, voll Anstrengung und Nüchternheit gibt meinem Herzen auch nicht einen einzigen rascheren Schlag . « » Das begreift sich ! « sagte Regina . » Das Menschenherz ist ein goldener Kelch , den Gott mit Opferwein gefüllt haben will . Soll er den schalen Wein der täglichen Mahlzeit oder der irdischen Feste aufnehmen , so entspricht er nicht seiner Bestimmung . Er wird entweiht - und das Herz , das ein lebendiger Kelch ist , wendet sich ab von der Entweihung - wenn es sie begreift - und bleibt lieber leer . Weißt Du wohl , daß dies eine große Gnade ist ? « » Zu der Erkenntnis hab ' ich es noch nicht gebracht , « antwortete Uriel mit einem Anflug von Bitterkeit . » Der Trank aus trüben Cisternen genügt Dir nicht ; aber Du verschmachtest , « entgegnete Regina . » Nun wohlan , Uriel ! wende Dich zu den Wassern des ewigen Lebens , wende Dich zu dem Born , aus dem sie in unergründlicher Fülle strömen . Durchschweife nicht länger den Erdball . Geh ' in das erste beste Kirchlein , knie nieder vor dem Tabernakel . Sieh ! dort in dem engen , dunkeln , kleinen Raum , dort wohnt der , der einzige , welcher größer ist , als Dein Herz und folglich dessen Leere füllt . Dann hast Du , was Du brauchst , was Du ersehnst , was Dir genügt . Meinst Du , daß uns die Klostermauern und die enge Zelle süßer wären , als das liebe Vaterhaus , wenn Er nicht im Tabernakel unter uns wohnte ? Er ist der göttliche Magnet , der uns fesselt ! er ist der himmlische Kompaß , der unseren Weg bestimmt . Der geheimnisvolle Gott im Tabernakel ist die Vervollständigung des Jesukindchens in der Krippe und des bittern Leidens auf Golgatha : so liebt uns Gott - der König der Ewigkeit . Wer das erkennt , dem wird eine namenlose Seligkeit das Herz durchfluten , so geliebt zu sein . Dann werden sich die Fluten senken und das Herz in seiner eigenen Armseligkeit zurücklassen und traurig wird es sprechen : Ach Herr ! zu lieben verstehe ich dich nicht , dazu bin ich zu gering ! aber dienen will ich dir alle Tage meines Lebens bis zum letzten Atemzug auf dem stillen langen Kreuzweg von Bethlehem bis zum Tabernakel . Und dann sei versichert , Uriel , Du hast den gefunden , der Dein Herz erfüllt . In der Enge , in der Stille , in der Abgeschiedenheit begegnest Du dem Gott , den Du auf Deinen Weltfahrten nicht begegnet bist . « » Regina ! Regina ! « rief Uriel , » in diese Enge , in diese Stille muß man ein wunderbar reines und friedliches Herz bringen ; sonst reibt es sich auf . « » Ach ! « sagte sie , » es bringt jeder sein elendes Herz mit , das unruhig ist , weil es in menschlicher Brust schlägt . Beginnt nur erst seine stille Kreuzigung durch die praktische Ausübung der evangelischen Räte , so wird es nach und nach gefriedigt . Jeder hat seine Kämpfe zu bestehen , seine Versuchungen zu überwinden , in seinen Prüfungen sich zu läutern .. « » Und das alles ohne das erleichternde Gegengewicht großer Tätigkeit ! « » Ach , Uriel , wir haben hier mehr zu tun , als je die Tante Isabelle , Corona und ich auf Windeck zu tun hatten . « » Ist Gebet - Tat ? « fragte er . » Meinst Du nicht ? « fragte sie zurück . » In stiller Nacht geht der göttliche Heiland in die Einsamkeit der Berge und betet für die sieche Menschheit . Ist das weniger Tat , als wenn er am Tage ihre Gebrechen heilt ? In stiller Nacht kniet Franziskus , der seraphische , vor einem Kruzifix und betet : Mein Gott und mein Alles . Das war vielleicht mehr Tat , als seine ergreifendsten Predigten , durch die er Tausende zur Buße bekehrte . Das Gebet ist eine ungeheuere Tat , Uriel , ist das Fundament von allem , was auf Erden zur Ehre Gottes und zum Heil der Seelen geschieht . Nur setzt sie , statt der Hände und Füße , die höchsten geistigen Kräfte in Bewegung . Sie ist der Atemzug des Gedankenlebens . Die Wissenschaft mit ihren Entdeckungen und Erforschungen , die von so unberechenbarem Einfluß auf die Menschheit sind , wirkt in der Sphäre des Verstandes etwa so , wie das Gebet in der höheren und umfassenderen geistigen Sphäre : sie erfindet , was andere ausführen . Das Gebet lenkt und unterstützt , was anderen frommt . Am jüngsten Tage wird es dereinst offenbar werden , was wir dem Gebet frommer Seelen zu danken haben . Unser Gebet hier ist nun freilich zu gering , um große Erfolge zu haben . Wir sind sehr unvollkommen und gehören nicht zu jenen Lieblingen Gottes , deren Bitten und Wünsche er gern hört und gern erfüllt . Wir sind jedoch in äußerer Praxis auch nicht so untätig , wie Du zu glauben scheinst ! In einer armen Familie hat jedes Mitglied das Seine zur Erhaltung des Hauswesens beizutragen , der eine verrichtet dies und der andere jenes . Wir bilden eine arme Familie mit einer geistlichen Mutter und zwölf Töchtern . Die Zahl ist festgesetzt zu Ehren des göttlichen Meisters und seiner heiligen Apostel . Sie ist groß genug , um allen Verpflichtungen nachzukommen ; sie ist klein genug , um ohne Lärm und Tumult das stille Grottenleben des Karmels führen zu können . Die eine hat die Haushaltung zu besorgen , die andere die Bedürfnisse der Sakristei . Die dritte ist Krankenwärterin , die vierte spielt die Orgel und leitet den Gesang . Alle stehen auf zum gemeinsamen nächtlichen Chor und beten die Horen zu den bestimmten kanonischen Stunden . Ist das nicht alles eine höchst geziemende Beschäftigung ? in stiller Zurückgezogenheit , die