und dadurch die ganze Gegend von diesem Gesindel reinigen wolle , sondern auch , da er gehöret , daß seine Herzogliche Durchlaucht in der Retour aus der letzten Campagne durch Mergenthal passiren werden , er sich zu dem Ende in dem Orth begeben habe , um sich Höchstdemeselben zu Füßen zu werffen , sich zu erkennen zu geben und um Gnade zu bitten ; Weil aber Seine Durchlaucht die Stadt nicht passiret , so seye ihm die Gelegenheit dazu abgeschnitten worden . - Q. 2. Ob seine beede Eltern noch im Leben ? R. Sein Vatter sey noch im Leben , und ohngefähr 75 Jahr alt , seine rechte Mutter aber schon vor 15 Jahren gestorben ; Nach ihrem Tod habe sich sein Vatter wiederum an eine Frau verheurathet , die wenig Liebe vor ihne und seine Geschwistrigte bezeugt , sehr böß und vortheilhaftig , und eben deßwegen viel daran schuld gewesen seye , daß , da er sich in ihren Kopf nicht schicken können , ein Excess aus dem andern bei ihm darüber entstanden , und er zuletzt auf die unglückseligste Abwege gerathen . - Daß vorstehende Aussage auf beschehenes Vorleßen von dem Inquisiten nochmalen bestätiget worden , Ein solches bezeugen die Urkunds-Persohnen : Matheus Brecht , Joseph Luypoldt . « Der wichtige Fang wurde von dem Oberamtmann sogleich untertänigst einberichtet und , da nach wenigen Tagen die Resolution einlief , daß die Untersuchung in Vaihingen , als in foro deprehensionis , geführt werden solle , mit derselben fortgefahren . So war denn der Verbrecher aus verlorener gesellschaftlicher Stellung nach kaum dreijähriger Laufbahn ein lebensmüder Gefangener und Verräter seiner Mitschuldigen geworden . Dieser letztere Zug darf am wenigsten übergangen werden , denn es handelt sich hier nicht darum , durch den Aufputz eines Helden der Vorstellung des Lesers zu schmeicheln , sondern die innere Welt eines Menschen aus dem Volke darzulegen , damit , wer da will , sich daran spiegeln möge . Zum Glück ist das Protokoll des Oberamtmanns von Vaihingen nicht die einzige Quelle hiefür . Er war , im Geiste seiner Zeit , ein gewissenhafter Beamter , persönlich ein Menschenfreund und Ehrenmann , dessen Nachkommen noch heute stolz darauf sind , daß er nicht wie fast alle Regierungsdiener um ihn her , seine Stelle vom Herzog erkauft habe , sondern eher den Dienst aufgegeben als sich zum » Schatullieren « erniedrigt haben würde ; aber eine innerliche Auffassung des Lebensbildes , das die Untersuchung vor ihm entrollte , in den Akten niederzulegen , war nicht seines Amtes , und gleich das erste Protokoll zeigt , daß er Inquirent genug war , sich das überraschend freiwillige Entgegenkommen seines Gefangenen - dem er nicht so leicht beigekommen wäre , wenn dieser nicht selbst , gebrochenen Gemüts , ihm seine Seele in die Hände gelegt hätte - nach den Quadrangeln des Inquisitionsprozesses zurecht zu machen ; ein Verfahren freilich , das ihm weniger als seiner Zeit und seinem Amte angehört . Der Oberamtmann hatte einen Sohn , der den Verbrecher täglich , wenn er ins Verhör geführt wurde , sah , die allgemeine Teilnahme der Stadt an den vielen freundlichen Seiten im Wesen des Unglücklichen mitempfand und sich häufig mit ihm unterhielt . Die Familiensage erzählt von ihm , daß er schon als Knabe , wie später noch im Mannesalter , für Cato und Brutus , als die größten Männer , geschwärmt habe . Aus dem Munde dieses Knaben erfuhr der gefallene Sohn des Volkes ohne Zweifel zum erstenmal in seinem Leben , daß es in der Geschichte Bürger gegeben habe , welche die Retter oder Verderber ihres Vaterlandes wurden . Als der Knabe ein Mann geworden war und an der hohen Schule seines Herzogs junge Männer bilden half , erinnerte er sich des armen Friedrich Schwan und zeichnete nach der Erinnerung seine Geschichte auf , wie er sie aus seinem Munde und aus der Nacherzählung erwachsener Männer vernommen hatte . Seine römischen Helden schwebten ihm auch bei dieser Aufzeichnung vor , und er beginnt die ersten Zeilen derselben mit den Worten , der junge Friedrich sei mit außerordentlichen Anlagen des Geistes ausgestattet gewesen , habe den Keim jeder großen Tugend und jedes großen Lasters in sich getragen , und nur von der äußerlichen Lage habe es abgehangen , ob er Brutus oder Catilina werden sollte . Ach , die äußerliche Lage war , wie auch die Umstände beschaffen sein mochten , jedenfalls von der Art , daß er das eine wie das andere nur in sehr beschränktem Sinne werden konnte . Auch in anderen Dingen ist diese Geschichte nach dem mangelhaften Geist und Geschmack der Zeit geschrieben ; doch verhält sie sich zu den Akten wie ein farbiges Gemälde zu einem grauen Umriß ; und nur aus beiden zusammen ist es möglich , ein Bild von den letzten Lebensjahren des verlorenen Sohnes von Ebersbach zu geben . Der scharfsinnige Plan , der an der Waldecke bei Wäschenbeuren gefaßt wurde , war nur sehr unvollkommen ausgeführt worden . Das Sprichwort , daß nicht alles Gold ist , was glänzt , hatte sich auch bei dem Eintritte Schwans in die Genossenschaft der Gauner bewährt . Es ist nicht wahr , daß die Spitzbuben ehrlich gegeneinander sind und daß sich auf diese Eigenschaft eine feste gesellige Ordnung unter ihnen gründen ließe . Neid , gegenseitiger Betrug und nie ruhender Verdacht , selbst unter Verwandten , verbitterten ihm das von Hause aus arglose Gemüt gegen diese neue Welt bald noch stärker als gegen die alte , die ihn ausgestoßen hatte . Er zog meist mit der schwarzen Christine , die er sich beigesellte , allein in den Landen umher . Dieses ungewöhnliche Weib , von welcher der Geschichtschreiber » eines Räubers « und » einer Räuberin « sagt , sie habe alle Gaben der Natur in reichem Maße besessen und mit einer sehr schönen Körperbildung eine große Tätigkeit und Anlage des Geistes verbunden , hing an ihm mit einer Leidenschaft , wie sie die alten Sagen jenen Hünenweibern beilegen ; aber sie