Schiffe bringen lassen ; während der ganzen Reise war er meistens still und in sich selbst gekehrt geblieben , und nun , da er in dem Palast der magischen Nymphe angekommen zu seyn glaubte , schien er mit Ungeduld und argwöhnischem Mißtrauen , welche alle Augenblicke einen stürmischen Ausbruch besorgen ließen , des Erfolgs , worauf man ihn vertröstet hatte , gewärtig zu seyn . Praxagoras beschloß seine Erzählung mit der nochmaligen Erklärung : daß sie alles , was in diesem so weit außer dem gewöhnlichen Wege liegenden Vorfall zu thun seyn möchte , meiner Weisheit und Großmuth unbedingt überließen . Die Weisheit war hier zu viel , wirst du denken ; wenigstens mußte ich mich durch ein so feines Compliment aufgefordert fühlen , diese Weisheit nun auch zu behaupten , die man mir so uneigennützig geliehen hatte . Ich antwortete also nach einer kleinen Pause : wiewohl weder ich , noch mein Bild , noch der Bildhauer Skopas , von irgend einem Gerichtshof in der Welt für dieses ohne Zuthun unsers Willens veranlaßte Unglück verantwortlich gemacht , und zu irgend einer Art von Vergütung desselben verurtheilt werden könnten , so fühlte ich mich doch aus Menschlichkeit geneigt , und gewissermaßen sogar verpflichtet , alles , was billigerweise von mir erwartet werden könnte , zum Troste des bedauernswürdigen Vaters beizutragen . Durch einen glücklichen Zufall ( fuhr ich fort ) befindet sich die Bildsäule , die wir nöthig haben werden , eben hier in diesem Hause , da sie sonst in einem Gartensaale meines Landguts zu Aegina zu stehen pflegt . Wie meinst du , wenn wir einen Versuch machten , was ihr unverhoffter Anblick - Aber beinahe hätte ich vergessen , daß ihr eine Zaubrerin mit ins Spiel gezogen habt , deren Erscheinung uns jetzt unentbehrlich ist , da der Kranke alle seine Hoffnung auf ihren Beistand baut . Auch diese ist gefunden . Es leben etliche junge Korinthierinnen unter meiner Aufsicht , von welchen eine ganz das ist , was wir nöthig haben ; ein schönes Mädchen , von prächtiger Gestalt , und reichlich mit jedem heroischen Reiz begabt , der sie zur Darstellung einer Medea oder Circe geschickt machen kann . Ich werde sie , weil Gefahr im Verzug ist , ungesäumt in der Rolle , die sie zu spielen hat , unterrichten , und sie in einem so blendenden Costume vor unserm Nympholepten erscheinen lassen , daß wir unsre gute Absicht schwerlich verfehlen werden . Praxagoras konnte nicht Worte genug finden , mir für meine edelmüthige Herablassung zu danken , und nachdem wir alles auf jeden Fall Nöthige verabredet hatten , wurde sofort Hand ans Werk gelegt . Einer der größten Säle des Hauses wurde zur Scene unsers Drama ' s eingerichtet , und eine Stunde der Nacht zur Aufführung angesetzt . Für den Vater und deine närrische Freundin wurde ein Platz abgesondert , wo sie , ohne selbst gesehen zu werden , alles wahrnehmen konnten . Die Stunde kam . Bleich und abgezehrt wankte der arme Chariton von seinem Arzt geführt heran ; seine Gesichtsbildung schien mir ziemlich unbedeutend , aber nicht unedel , und durch die stille Schwermuth , die um seine lockichte Stirne hing , sogar ansprechend . Er schien beim Eintritt in den Saal über die Scene , die ihm in einer künstlichen Beleuchtung entgegen schimmerte , mehr erstaunt als erschrocken zu seyn . Euphorion , in einem prächtigen Anzug , einen funkelnden Gürtel um den Busen , eine kleine Strahlenkrone auf dem Haupte , und von reichgeschmückten Nymphen umringt , auf einem erhöhten Thron sitzend , war das erste was ihm in die Augen fiel . Er blieb plötzlich stehen , schaute bald mit fragenden Blicken auf die schöne Zaubrerin , bald mit suchenden im Saal herum , wie im Zweifel ob er seinen Augen glauben dürfe , und als ob er sich nach etwas umsehe , das hier vorhanden seyn müsse . Tritt näher , Chariton , und sey ohne Furcht , sprach sie : ich habe dich in meinen Schutz genommen ; der Räuber deiner Geliebten ist entwaffnet , ich gebe sie dir wieder . Siehe ! - Mit diesem Worte that sich ein Vorhang auf , der die Bildsäule bisher verdeckt hatte , und vermittelst eines andern , der plötzlich und ohne Geräusch herabfiel , schwand die Zaubrerin mit ihren Nymphen aus seinen Augen . Soll ich dir gestehen , Aristipp , daß die Bewegungen , wodurch sich die Gefühle des bestürzten Jünglings bei Erblickung dieses Bildes ausdrückten , meiner Eitelkeit wirklich ein schmeichelhaftes Schauspiel gaben ? Er blieb eine Weile wie in den Boden gewurzelt stehen , sah sich schüchtern und lauschend um , als ob er beobachtet zu werden fürchte , trat dann näher hinzu , und stutzte wieder zurück . Ein langer tiefer Seufzer schien ihm endlich Luft zu machen ; zweifelhaft und nachsinnend betrachtete er das geliebte Bild , schien es auf einmal zu erkennen , und stürzte freudetrunken mit ausgebreiteten Armen auf dasselbe hin . Bist du es wirklich ? hab ' ich dich endlich wieder ? rief er aus , und umklammerte die frostige Geliebte , als ob er mit ihr zusammenwachsen wollte . - » Aber warum bist du so stumm ? so kalt ? so unempfindlich ? - Fühlst du denn meine glühenden Küsse nicht ? - Ach ! sie haben mich betrogen ! Du bist noch Marmor ! Deine schönen Augen sind ohne Licht , kein Herz schlägt in diesem lieblichen Busen ! Sie haben mich betrogen die Grausamen - aber es wird ihnen nichts helfen ! Ich fühl ' es , auch im Marmor liebst du mich - diese todte Hand hat mich berührt - dein Arm windet sich eiskalt um meine erstarrende Hüfte - o Dank , ihr Götter ! ich werde zu Marmor mit ihr ! « Es war hohe Zeit daß Praxagoras sichtbar ward , um einem Rückfall in seine vorige Tollheit noch zuvorzukommen . Wir haben dich nicht betrogen , lieber Chariton , rief