sehr ; denn gerade die Flügel der Phantasie waren an diesem sanften , steten Schwane162 zu stark . Wie stellte sich die Kranke unter diese glänzende Göttin herunter ! Wie fand sie sich unwürdig der vorigen Liebe für Albano ! - So wenig hatte Spener , der nur vor Gott demütig war , sie hindern können , zwei Kleinode aus ihrem vorigen Leben in ihr jetziges verklärtes heraufzunehmen , die alte Demut vor Menschen und das alte bekümmerte Sorgen für Geliebte . Julienne mocht ' ihr noch so oft abgeraten haben , sie schlang sich doch an einem Abende - wo sie Albanos Wegziehen nach Italien vernommen - um Lindas Herz und sagte ihr mit gewöhnlicher Überwallung , nur Albano verdiene sie . Linda antwortete bewundernd : sie fasse eine Liebe nicht , die sich selber vernichte ; in Ihrem Falle würde sie sterben . » Und tu ' ichs denn nicht ? « sagte Liane . Julienne bat gleich darauf Lianen , die verlegne edle Gräfin darüber zu schonen . Liane schwieg unbeleidigt ; aber der neue Wunsch ergriff sie nun , ihren verlornen Albano noch einmal wiederzusehen und ihm ihre vorige Treue und seinen Irrtum zu beweisen und ihm mit sterbendem Herzen ein neues großes zu vermachen . Sie war sehr offenherzig mit allen letzten Wünschen ihrer heiligen Seele . Solange die Mutter und Augusti konnten , hielten sie ihr die Hand , damit sie sich eine so giftige schwarze Blume , als die Freude eines solchen Wiedersehens sein müßte , nicht ans kranke Herz steckte . Aber sie versicherte ihre Mutter , was könn ' es ihr in diesem Jahre schaden , da sie ja erst im künftigen - nach Karolinens Weissagung - von hinnen gehe . - Indes suchte man ihr das letzte Ziel immer hinauszurücken , in der Hoffnung , daß Gaspard den Grafen wegführe , und mit dem Vorsatz , nur im Notfalle aller verlornen Hoffnungen ihr diese tödliche zu stillen . Da wandte sie sich mit ihrem Wunsche an ihren Bruder ; aber dieser , halb aus erbitterter Eitelkeit , halb aus Liebe gegen die Schwester , schilderte Albano von der kältern Seite , sagte , er ziehe in ein frohes Land , verschmerze sie leicht u.s.w. Wie entrüstete sich beinahe die sanfte Seele , weil sie daraus mit weiblicher Scharfsicht einen nahen Bruch der Liebe gegen Albano und Rabette und eine Wiederkehr der Neigung für die dableibende Linda entdeckte ! Sie hatte schon längst die lange Unsichtbarkeit Rabettens untersucht . Denn diese arme Seele war seit ihrem Falle , seit dem Begräbnis ihrer Unschuld , durch keine Bitten und Befehle zu zwingen gewesen , vor die Freundin der ewigen Unschuld mit dem niedergeworfnen Sünder-Auge zu treten ; und jetzt war es ihr vollends unmöglich , seit ihr durch Lindas Ankunft und Besuche auch das kleinste schillernde Gewebe ihres fliegenden Sommers zertreten war und ihr Mund voll Qual dumpf am hereingezognen Leichenschleier erstickte . » Bruder , Bruder , « ( sagte Liane begeistert ) » bedenke , was unsere armen Eltern von uns Kindern haben ! Ich erfülle ihnen keine Hoffnung ; auf dir ruht jede ; ach wie wird unser Vater zürnen ! « setzte sie mit alter Scheu und Liebe dazu . Der Bruder hielt es für recht , die Wahrheit ( über Rabettens Hinab- und Wegstoßen ) , welche diesesmal die Gestalt einer bewaffneten Parze haben würde , von ihr zu entfernen , und setzte an die Stelle der Wahrheit seine Bruder-Liebe . Daher hatt ' er bisher die einzige Gelegenheit , mit der Gräfin zu sprechen , entbehrt - Lianens Krankenstuhl . » Du mußt sterben , « ( sagte er einmal im Enthusiasmus zu ihr ) » es ist gut , daß dein Gewebe so zart ist , damit es das Durcheinandergreifen so vieler Tatzen entzweireißet - Was hättest du bis in dein 70. Jahr nicht leiden können unter Menschen und Männern ! « Auch er glaubte - aus eigner Erfahrung - , daß es mehr Weiber- als Männerschmerzen gebe , so wie es am Himmel mehr Mond- als Sonnenfinsternisse gibt . So stand es bis in die Nacht , wo Albano den Kahlkopf , die Spiele der Finsternisse und die verschleierte Schwester sah ; in dieser sprang eine Saite nach der andern in Lianens Leben , sie wurde schnell verändert , und am frühen Morgen empfing sie schon das Abendmahl aus ihres Speners Hand . Der Lektor bekam diese trübe Nachricht von der Ministerin um 9 Uhr morgens . Darum sucht ' er mit solchem Eifer durch Schoppe den Jüngling vom Anblick einer verscheidenden Braut zu verdrängen . Später kam Gaspards Billett , welches beide auf den Gedanken brachte , ihn zum Entgegenfahren zu locken und - durch eine Nachricht an den Vater - diesen zu bereden , wenigstens auf einige Tage mit Albano vor dem nahen Erdfall umzukehren , damit dieser sinke , ehe ihn der Sohn betreten . Aber auch das , wie schon erzählt worden , schlug fehl ; Albano bekannte Schoppen geradezu seinen Argwohn irgendeiner unheimlichen Begebenheit . Dieser wollte eben eine Antwort geben , als sie ihm ersparet wurde durch einen keuchenden Boten aus Blumenbühl , der an Albano folgendes Blatt von Spener überbrachte : » P.P. Ew . Hochgeboren Gnaden soll in aller Eile melden , daß das todkranke Fräulein von Froulay noch heute mit Denenselben zu sprechen sehnlichst verlangt , daher Sie um so mehr zu eilen haben , da selbige nach eigner Aussage höchst wahrscheinlich ( und um so mehr , als Patienten dieses genre immer ihren Tod richtig vorauszusagen wissen ) den heutigen Abend schwerlich überleben , sondern aus dieser Leiblichkeit einziehen wird in die ewige Herrlichkeit . Ich für meine Person brauche Ew . Gnaden als einen Christen wohl nicht erst zu vermahnen , daß wohl ein sanftes , stilles , frommes Betragen und Gebet bei dem Sterbebette dieser herrlichen Braut Christi , von deren Tod jeder wünschen wird : Herr , mein Tod sei wie