heiß ins Ohr : » Oheim Landshut ! Wir wollen dir alles verzeihen ! Alles ! Kannst du uns Geld geben ? Viel Geld ? « Seine Augen wurden fröhlich , als er von den dreißigtausend Dukaten hörte , die Herzog Heinrich schon in das Quartier der Majestät , in das alte Patrizierhaus der Gumprecht , hatte schaffen lassen . » Lieber Oheim ! « Der König lachte . » Wir wollen dir danken . Morgen . Was Wir tun , ist verwerflich . Aber helfen ist von den Freuden des Lebens die schönste . « Er befahl den Bürgermeister und die drei Almosenherren der Stadt zu sich . Noch in der gleichen Stunde sollte man aufkaufen , was in der Stadt an Zelten , Kleidern , Mänteln , Zehrung und Trank für das zugewanderte Volk zu erschwingen war . Auf vielen Wagen sollte man alles hinausfahren zum Anger vor dem Ostentor . Jede arme , leere Hand , die sich da draußen verlangend streckte , sollte empfangen von der Güte des deutschen Königs . Der Bürgermeister neigte sich dankbar vor dem Herrscher ; doch der Auftrag , den er übernommen , machte ihm Sorge ; er hatte Ursach , alle Tore fest verschlossen zu halten . Von da draußen war eine Meldung in die Stadt gedrungen , die man verschweigen mußte - eine Meldung , vor der auch Tapfere erzitterten bis ins Blut . Da draußen , unter den vierzig Tausenden , war einer zugewandert . Der hatte leere Augenhöhlen und schlug mit der Knochenfaust an das Ostentor . Von allen Siegern der gewaltigste ! In der gewölbten , reich gezierten Halle des Stadthauses brannte , obwohl der Abend noch nicht dämmerte , schon die Fülle der Wachsfackeln und Kerzen . Um die schönen , freundlichen Majestäten bewegte sich ein funkelndes Gewirre von Fürsten und edlen Frauen , von geistlichen Würdenträgern , von ritterlichen Herren und wappenfähigen Bürgern . Ein bißchen außerhalb des funkelnden Gewimmels stand in kostbarem Hofkleid der kleine Herzog Heinrich an eine Säule gelehnt , völlig genesen , belustigt und zufrieden . Seine blitzenden Schwarzaugen gingen suchend über das Gewühl der Gesichter hin , und ein feines Schmunzeln huschte um seine schmalen Lippen , sooft im Gewirr das unbedeckte Haupt und die grau bestäubten Schultern des Ingolstädters erschienen . Da trat im schweren Panzer sein Schwager Zollern vor ihn hin , sah ihn an , nickte , schob die Lippen vor und schwieg . Mit lebhafter Herzlichkeit sagte der Kleine : » Gott grüß dich , Schwager ! Wir haben uns lange nicht gesehen . Jetzt geschieht es zu guter Stunde . Wir hatten Glück , wir beide . « » Jeder auf seine Weise . Um das recht zu sehen , mußt du mein Gedächtnis auffrischen . Wie lautete , was du mir nach Nüremberg geschrieben ? « » Daß du tun möchtest in meinem Namen , was ich als notwendig , hilfreich und redlich erkenne . Als redlich hab ich erkannt , was du tatest . Notwendig und hilfreich erschien es mir nicht . Drum hab ich es anders gemacht . « Herr Heinrich schmunzelte . » Mißfällt es dir ? « Zollern bekam die harten Furchen auf der Stirn . Dann lachte er plötzlich , laut und kräftig . » Schwager ! Man kann dir im Ernst nicht grollen . Das ist manchmal ein schwierig Ding , zu wissen , was gut oder böse ist . An den sieben Häuten deiner Seele ist kein klarer Fleck . Aber dein Land und Volk wird gewinnen dabei . Das läßt milder über dich denken . « Er wollte gehen . Und sah neben der Säule den barhäuptigen Herzog Ludwig stehen mit aschfarbenem Gesicht und brennenden Augen . » Nur näher , Oheim ! Hier findet Ihr , einen klugen und heiteren Mann . Jetzt , vermute ich , wird er redlich mit Euch unterhandeln . « Klirrend schritt er davon . Herr Heinrich verlor ein wenig an fröhlicher Farbe , als der hochgewachsene Ingolstädter in seiner gewalttätigen Art so dicht vor ihn hintrat . » Wir sahen uns zum letztenmal in Konstanz . Nicht ? Fünf Jahre sind eine lange Zeit . Gute Vettern sollten sich zuweilen besuchen . Um sich auszusprechen . Damals in Konstanz wurdest du am Reden behindert . Nicht ? Es war sehr finster . Damals . Heut ist es hell . Warum zitterst du ? Die Stunde ist höfisch . Die Nähe des schönen Königs umschleiert die häßlichen Dinge . Da muß man zierliche Worte finden . Muß Brücken über alles Dunkle schlagen . Ich schaue nicht hinunter . Nein ! « Herzog Ludwig sah die Narben an seinen Händen an . » Ich will dich nur etwas fragen . Eine kleine Sache . Das mußt du mir sagen . « » Was , du Großer und Starker ? « Herr Heinrich war wieder heiter geworden und streckte sich , weil er merkte , wie viele Augen in Neugier auf ihn und den anderen hersahen . » Hast du in deinem Lebern schon einmal die Wahrheit gesagt ? « Herzog Heinrich schien sich zu besinnen und nickte . » Doch . Manchmal . Wenn es nützlich war . « » Dann sage sie mir jetzt ! « Der Ingolstädter beugte sich langsam zu dem kleinen Vetter hinunter . Er lachte , wie man zu lustigen Dingen lacht . Doch seine Stimme keuchte : » Wer verriet mich ? « In Heinrichs schwarzen Augen blitzte es wie eine geschliffene Klinge . Seine Seele war durchwühlt von dem gierigen Wunsch , diesem Starken , noch immer nicht völlig Gebeugten den letzten Stoß in das Herz zu bohren . Seine Klugheit widerriet es ihm . Er sagte : » Niemand ! « Schmetternde Trompetenstöße klangen vom Saal herunter , und die Majestäten stiegen auf lindem Teppich über die steinerne Treppe hinauf . » Das Mahl beginnt . Es möge dir schmecken , Vetter ! « Herzog Heinrich ging rasch davon und wollte sich