, wo ich Herr bin ? - Nein , Caplan ! Ich gehe nach Hause , morgen - aber sie sollen sich meiner Rückkehr nicht zu freuen haben , sie sollen sehen , daß ich der Herr bin ! Der Caplan versuchte , Einspruch zu thun , des Freiherrn Ansicht umzustimmen , aber es gelang ihm nicht . Ueberzeugung gegen Ueberzeugung ! sagte der Freiherr . Sie folgten Ihrem Gewissen , als Sie sich an den Fürstbischof wandten , ich folge dem meinigen , indem ich mich meines Rechtes bediene , mir selber Recht schaffe , und ich muß der verruchten Rotte zeigen , was sie vor meinem Willen und Belieben gilt ! Aber vor allen Dingen muß ich die Herzogin sehen ! - Und der Thüre zuschreitend , sprach er zu sich selber : Das ist ein schwerer , schwerer Gang ! Neuntes Capitel Der Tod und das gewaltsame Ende ihrer Kammerjungfer erschütterten die Herzogin nicht in dem Grade , in welchem der Freiherr es gefürchtet hatte . Die Revolution mit ihrer Schreckensherrschaft hatte die Menschen ihres Landes hart gewöhnt , und die Herzogin hatte mehr verloren , hatte unter dem Beile der Guillotine zahlreiche Opfer fallen sehen , die einen anderen Anspruch an ihr Herz und an ihr Mitgefühl gehabt , als ihre Dienerin , wie sehr dieselbe ihr auch ergeben und bequem gewesen war . Hätte die Herzogin sich in Richten befunden , hätte sie heute die Dienste von Mademoiselle Lise empfangen und sie morgen entbehren , morgen mühsam einen Ersatz für sie suchen müssen , so würde sie ihren Verlust schmerzlicher bedauert haben und von dem Ereignisse mehr ergriffen worden sein . So aber übte die Entfernung ihre abschwächende Kraft . Die Herzogin hatte daneben die Bemerkung gemacht , daß die junge Kammerjungfer der Baronin eben so brauchbar und weniger launenhaft als die alte Mademoiselle Lise sei , und die Herzogin machte niemals einen unnützen Gefühlsaufwand , wo sie nicht etwas Bestimmtes damit zu erreichen dachte . Sie nannte die Todte ein Opfer ihres frommen Glaubens , eine arme Martyrin , und kaum hatte sie diese Bezeichnung für sie gefunden , als sie dieselbe mit so viel Leichtigkeit handhabte , als wäre es der Eigenname der Erschlagenen gewesen . Sie war mit jedem Ereignisse fertig , sobald sie die Form gefunden hatte , in der sie es betrachten und den Anderen darstellen wollte , und wichtiger als alles Uebrige war ihr jetzt die Frage , ob sie den Freiherrn nach Richten begleiten oder in der Stadt zurückbleiben solle , um erst mit Angelika nach deren erfolgter Herstellung auf das Land zu gehen . Daß man der Kranken den Vorfall in Richten verbergen müsse , verstand sich von selbst . Indeß für die plötzlich beschlossene Abreise des Freiherrn mußte man ihr doch Gründe angeben , und während man überlegte , was man ihr sagen sollte , ging die Herzogin mit sich selbst zu Rathe . Angelika hatte seit ihrem Erkranken sich weniger als sonst die Mühe genommen , den Anschein eines guten Einvernehmens zwischen sich und ihrem Gaste aufrecht zu erhalten . Die Frauen sahen sich oft in mehreren Tagen nicht ; wenn die Herzogin sich entfernte , wurde also in ihrem Verhältnisse zur Baronin nicht eben viel verändert . Sie hatte neben ihr nicht zu gewinnen und nicht zu verlieren , aber dem Freiherrn konnte sie ihre Freundschaft beweisen , wenn sie sich erbot , ihn in einem Augenblicke zu begleiten , in welchem widerwärtige Ereignisse und unangenehme Pflichten ihn in Anspruch nahmen . Während er es noch mit gewohnter Rücksicht überdachte , wie er in seiner Abwesenheit am besten für das Behagen der Herzogin sorgen könne , hatte diese ihren Entschluß gefaßt , und sanft ihre Hand auf seinen Arm legend , sagte sie : Heute , mein Freund , behandeln Sie mich nicht nach meiner Würde , denn nicht nur in der Ehe , auch in der Freundschaft verbindet man sich für gute und für üble Tage . Sie können nicht glauben , daß ich hier verweilen werde , wo ich Niemandem von Nutzen bin , und daß ich Sie allein nach Richten gehen lasse , wo es mir vielleicht doch hier und da gelingt , Ihnen mit meinem Geplauder über eine verdrießliche Stunde fortzuhelfen , und wo Sie an mir wenigstens eine verständnißvolle Zuhörerin besitzen , wenn Sie sich zu irgend welchen Mittheilungen aufgelegt fühlen . Das muß feststehen unter uns , daß ich Sie jetzt begleite , und ich meine , auch unsere Kranke wird den Caplan ruhiger bei sich behalten , wenn sie weiß , daß Sie , mein Freund , deßhalb nicht ohne Gesellschaft bleiben müssen . Der Freiherr , der wie gar viele Menschen jedes Opfer , welches ihm die Seinigen brachten , als selbstverständlich ansah , aber die geringste Gefälligkeit , welche ihm von Fremden bewiesen ward , hoch anzuschlagen liebte , weil er darin eine doppelte Befriedigung seiner Eitelkeit fand , nahm das Anerbieten der Herzogin mit warmer Erkenntlichkeit auf und an , und nachdem man sich über diesen einen Punkt verständigt hatte , legte alles Uebrige sich leicht zurecht . Man sagte der Baronin , daß eine schwere Krankheit von Mademoiselle Lise den Caplan so lange in Richten zurückgehalten habe , daß die Kranke nach der Herzogin verlange , und daß diese sich bewogen fühle , den Wunsch ihrer vieljährigen Dienerin zu erfüllen . Allein reisen konnte man die Herzogin nicht lassen , und da der Caplan eben erst angekommen , der Freiherr aber lange von Richten entfernt war , so lag es nahe , daß der Letztere die Herzogin nach Hause geleitete und daß er den Vorschlag that , auch Renatus mit sich zu nehmen , für welchen man den Aufenthalt in der Stadt bei der heißen Jahreszeit nicht vortheilhaft glaubte . Die Baronin zeigte sich mit dieser Einrichtung einverstanden , ja , sie selber machte den Vorschlag , der Herzogin ihre Kammerjungfer ein für alle Mal abzutreten , da sie sich künftig von Mamsell