und bei uns eine plötzliche Stille eintrat , hörte man aus den übrigen Räumen her , wie aus der Ferne , das Geräusch der summenden Stimmen , durcheinandertönender Lieder und einer Tanzmusik , welche dunkel fortrollende Tonmasse übrigens in jeder Pause hörbar wurde , die wir machten . In diesem Augenblicke aber machte uns die Sache durch den Kontrast einen feierlichen Eindruck ; es war , wie wenn wir den Lärmen der Welt rauschen hörten , während wir in traulicher Beschaulichkeit in unserm Myrten- und Orangenwäldchen saßen . Wir horchten eine Weile mit Behagen auf das wunderliche Tosen und gerieten dann in ein unterhaltliches Gespräch , in welchem wir die Köpfe über dem Tische zusammensteckten und jeder eine heitere oder traurige Geschichte oder Erinnerung zum Vorschein brachte , besonders aber der Gottesmacher eine Menge anmutiger Schwänke von der Mutter Gottes zu erzählen wußte , wie sie einmal einen Kongreß ihrer Vertreterinnen an den berühmtesten Wallfahrtsorten der Welt veranstaltet habe und wie es da zugegangen und ein großer Zwist entstanden sei , wie nicht anders möglich , wo so viele Frauenzimmer zusammenkämen ; was sie alles auf der Hin- und Rückreise erlebt und verrichtet hätten ; wie die eine als große Fürstin mit verschwenderischer Pracht , die andere aber wie ein schäbiger Filz gereist sei und in den Herbergen , wo sie übernachtet , ihre Engel in den Hühnerstall gesperrt und am Morgen auch wie Hühner abgezählt habe , ob keiner fehle . So seien auch zwei andere große Frauen , die zum Kongreß reisten , die Mutter Gottes von Czenstochau in Polen und die Maria zu den Einsiedeln , mit ihrem Gefolge bei einem Wirtshause zusammengetroffen und hätten im Garten das Mittagessen eingenommen . Als nun eine Schüssel mit Leipziger Lerchen , worauf eine gebratene Schnepfe gelegen , aufgetragen worden , habe die Polackin die Schüssel sofort an sich genommen und gesprochen Soviel sie wisse , sei sie die vornehmste Person am Tische und gebühre ihr hiemit das Störchlein , das da obenauf liege ! Denn wegen des langen Schnabels habe sie die Schnepfe für einen jungen Storch gehalten , dieselbe auch mit der Gabel angestochen und auf ihren Teller getan . Die Schweizerin hingegen , über solche Anmaßung entrüstet , habe nur » Swips ! « gemacht , und die gebratene Schnepfe sei lebendig und gefiedert vom Teller auf und davon geflogen . Inzwischen habe die Maria von Einsiedeln die Schüssel an sich genommen und sämtliche Lerchen auf ihren und der Ihrigen Teller gestreift , die Frau von Czenstochbau aber » Tirili « gepfiffen , und die Lerchen seien ebenso wie vorhin die Schnepfe aufgeflattert und singend in der Höhe verschwunden , und somit hätten sich die Herrschaften gegenseitig aus Eifersucht das Mittagessen verdorben und sich nachher mit einer dicken Milch begnügen müssen , wozu die schwarzbraunen Gesichter beider Damen sich possierlich verzogen haben . Agnes saß wie ein Kamerad zwischen uns , einen Arm auf den Tisch und die Wange auf die Hand gestützt . Sie konnte aber nicht recht klug daraus werden , wie alle die heiligen Marienfrauen , die doch nur ein und dasselbe seien , als so viele unterschiedene Personen herumreisen , sich versammeln und sogar bekriegen können , und sie gab ihrem Zweifel unverhohlenen Ausdruck . Der Winzer legte den Finger an die Nase und sagte nachdenklich : » Das ist eben das Mysterium , das Geheimnis , das wir mit unserm Verstande nicht zu erklären vermögen . « Allein der Bergkönig , der in fremdartigen Dingen um so beredter war , je weniger er mit seiner Kreuztragungsgruppe von Raffaels berühmtem Bilde wegkommen konnte , ergriff das Wort und sagte : » Die Sache bedeutet nach meiner Ansicht die ungeheure Allgemeinheit , Allgegenwart , Teilbarkeit und Wandlungsfähigkeit der Himmelskönigin ; sie ist alles in allem , wie die Natur selbst , und steht dieser schon als Frau am nächsten auch in Hinsicht der unaufhörlichen Veränderlichkeit , wie sie denn auch außerdem in allen möglichen Gestalten aufzutreten liebt und sogar als streitbarer Soldat gesehen worden ist . Hierin gerade mag sie einen Zug ihres Geschlechtes bewähren , wenigstens der vorzüglicheren Mitglieder desselben , nämlich einen gewissen Hang , Mannskleider anzuziehen . « Einer der Glasmaler lachte bei diesen Worten . » Mir fällt ein drolliges Beispiel solcher Verkleidungskunst ein « , sagte er und erzählte : » In meiner Vaterstadt , in welcher besonders im Herbst große Märkte stattfinden , waren wir Gassenbuben scharenweise dahinter her , auf diesen Märkten die häufig auf die Erde rollenden Apfel , Birnen , Pflaumen und andere Früchte , wenn sie umgeladen und ausgemessen wurden , zu haschen und solche auch vom Haufen wegzustibitzen . Da lief dann immer ein Junge zwischen uns mit , den keiner kannte , der aber immer zuvorderst und am behendesten von allen war , sich die Taschen füllte , verschwand und bald wieder erschien , um sie abermals zu füllen . Auch wenn der neue Wein von den Bauern in die Stadt geführt und vor den Bürgerhäusern abgezapft wurde und wir mit langen hohlen Schilfrohren unter die Wagen hockten , die Röhrchen heimlich in die untergestellten Bütten und Kübel steckten , um den von den Küfern beim Abmessen einstweilen dorthin gegossenen überschüssigen Most aufzusaugen , war der unbekannte Junge bei der Hand , schluckte den Wein aber nicht hinunter , wie wir taten sondern ließ das vollgesogene Rohr weislich in eine Flasche ablaufen , die er in seiner Jacke verborgen trug . Der Kerl war nicht größer , aber etwas stärker als wir , hatte ein sonderbares ältliches Gesicht , aber eine helle Kinderstimme , und als wir ihn einmal drohend fragten , wie er eigentlich heiße , nannte er sich kurzweg Jochel Klein . Nun , dieser Jochel war ein künstlicher Gassenjunge , nämlich eine klein gewachsene arme Witwe aus der Vorstadt , die nichts zu beißen und zu brechen hatte und , von der Not und ihrem Genie gedrungen , die Kleider eines verstorbenen zwölfjährigen Sohnes anzog , den Zopf abschnitt