und sagte : Es ist alles frei gewesen , und brachte jedem ein Extraglas und tat , als ob es mich freute , denn die Bauern sind sehr schwierige Leute . Aber in der Nacht hab ich meine blutigen Tränen geweint . « Die Krügersfrau hatte sich so hineingesprochen , daß ihr noch in der Rückerinnerung wieder die Tränen in die Augen kamen , aber sie fühlte auch zugleich , daß Reden und Aussprechen der beste Trost sei , und so fuhr sie fort : » Und wenn es noch so wäre wie den vorvorigen Sommer . Aber da haben wir ja jetzt den Roten Krug , keine hundert Schritt vom Dorf , nach Taßdorf zu . Ostern fing er an zu bauen , Pfingsten war alles unter Dach , und Johanni zog er ein . Er heißt Bindemeier und ist ein verdorbener Stellmacher ; ein schlechter Mensch , der immer abbrennt und immer in Scheidung lebt . Er hat nun schon die dritte Frau ; aber die Kinder sind von der ersten , auch die Line , die morgen Hochzeit macht . « » Hochzeit , wen heiratet sie denn ? « fragte Renate . » Einen Dahlwitzer Bauerssohn . Erst sollt es ja nicht sein . Der Alte drüben wollte nicht , denn er ist geizig und hat den Bauernstolz . Aber da ging ja die Line nach Dahlwitz und hat den Alten so mitbehext , daß er jetzt Stein und Bein schwört , wenn der Junge sie nicht nähme , so wollt er sie selber nehmen , denn er ist ein Witwer . « » Ist sie denn so hübsch ? « » Nein , hübsch ist sie nicht ; aber sie hat so ein Wesen . Und von wem hat sie ' s ? Vom Vater hat sie ' s. Und das ist es ja eben . Denn sehen Sie , Fräuleinchen , er hat bloß die Schankgerechtigkeit und ist gar kein richtiger Krüger , wiewohlen er den Roten Krug hat ; aber das muß wahr sein , das Krügern versteht er . Und mein Kemnitz versteht es nicht . Der kreidet gar nicht an und der andere doppelt . Und keiner , der in den Roten Krug kommt , merkt es , weil er jedem zum Munde redet und immer eine Geschichte hat . « » Und möchten Sie tauschen ? « fragte jetzt Renate , » und einen Mann haben wie den im Roten Krug ? « » Um Gottes willen nicht « , erschrak die Krügersfrau , » da hätt ich ja keine ruhige Stunde mehr . « » Sehen Sie , da haben wir das Geständnis Ihres Glücks . Sie haben den Frieden des Gemüts , der das Beste ist . Lassen Sie Ihren Mann nur ruhig schlafen ; er ist ein guter Mann , und das ist gerade genug . Schläft er viel , so müssen Sie viel wachen ; das hebt sich dann . Etwas fehlt immer , und irgendwo drückt der Schuh einen jeden ; den einen hier , den andern da . « Die Krügersfrau seufzte : » Das hat mir Pastor Lämmerhirt auch gesagt « , und dabei erhob sie sich und schob die Teller zusammen . Aber auf ihr erstes Wort zurückkommend , setzte sie hinzu . » Ein schläfriger Mann ist doch nicht gut , das laß ich mir nicht nehmen . « Und damit verließ sie das Zimmer . - » Weißt du , an wen ich habe denken müssen ? « fragte Renate . » Gewiß ; an Maline . « » Nur daß der junge Scharwenka nicht schläfrig ist . Vielleicht zuwenig . « » Da drückt der Schuh am andern Ende « , schloß die Schorlemmer . Renate nickte , und müde von den Anstrengungen dieser Tage , warf sie sich auf ihr Bett , um eine Stunde zu schlafen . Die Schorlemmer deckte sie mit einem Mantel zu und ging in das andere Zimmer hinüber . Hier setzte sie sich zu Häupten Lewins und begann an einem Strickzeug zu stricken , das sie sich von der Krügersfrau geborgt hatte , denn ihre Hände konnten nicht ruhen . Als die Sonne schon im Sinken war , brachen Renate und die Schorlemmer auf , um einen Spaziergang zu machen , wozu die Luft und die Beleuchtung aufforderten . Sie gingen die nach Taßdorf führende Pappelallee hinunter , an dem » Roten Kruge « vorbei , wo schon alles in hochzeitlicher Vorbereitung war . Keines sprach ; endlich sagte die Schorlemmer , als ob sie wisse , daß Renatens Gedanken denselben Weg machten : » Und nun so weggenommen , ohne Vorbereitung und ohne Abendmahl , und nichts in Händen als ein französisches Buch . Daraufhin wird einem nicht aufgetan . « Sie waren stehengeblieben und sahen jetzt über einem dunkeln Waldstreifen den Mond aufgehen , blaß und silbern . » Dorthin liegt Guse « , sagte Renate . Die Schorlemmer bejahte . » Ich glaube , sie begraben sie jetzt . Mir ist , als hörte ich das Singen . « » Möge Gott ihrer Seele gnädig sein ! « Und beide falteten die Hände und gingen in das Dorf zurück . Drittes Kapitel » So spricht die Natur « Die Nacht über hatten abwechselnd die Krügersfrau und eine alte Frau aus dem Dorfe bei Lewin gewacht ; nun war es neun Uhr früh , und Renate und die Schorlemmer saßen wieder an seinem Bette . Er schlief unruhiger als die Tage vorher , und einzelne , freilich nur halb verständliche Worte kamen von seinen Lippen . In dem Zimmer lag ein heller Morgenschein , und das Eis schmolz von den Scheiben . Sonst war nichts hörbar als das Zwitschern eines Zeisigs und das Klappern von Tante Schorlemmers Nadeln . So verging eine halbe Stunde , während welcher die Frauen vor sich hin oder auf den Kranken sahen . Jetzt traf die Sonne sein Gesicht , und Renate flüsterte : » Sieh