welche zusammen ein Ganzes bilden sollen , ist es ein wahres Glück , wenn sie untereinander sich etwas aufzurücken und zu sticheln haben ; denn wie durch alle Welt und Natur bindet auch da die Verschiedenheit und Mannigfaltigkeit , und das Ungleiche und doch Verwandte hält besser zusammen ; aber es muß Gemüt und Verstand in dem Scherzkampfe sein und dieser zutreffend auf das wahre Wesen der Gegensätze . Das , was die Nord- und Süddeutschen sich vorwerfen , ist tödlich beleidigend , indem diese jenen das Herz , jene aber diesen den Verstand absprechen , und zugleich kann es keine unbegründetere und unbegreiflichere Tradition und Meinung geben , die nur von wenigen der tüchtigsten Männer beider Hälften nicht geteilt wird . Wo im Norden wahrer Geist ist , da ist immer und zuverlässig auch Gemüt , wo im Süden wahres Gemüt , da auch Geist . Es gibt in Norddeutschland Unwissende und Strohköpfe unter den Gebildeten und in Süddeutschland unter den Bauern Witzbolde und Spekulanten . Wenn nun die drei so oft hören mußten , wie die Nordmänner die Süddeutschen für einfältige Leutchen , für eine Art gemütlicher Duseler ausgaben , und diese ihre nordischen Brüder hinter dem Rücken anmaßende Schwätzer und unerträgliche Prahlhänse schalten , so schnitt ihnen dies widerliche Schauspiel ins Herz , weil sie gekommen waren , den Herd des guten lebendigen deutschen Geistes zu finden , und nun eine große Waschküche voll unnützen Geplauders zu sehen glaubten . Wie es Fremdlingen oft zu ergehen pflegt , welche in einem Lande oder in einer Stadt im Genusse des Gastrechtes zusammentreffen , daß sie , dasselbe übel vergeltend , Geist und Sitten , welche sie vorfinden , mit der entfernten Heimat vergleichen und sich in gemeinsamem Tadel auf Kosten des gastlichen Landes einigen , übertrieben auch die drei Freunde vielfach ihren Tadel , nachdem sie einmal den Schmerz einer großen Enttäuschung empfunden zu haben glaubten , und sie redeten sich oft in einen großen Zorn hinein und sagten Deutschland feierlich ab . Erikson sagte , er wolle seiner Zwitternatur ein Ende machen und ein guter Däne werden ; Lys behauptete , man müsse an den Deutschen ihr Großes und Eigentümliches benutzen und sich im übrigen nichts um sie bekümmern ; nur der grüne Heinrich hing mit seinem ganzen Herzen an Deutschland . Er schmähte es zwar auch mit dem Munde und sprach vielleicht noch Stärkeres als die anderen ; er sagte , da er vor allem aus Schweizer sei , wünsche er manchmal ein Welscher zu sein , um nicht mehr deutsch denken zu müssen , und er sei beinahe versucht , französisch schreiben und denken zu lernen . Aber gerade weil es ihm hiemit bitterer Ernst war und mehr als den Freunden , war auch sein Verdruß tiefer und gründlicher . In der Sprache , mit der man geboren , welche die Väter gesprochen , denkt man sein ganzes Leben lang , so fertig man eine andere spricht ; und dies anders zu wünschen , die Sprache , in der man sein Geheimstes denkt , vergessen zu wollen , zeigt , wie tief man getroffen ist und wie sehr man gerade diese Sprache liebt . Aber dessenungeachtet ward er mit jedem Tage träumerischer und deutscher und baute alle Hoffnungen auf das Deutsche ; denn seit er in Deutschland war , hatte er die Krankheit überkommen , aller Einsicht zum Trotz das Gegenteil von dem zu tun , was er sprach und Theorie und Praxis himmelweit voneinander zu trennen . Fünftes Kapitel Die beste Gelegenheit , ihren Unmut und Groll zu vergessen und sich wenigstens an dem heraufbeschworenen Glanze frühe rer deutscher Herrlichkeit zu erheitern , fanden sie , als die ganze reichgeartete Künstlerschaft sich zusammentat , um in einem großen Schau-und Festzuge für die kommende Faschingszeit ein Bild untergegangener Reichsherrlichkeit zu schaffen ; denn es war ein wirkliches Schaffen , nicht mittelst Leinwand , Pinsel , Stein und Hammer , sondern wo man die eigene Person als Stoff ein setzte und in vielhundertfältigem Zusammentun jeder ein lebendiger Teil des Ganzen war und das Leben des Ganzen in jedem einzelnen pulsierte , von Auge zu Auge strahlte und eine kurze Nacht sich selber zur Wirklichkeit träumte . Es sollte das alte Nürnberg wiederauferweckt werden , wie es wenigstens in beweglichen Menschengestalten sich darstellen konnte und wie es zu der Zeit war , als der letzte Ritter , Kaiser Maximilian I. , in ihm Festtage feierte und seinen besten Sohn , Albrecht Dürer , mit Ehren und Wappen bekleidete . In einem einzelnen Kopfe entstanden , wurde die Idee sogleich von achthundert Männern und Jünglingen , Kunstbeflissenen aller Grade , aufgenommen und als tüchtiger Handwerksstoff ausgearbeitet , geschmiedet und ausgefeilt , als ob es gälte , ein Werk für die Nachwelt zu schaffen . Das Vollkommene hat in dem Augenblicke seinen ganzen Wert , wo es geworden ist , und in diesem Augenblicke liegt eine Ewigkeit , welche durch eine Dauer von Jahren nur weggespottet wird ; die Künstler empfanden daher in der sachgerechten und allseitigen Vorbereitung eine anhaltend wachsende Lust und Geselligkeit , welche wohl von der Freude der eigentlichen Feststunden überboten wurde , aber in der Erinnerung endlich der hellere und deutlichere Teil vom Ganzen blieb . Der große Festzug zerfiel in drei einzelne Hauptzüge , von denen der erste die nürnbergische Bürger- , Kunst- und Gewerbswelt , der zweite den Kaiser mit Reichsrittern und Helden und der dritte einen mittelalterlichen Mummenschanz umfaßte , wie von der reichen Stadt dem gekrönten Gast etwa gegeben wurde . In diesem letzten Teile , welcher recht eigentlich ein Traum im Traume genannt werden konnte , in welchem die in historische Vergangenheit sich Zurückträumenden mit den Sinnen dieser Vergangenheit das Märchen und die Sage schauten , hatten die drei Freunde ihren Raum gewählt , um als verdoppelte Phantasiegebilde dem Phantasiebilde der gestorbenen Reichsherrlichkeit vorzutanzen . Die Töchter , Schwestern und Bräute vieler Künstler hatten sich artig und froh ergeben , dem lebendigen Kunstwerke zum höchsten Schmucke zu gereichen , in