beachten , auf seine alte Stelle niederwarf . Nachdem Schanhatta auf diese Weise ihren Willen durchgesetzt hatte , schlich sie wieder davon . Niemand wehrte ihr , sich neben mich hinzusetzen ; Niemand verbot ihr , daß sie eine leise Melodie anstimmte , und Niemand verstand sie , als sie hin und wieder einige Trostesworte in ihren melancholischen Gesang verflocht , welche ebensowohl von ihrer treuen Anhänglichkeit , als von ihrem namenlosen Schmerz über meine Gefangenschaft zeugten . 11. Capitel . Der Medicinmann Elftes Capitel . Der Medicinmann . Am folgenden Morgen in aller Frühe , noch eh ' es zu dämmern begann , waren die Blackfeet bereits wieder in Bewegung . Einige entfernten sich , um die in einer abgelegenen Schlucht weidenden Pferde herbeizuholen , andere trugen den Leichnam des erschossenen Gefährten davon , um ihn unten am Fluß zu verscharren und die Grabstätte durch eine Anhäufung von Steinen kenntlich zu machen und gegen die Wölfe zu schützen , und diejenigen , welche zurückgeblieben waren , theilten ihre Aufmerksamkeit zwischen mir und den zur Reise unerläßlichen Vorbereitungen . An eine Flucht war vorläufig nicht zu denken ; die Indianer wußten dies und scheuten sich daher nicht , Schanhatta von allen Banden zu befreien und auch meine Fesseln so weit zu lösen , daß ich die Hände nothdürftig gebrauchen konnte . Sie hatten dabei mehr ihre eigene Bequemlichkeit , als meinen geschwächten Zustand im Auge , was mir indessen vollkommen gleichgültig blieb , wenn mir daraus nur einige Erleichterung erwuchs . Bald nach Tagesanbruch trafen die ausgesendeten Krieger mit den Pferden bei uns ein . Es waren deren vierzehn , also genug , um nicht nur Alle beritten zu machen , sondern auch die erbeuteten Gegenstände mit fortzuschaffen . Nicht wenig überraschte es mich , unter den Pferden zwei von den meinigen zu erblicken . Ich nahm daher an , daß Blackbird und seine Begleiter nach unserm letzten feindlichen Zusammentreffen auf der Insel nicht nach ihrem abgelegenen Dorfe zurückgekehrt waren , sondern , nachdem sie in Erfahrung gebracht , daß Dalefield und die Seinigen ohne uns in den Grenzansiedlungen eingetroffen seien , unausgesetzt nach uns geforscht und sich zu diesem Zweck mit solchen Pferden ausgerüstet hatten , welche ihnen eben zu Gebote standen . Es diente mir dies als neuer Beweis , welchen hohen Werth der Häuptling auf den Besitz Schanhatta ' s legte , und daß er lieber alles Andere , selbst seine Rache an mir , als auch nur ein Haar von Schanhatta gutwillig aufgegeben hätte . Eine Stunde nach Sonnenaufgang waren wir endlich reisefertig . Die Sachen hatten auf den Rücken von drei Mustangs Platz gefunden , und da Schanhatta und ich ebenfalle beritten gemacht worden waren , die Pferde aber jener in den Prairien einheimischen und sehr dauerhaften Race angehörten , so waren wir im Stande , mit ungewöhnlicher Schnelligkeit zu reisen . Dank den Bemühungen meiner treuen Gefährtin , fand ich auf der Reise selbst keinen Grund über harte Behandlung zu klagen ; und wenn auch der eine oder der andere Blackfoot mich hin und wieder verhöhnte und mit ausgesuchter Bosheit die Martern beschrieb , welche ich zu erdulden haben würbe , so erfreute ich mich doch einer gewissen Freiheit , die nur in so weit beschränkt wurde , daß während des Marsches meine Füße unterhalb des Pferdes mittelst starker Riemen zusammengefesselt waren , während ein anderer Riemen von dem Zaum meines Pferdes nach dem Sattel eines meiner Wächter hinüberlief . Zur nächtlichen Stunde mußte ich mir dagegen gefallen lassen , daß ich an Händen und Füßen gefesselt zwischen zwei Kriegern lag , und ein anderer Krieger mit geladener Büchse in meiner Nähe weilte , um mich bei dem geringsten Fluchtversuch niederzuschießen . Die Tage der Reise verstrichen mit einer gewissen Gleichförmigkeit . Vom Aufgang bis zum Untergang der Sonne und zuweilen noch einen Theil der Nacht befanden wir uns im Sattel : nach dem Aufschlagen des Lagers war ich daher in Folge der von meiner Wunde noch zurückgebliebenen Schwäche , so erschöpft , daß ich die wenigen mir zur Rast vergönnten Stunden in fast ununterbrochenem Schlaf verbrachte . Schanhatta , obgleich mit mißtrauischen Augen von Blackbird bewacht , blieb sich immer gleich ; sie pflegte mich , so weit es eben möglich war , mit der Sorgfalt einer Mutter , und die wenigen Worte , welche sie nothgedrungen mit den Blackfeet wechseln mußte , brachte sie mit einem so unerschütterlichen , ihre tiefste Verachtung bekundenden Ernst hervor , daß diese zuletzt kaum noch wagten , sie anzureden , aus Furcht , wegen der ihnen zu Theil weidenden beleidigenden Antworten von ihren Gefährten verlacht zu weiden . Ursprünglich hatte sie gehofft , während der Reise Gelegenheit zu finden , mich zu befreien und vereinigt mit mir auf den schnellsten Pferden der kleinen Heerde das Weite zu suchen , doch scheiterten alle ihre Pläne an der Wachsamkeit unserer Feinde , die uns während der wochenlangen angestrengten Reise nicht eine Minute aus den Augen ließen . Trotzdem kam keine Klage über ihre Lippen ; und nur daran , daß ihre Augen einen trüberen Ausdruck erhielten , ihre so vollen jugendfrischen Wangen einsanken , und sie sogar in ihren Tröstungen , welche sie mir zuflüsterte oder zusang , einsilbiger wurde , erkannte ich , daß auch ihre Hoffnungen allmälig zu erbleichen begannen , und ihr sonst nicht leicht zu beugender Muth immer mehr einem unbestimmten bangen Zagen wich . Eines Morgens , wir mochten uns Wohl gegen drei Wochen unterwegs befunden haben , bemerkte ich , daß die Indianer sich mit größerer Sorgfalt , als gewöhnlich , zum Aufbruch rüsteten . Sie reinigten und polirten ihre Waffen , die Skalplocken wurden mit Federbüschen und sonstigen Zierrathen versehen , und die tupfrigglänzenden Gesichter und Oberkörper bemalten sie sich mit rother , gelber und schwarzer Farbe so gräßlich und wild , als wären sie im Begriff gewesen , einen Skalptanz aufzuführen , oder sich auf den Kriegspfad zu begeben . Auch Schanhatta reichte man Farben und Bärenfett , um sich