man auch an zukünftige Kinder gedacht , und sollten diese von der ganzen Familie ebenfalls mitgebracht werden . Nun aber beschränkte sich die Nachkommenschaft auf die beiden Sprößlinge des Doktors , welche wohl in den ersten Jahren erschienen , dann aber wegbleiben mußten , weil es , wie Marianne versicherte , ihren Mann , den Herrn Alfons , nie so schmerzlich berühre , daß er selbst keine Nachkommen habe , wie an diesem Abend , wo er die Lust und das Vergnügen der anderen mit ansehen müsse . Der Doktorin war es schon recht , daß sie ihre Kinder nicht mehr mitzubringen brauchte , denn hiedurch hatte sie nun auch zuweilen einen Vorwand , um zu Hause bleiben zu können . Daß durch diese Maßregel die Weihnachtsabende im Hause des Kommerzienraths an großer Heiterkeit gewonnen , wollen wir gerade nicht behaupten . - Im Gegentheil ! Die lustigen Kinderstimmen hatten anfangs doch einige Abwechslung in die feierliche und manchmal frostige Unterhaltung gebracht . Die alte Räthin , welche die ganze Bescheerung , wie überhaupt fast Alles im Hause , leitete , ließ für jedes ihrer Kinder - darunter war diesmal auch der Schwiegersohn verstanden - einen sehr hübschen Baum machen , vor welchem ein Tischchen stand , worauf die Geschenke ausgebreitet waren . Diese Bescheerung wurde im Wohnzimmer der Räthin abgehalten , und wenn Alles bereit war , so setzte sie sich in ihre Sophaecke , läutete nach einiger Zeit mit der Klingel , der Bediente öffnete die Thüre und die Kinder traten herein . Der Kommerzienrath zählte sich an solchen Abenden auch mit darunter , und er war es in der That allein , der seine Freude noch mit einem gewissen Anflug von Kindlichkeit kundgab . Gewöhnlich blieb er wie geblendet unter der Thüre stehen , und rief fast jedesmal aus : » Ah ! das übertrifft heute alle früheren Jahre ! - unbedingt alle früheren Jahre ! Mama , du hast wahrhaft verschwendet in vergoldeten Nüssen und Wachskerzen . - Kinder , « fuhr er dann lustig fort , nachdem er seiner Frau dem Herkommen gemäß zuerst die Hand geküßt , » bedankt euch bei Mama , denn die Tische scheinen mir sehr schön besetzt zu sein . « Jedes wußte , wo sein Platz war , und nachdem alle dort die meistens sehr schönen Sachen flüchtig übersehen , folgten sie dem Beispiel von Papa und küßten der Kommerzienräthin ebenfalls die Hand . Die Bescheerungen bestanden für die Damen aus schweren seidenen Stoffen zu Kleidern und Mänteln , oder aus kostbaren Schmucksachen , aus bisher noch fehlenden Stücken zum Silbergeschirr , aus einem Fußteppich , aus Bronzegegenständen aller Art oder aus Stickereien . Letzterer Artikel aber wurde von Jahr zu Jahr seltener . Arthur , als der Jüngste , erschien natürlicherweise auch zuletzt , um Mama die Hand zu küssen , doch blickte die Räthin , als er heute vor sie hintrat , wie unabsichtlich in den leeren Raum hinaus , und mit ihrer Hand , statt sie dem Sohne darzureichen , faßte sie das Sacktuch und führte es an die Lippen , da sie gerade leicht hustete . Der Maler ließ sich aber durch dieses Zeichen einer fortdauernden Ungnade nicht abschrecken , sondern wartete geduldig eine ziemliche Zeit , bis Hand und Sacktuch wieder auf dem Tische ankamen , dann ergriff er Beides zugleich und drückte seine Lippen auf die Hand der Mutter . Die Räthin warf ihm dabei einen Blick zu , der nicht übermäßig freundlich war , aber auch nicht mehr so finster und zornig , wie er es in den letzten Tagen nach jener unglückseligen Probe der lebenden Bilder gewohnt war . » So ist ' s recht , Mama , « flüsterte der Kommerzienrath seiner Frau über die Schultern zu , » laß den Groll fahren ; man kann doch nicht immer so fort machen ; und gewiß hat Arthur sein Unrecht eingesehen . « Die Räthin hob ihren Kopf etwas empor , die spitze Nase und die grauen Augen wandten sich ziemlich drohend gegen den Gemahl , als sie erwiderte : » Das Letzte kann ich nicht glauben , denn wenn Jemanden seine Handlungsweise leid ist , so thut man Schritte , um sein Unrecht wieder gut zu machen . Und das hat Arthur nicht gethan . « » Aber Mama ließen mich ja seit jenem Tage nie über diese Angelegenheit zu Worte kommen , so oft ich das auch versuchte , « versetzte der Maler . » Sie wünschen ja beständig , ich solle darüber schweigen . « » Allerdings wünschte ich das , « antwortete die Räthin , » denn alle deine Reden , die du an mich hieltest , zielten darauf hin , gegen mich den Beweis zu führen , daß du doch nicht so Unrecht gehabt und daß ich die Sache zu ernst genommen . - In solchen Fällen aber , « fuhr sie strenger fort , » besonders wo es den Anstand des Hauses betrifft , den ich nie ungestraft verletzen lasse , verlange ich , wenn dies doch einmal geschehen , daß man rückhaltslos sein Unrecht einsehe . « » Ja , ja , Arthur , « nahm der Kommerzienrath das Wort , » und daß man sich alsdann auf Gnade und Ungnade ergibt . « Die Räthin trommelte leise auf den Tisch , und ihre Blicke schweiften mit außerordentlicher Majestät durch das Zimmer . » Du aber hast kapituliren wollen und sogar Bedingungen vorgeschrieben , « bemerkte Herr Alfons lachend . » Mama war so gütig , dich für den begangenen faux pas nicht sogleich vor der ganzen Gesellschaft bloßzustellen , nun aber hättest du nach der Probe die Angelegenheit mit deiner schönen Doktorin bestens arrangiren sollen . « » Das konnte ich nicht , « sagte Arthur bestimmt ; » ich mag Niemanden , am allerwenigsten meine besten Freunde , vor den Kopf stoßen . Bin ich voreilig gewesen , so thut es mir leid ; aber wenn Mama die lebenden Bilder zur Ausführung