. « » Frage , nicht ! « rief Arahad , » dein Feind , der dein nicht wert , der dich nicht liebt ; der - folge mir ! - flieh , schon kommen sie ! « Man hörte von draußen nahenden Hufschlag . » Ich bleibe . Wer zwingt das Enkelkind Theoderichs ? « » Nein ! du sollst nicht , sollst nicht in ihre Hände fallen , der Fühllosen , die nicht dich lieben , nicht deine Herrlichkeit , nur dein Recht auf die Krone ! Folge mir ... - « Da ward der Türvorhang des Zeltes zur Seite geschoben : Graf Teja trat ein . Zwei Gotenknaben mit ihm , in weißer Seide , festlich gekleidet . Sie trugen ein mit einem Schleier verhülltes Purpurkissen . Er trat bis an die Mitte des Zeltes und beugte das Knie vor Mataswinthen . Er trug , wie die Knaben , einen grünen Rautenzweig um den Helm . Aber sein Auge und seine Stirne war düster , - als er sprach : » Ich grüße dich , der Goten und Italier Königin ! « Mit erstauntem Blick maß sie ihn . Teja erhob sich , trat zurück zu den Knaben , nahm von dem Kissen einen goldenen Reif und den grünen Rautenkranz und sprach : » Ich reiche dir den Brautkranz und die Krone , Mataswintha , und lade dich zur Hochzeit und zur Krönung - die Sänfte steht bereit . « Arahad griff ans Schwert . » Wer sendet dich ? « fragte Mataswintha mit klopfendem Herzen , aber die Hand am Dolch . » Wer sonst , als Witichis , der Goten König . « Da leuchtete ein Strahl der Begeisterung aus Mataswinthens wunderbaren Augen : sie erhob beide Arme gen Himmel und sprach : » Dank , Himmel , deine Sterne lügen nicht : und nicht das treue Herz . Ich wußt ' es wohl . « Und mit beiden schimmernden Händen ergriff sie das bekränzte Diadem und drückte es fest auf das dunkelrote Haar . » Ich bin bereit . Geleite mich , « sprach sie , » zu deinem Herrn und meinem . « Und mit königlicher Wendung reichte sie Graf Teja die Linke , der sie ehrerbietig hinausführte . Arahad aber starrte der Verschwundenen nach , sprachlos , noch immer die Hand am Schwert . Da trat Eurich , einer seiner Gefolgen , zu ihm heran , und legte ihm die Hand auf die Schulter : » Was nun ? « fragte er , » die Rosse stehen und harren : wohin ? « - » Wohin ? « rief Arahad auffahrend - » wohin ? Es gibt nur noch Einen Weg : wir wollen ihn gehen . Wo stehen die Byzantiner und der Tod ? « Zweites Kapitel . Am siebenten Tage nach diesen Ereignissen bereitete sich ein glanzvolles Fest auf den Fora und in dem Königspalast zu Ravenna . Die Bürger der Stadt und die Goten aller drei Parteien wogten in gemischten Scharen durch die Straßen und fuhren durch die Lagunenkanäle - denn Ravenna war damals eine Wasserstadt , fast , aber doch nicht ganz , wie heute Venedig - die riesigen Kränze , Blumenbogen und Fahnen zu bewundern , die von allen Zinnen und Dächern niederwehten : denn es galt , die Vermählung des gotischen Königspaares zu feiern . Am frühen Morgen hatte sich das ganze jetzt vereinigte Heer der Goten vor den Toren der Stadt zu feierlicher Volksversammlung geschart . Der König und die Königin erschienen auf milchweißen Rossen : abgestiegen waren sie vor allem Volk unter eine breitschattende Steineiche getreten : dort hatte Witichis seiner Braut die rechte Hand auf das Haupt gelegt : sie aber trat mit dem entblößten linken Fuß in den Goldschuh des Königs . Damit war unter dem Zuruf der Tausende die Ehe nach Volksrecht geschlossen . Darauf bestieg das Paar einen mit grünen Zweigen geschmückten Wagen , der von vier weißen Rindern gezogen ward ; der König schwang die Geißel und sie fuhren , gefolgt von dem Heere , in die Stadt . Dort schloß sich an die halb heidnische , germanische , eine zweite , die christliche Feier : der arianische Bischof erteilte seinen Segen über das Paar in der Basilika Sancti Vitalis und ließ es die Ringe wechseln . Rauthgundens wurde nicht gedacht . Noch war die Kirche nicht mächtig genug , ihre Forderung der Unauflöslichkeit einer kirchlich geschlossenen Ehe überall durchzusetzen : vornehme Römer und vollends Germanen verstießen noch häufig in voller Willkür ihre Frauen . Und wenn gar ein König aus Gründen des Staatswohls und ohne Einspruch der Gattin das gleiche beschloß , erhob sich kein Widerstand . - Aus der Kirche ging der Zug nach dem Palast , in dessen Hallen und Gärten ein großes Festmahl gerüstet war . Das ganze Gotenheer und die ganze Bevölkerung der Stadt fand hier , dann auf den Fora des Herkules und des Honorius und in den nächsten Straßen und Kanälen auf Schiffen , an tausend Tischen reiche Bewirtung , während die Großen des Reiches und die Vornehmen der Stadt mit dem Königspaar in der Gartenrotunde oder in der weiten Trinkhalle , die Theoderich hatte in dem römischen Palast anbringen lassen , tafelten . So wenig die Lage des Landes und des Königs Stimmung zu rauschenden Festen passen mochten - es galt , die Ravennaten mit den Goten und die verschiedenen Parteien der Goten unter sich zu versöhnen : und man hoffte , in Strömen des Festweins die letzten feindseligen Erinnerungen hinwegzuspülen . Am besten übersah man den Königstisch und die festlichen Tafeln , die sich über den weiten Garten und Park verteilten , von dem zum Brautgemach Mataswinthens bestimmten kleinen Gelaß , dessen einziges Fenster auf die Rotunde vor dem Garten und , über den Garten hin , bis auf das Meer ausblicken ließ . In diesem Gemach drei Tage zuvor schon schmückend zu schalten und zu walten , hatte sich Aspa , die Numiderin , als Lohn treuer Dienste ausgebeten