besonders bläßlich : Wir leiden , hört , an unglücklicher Liebe ! Man glaubt ' s , da sie so überraschend häßlich , Weiht ihnen des Erbarmens edle Triebe . Was fragt die Logik nun ganz unerläßlich ? Als ob nicht drauf nur eine Antwort bliebe : Der feige Mensch hat Furcht vorm wahren Sein , Lügt lieber sich hinein in falschen Schein . So wandelt der Culturmensch durch die Welt Auf hohen Hacken , gründlich auswattirt , Wenn auf das härtste Pflaster brennend fällt Die Mittagsgluth . So tanzt er eng geschnürt Der Schwindsucht zu . Der scheint mir fast ein Held , Wer einmal sich natürlich ausstaffirt . O Bauern , neidisch sehe ich Euch zu , Hemdärmelig mit dünnem lockerm Schuh . Ich kenne Jungfraun , die im Alltagsleben Grad bis ans Herz uns gehen oder ' s Kinn , Doch in Gesellschaft über uns erheben Um Kopfeslänge sich . Was ist der Sinn ? Zu tief die Graziengewänder schweben Zwar über ihre zarten Füßchen hin , Doch wett ' ich , daß sechs Zoll die Hacken groß - So wächst man freilich über Nacht glorios ! Von allen Gattungen der Reue Ist eine mir zumeist verhaßt , Sie grade quält mich stets aufs neue Und läßt mir keine Ruh und Rast . Die Reue ist ' s um Fades , Nichtiges , Um die Vergeudung schöner Zeit , Der Gram , anstatt um Ernstes , Wichtiges , Um lächerlichste Kleinigkeit . Daß meine weiße Weste heute Zerknittert ward von ungefähr , Das macht mich der Verzweiflung Beute - Und wenn es gar ein Schmutzfleck wär ' ! Gestern zerbiß ich die Cigarre Und sog unachtsam Nicotin . Vorgestern wurde eine Schmarre Mir als Verschönerung verliehn . Vor Wochen stieß ich mir die Nase Am Sims zufällig blau und roth . Damals verschluckte ich im Glase Gar eine Fliege - welche Noth ! Zu schwer soupirt ' ich neulich Abend Und hab ' den Schlummer drum versäumt . Und wenn auch Träume manchmal labend , Neulich hab ' ich zu stark geträumt . Vor Monden habe ich verloren Ein Zwanzigmarkstück - das ist stark ! Und gestern - wär ' ich nie geboren ! - Gab ich als Trinkgeld eine Mark . Dann hab ' ich neulich aus Versehen Mir auch ein Barthaar ausgezupft : Welch nie zu sühnendes Vergehen ! Ein Stück der Mannheit ausgerupft ! Und neulich aß ich saure Gurken , Dann Stachelbeeren und dann Bier ! Ich schimpfe selbst mich einen Schurken - Das heißt ja schlingen wie ein Thier ! Neulich trug ich zu hohe Hacken , Doch dann , als mich Clotilde sah , Reicht ' ich ihr kaum bis an den Nacken , Denn hackenlose hatt ' ich da ! Das Halstuch knüpft ' ich zwölf Minuten Mir heut , ein Danaidenloch ! Denn der Effekt , wie zu vermuthen , Blieb immer ja derselbe noch ! Frisirte eine Stunde tüchtig Und war so weit , als wie vorher , Als hätt ' ich nur gebürstet flüchtig . Heut drückt mich der Cylinder schwer . Und morgen , wo ich ihn gebrauchte , Setz ' ich statt dessen auf den Filz . War ' s kalt , in Eisfluth ich mich tauchte - Heiß , kroch ich unter wie ein Pilz . War ' s kalt , ging ich in Sommerjacke - Heiß , trug ich Winterüberzieh ' r ! Rasirt ' ich , blutete die Backe - Es ist um tollzuwerden schier ! O dieses teuflische Erinnern Zernörgelt mir die Lebenslust ! Wann , Leichtsinn , nahst Du meinem Innern ? Wann wird mir endlich » unbewußt ? « Ich las eine erste Correctur , Da fand ich einen Fehler nur . Doch als ich die zweite und dritte las , Da sah ich , daß ich noch drei vergaß . Und als ich den Reindruck vor mir sah , In Ohnmacht fiel ich nun beinah : Sechs grobe Fehler standen da ! Das ist der Mensch ! So lang es nützt , Ihn weder Fleiß noch Vorsicht schützt . Schönglatt ist Alles beim ersten Blick , Doch zeigt ihm der nächste Augenblick Die Flecken , wenn es halb zu spät , Die größten aber er übergeht ! Erst wenn sie unwiderruflich geschehn , Wir alle Sünden und Mängel sehn . Und auf den Aerger folgt die Reu ' , Fruchtlos stets , doch immer neu . Der Mensch ist ein geborner Thor Und stets die Weisheit er verschwor . Wenn Jemand sich gar weise glaubt , Weil weder Ruhm- noch Geldgier raubt Ihm seinen Appetit und Schlaf Und seinen ehernen Busen traf Nicht falscher Minne giftiger Pfeil Und wenn er sonst gesund und heil Und ihm kein Kummer ward zu Theil - So ärgert er sich mit Fug und Recht , Daß einmal aufgepaßt er schlecht Und lückenhaft seine Correctur ! Denn Gram und Aerger ist uns Natur . Los wird ihn der Blasirte nur . Dem fehlt zwar Aerger , doch auch Vergnügen - Ist das der Weisheit Selbstgenügen ? Inconsequenz ist menschlich . Hört den Einen : Das Leben ist , damit wir es beweinen . So tief in Sünde ist der Mensch verstrickt , Daß Heil und Hoffnung nirgends er erblickt . » Wohlan ! So möchtest Du recht baldigst sterben ? « Er ruft entsetzt : » Um Gotteswillen , nein ! Ich mochte gerne siebzig Jahr erwerben Und sollten sie auch eitel Sorge sein . « » Welch Widerspruch ! « so ruft man ungeduldig . Dann murmelt er Etwas von der Mission , Die wir auf Erden ja erfüllen schon , Von zehn Geboten , kurz , bleibt Antwort schuldig . Ein Andrer meint , daß allerliebst die Erde , Daß reizvoll selbst Gefährde und Beschwerde Und daß die liebe Sünde uns gegeben , Damit das Dasein recht entzückend werde . » So möchtest Du denn also ewig leben ? « » Um Gotteswillen , nein ! Welch ein Gedanke ! Eh