Familie nicht die gleiche Ehrfurcht empfand ; da sie sich nun bewußt war , daß sie es wohl meinte , und immer das Gute und Verständige wollte , so kümmerte sie sich wenig darum , in welcher Form sie ihre Meinung ausdrückte . Der Graf Robert fühlte sich heiter befriedigt durch die Anerkennung des Oheims , der allen Bestrebungen seines Vetters , die Bewirthschaftung der Güter zu verbessern , vollkommene Gerechtigkeit widerfahren ließ , und die Verwandten setzten ihren Weg fort , alles Geschehene und alles noch Erforderliche besprechend . Es war ein heiterer , milder Herbsttag , und auch der herannahende Abend behielt den milden , sommerlichen Charakter . Die beiden Freunde beschlossen den Rückweg über die nahen Hügel zu nehmen und schlugen deßhalb einen Fußpfad ein , der bei einer einsamen , in einem engen Thale liegenden Mühle vorbeiführte . Als sie über die schmale Brücke des Mühlbachs schreiten wollten , blieben Beide unwillkührlich stehen . Die scheidende Sonne vergoldete das enge Thal , und des Abendhimmels Purpur und Gold spiegelte sich auf dem brausenden , schäumenden Mühlbach , der seinen funkelnden Schaum eilig hinunterstürzte und erst später als dunkelblaue Fluth , den blumigen Ufern schmeichelnd , sich durch das Thal schlängelte . Beide Freunde gaben sich den Eindrücken des schönen Abends hin , und die Erinnerung an die Mühen des Lebens entschwand ihrem Gedächtniß . Sie erstiegen die waldbewachsenen , noch reich belaubten Hügel und lächelten , wie ein durch die Tritte der Wanderer aus dem hohen Grase aufgescheuchtes Reh an ihnen vorüber sprang und sich im Fliehen mit klugen Augen nach den vermeintlichen Feinden umschaute . Sie gingen weiter , und ein nahes Rauschen im seitwärts liegenden dichten Gebüsch erregte in ihnen die Vermuthung , daß ein zweites Wild dem ersten folgen würde . Sie blieben stehen , ihre Blicke auf das Gebüsch gerichtet . Die Zweige desselben wurden auseinander gebogen und eine dürre Hand streckte sich hindurch . Ein bleiches Gesicht , das dunkles , verwildertes Haar und Bart noch bleicher erscheinen ließ , zeigte sich und stierte mit dunkeln , glanzlosen Augen die beiden Verwandten an . Die bleichen , dünnen Lippen bewegten sich , doch blieb es ungewiß , ob sie zum Lächeln oder Reden die in dem abgemagerten Gesicht sehr lang erscheinenden Zähne entblößten . Spuren einer Uniform zeigten sich in den Lumpen , die den vorgestreckten Arm bedeckten . Der Graf starrte dieß Bild menschlichen Elends mit Entsetzen an ; der Graf Robert aber rief , nachdem er noch einen Augenblick mit höchster Spannung die Erscheinung betrachtet hatte , die Hände zusammenschlagend : Heiliger Gott ! es ist Wertheim ! Der Genannte bejahte durch eine Senkung des Kopfes mit beinah wahnsinnigem Lächeln . Graf Robert sprang auf ihn zu . Einen Bissen Brodt , sagte er mit hohler , wie aus dem Grabe klingender Stimme , und auch für jenen , wenn es noch Zeit ist . Der jüngere Graf und sein Oheim waren durch das Gebüsch gedrungen und warfen einen Blick des Entsetzens auf die mit scheußlichen Lumpen nur unvollkommen bedeckten Glieder des als Wertheim Erkannten . Dieser deutete auf einen bewegungslos im Grase liegenden Gegenstand . Die Grafen wollten sich diesem nähern . Er wird todt sein , sagte Wertheim dumpf ; es ist Lehndorf . Um Gottes Willen , einen Bissen Brodt ! Ich werde Hülfe schaffen , rief der Graf Robert und wollte in Verzweiflung fortstürzen . Bleiben Sie hier bei Ihren Freunden , sagte sein Oheim , ihn zurückhaltend , ich weiß hier in der Nähe Hülfe . Der Graf eilte auf einem Fußpfade quer durch den Wald und erreichte bald die versteckt liegende , einsame Hütte eines Waldwächters . Der Bewohner selbst war in den Forst gegangen , und nur sein Weib und ein Knabe von etwa zwölf Jahren waren im Hause . Der Graf erforschte dringend und eilig , zum Erstaunen des Weibes , welche Nahrung die Hütte bieten könnte , und entraffte ihren Händen einen Krug Milch , den er dem Knaben gab , indem er ihm eilig zu folgen befahl . Er wollte schon die Hütte verlassen , als er sich besann , dem Weibe ein Geschenk gab und ihr befahl , so eilig als möglich einen kleinen Wagen zu bespannen und damit auf der nahe gelegenen Stelle des Waldes zu erscheinen , die er ihr bezeichnete und die sie sehr wohl kannte . Der Graf schritt so hastig voran , daß der Knabe , der den Milchkrug in Händen hatte , ihm kaum zu folgen vermochte , und so erreichten sie , ganz erhitzt , sehr bald den Platz , wo der Graf Robert mit Todesangst die Rückkehr seines Oheims erwartete . Es war die letzte Kraftanstrengung gewesen , mit welcher Wertheim sich den beiden Verwandten zu nähern gesucht hatte . Er war dem Grafen Robert in die Arme gesunken , so wie dessen Oheim , um Hülfe zu suchen , enteilte . Ich sterbe , hatte er kaum hörbar hervor geächzt , als der bekümmerte Freund ihn sanft auf den Boden niedersenkte . Ein leises Stöhnen des andern Elenden zeigte , daß auch dieser noch lebe . Der Graf Robert brachte Reisig zusammen , breitete seinen Mantel darüber und suchte