treuen Dienste und , um es nur hinzuzufügen , noch einen Vorschub , den er in seiner eignen Familie besaß . Wandstabler hatte drei Töchter , die , von nicht unangenehmem Äußern , Eine die Andere so in Jahren ablösten , daß immer , wenn die Eine verblüht war , die Andre gleichsam an ihrem Stamme frisch aufschoß . Die drei Demoiselles Wandstabler spielten eine sehr einflußreiche Rolle in der Lebensgeschichte des alten Fürsten Waldemar . Sie regierten das Haus und fast Alles , was dem Fürsten nach seiner Überschuldung an eigner freier Disposition übrig blieb . Die drei Demoiselles Wandstabler waren jetzt sechsunddreißig , dreißig und vierundzwanzig Jahre alt , hießen Florentine , Doris und Laura , wurden aber der Kürze und Harmonie wegen : Florette , Dorette und Lorette genannt , oder wie sie der Fürst nannte : die Flore , die Dore und die Lore . Darin waren sie fast eine einzige Person , daß ihnen die ganze ausübende Gewalt der Hohenberg ' schen innern Angelegenheiten gehörte . Wodurch sie diesen Einfluß errangen , wodurch sie ihn behaupteten , ist kein Geheimniß . Der Fürst hatte einen Kammerdiener vor der Welt , aber keinen in seinem nähern Bedürfniß . Er hatte nur Bediente , die die äußern gröbern Arbeiten verrichteten . Man sagte aber , daß eben die Demoiselles Wandstabler beim alten Fürsten die wahren Kammerdienerdienste verrichteten und daß er ohne sie nicht gehen , stehen , essen , trinken u.s.w. konnte . Jede Handreichung von Morgens in der Frühe den Bädern und dem Frühstück an bis Abends , wenn er von den Spiel- oder Trinkabenden heimkehrte , leisteten weibliche Hände unter oberer Leitung der Demoiselles Wandstabler . Der Fürst ist dahingegangen ... Wir kennen das Folgende ... Sein Erbe scheint eingezogen und wird jetzt als krank gemeldet , krank nach einem kurzen Ausfluge , den er , man ahnte nur wohin , kurz nach seiner Ankunft aus Paris gemacht hatte . Zitterten über ein Dutzend Menschen für ihre Zukunft , als der alte Generalfeldmarschall die Augen schloß , erwarteten sie im bangen Vorgefühl , was ihnen von einem als wunderlich und launenhaft bekannten jungen Manne bevorstehen würde , so mußte ihnen jetzt , da dieser so plötzlich erkrankte , vollends bange werden über eine Zukunft , die der Fürst beim besten Willen nicht sichern konnte , da er keine Mittel dafür besaß . Der alte Wandstabler verlor gleich nach dem Tode des Fürsten den schon immer schwachen Kopf . Vormittags nur war er sonst gewohnt , ihn noch einigermaßen zu gebrauchen , Nachmittags schlief er und gegen Abend folgte er dem Beispiele seines Herrn und ergab sich allen nur möglichen schlimmen gebrannten Geistern . Er war dick und schwammig , hatte eine fürchterliche Röthe im Gesicht und wichste sich seinen martialischen Schnurrbart mit dem besten nur aufzutreibenden ungrischen Firniß . Der Contrast dieser dicken Figur und des schwammigen , schwarzbärtigen , weißhaarigen Kopfes zu dem schwarzen Frack und den kurzen , engen Beinkleidern und weißen Strümpfen , die er tragen mußte , war sehr barock . Er sollte den Haushofmeister spielen und stand kaum auf der Stufe des Portiers . Wenn ihn nicht seine drei Töchter gehalten hätten , er würde sich in dieser noblen Stellung nicht haben behaupten können . Diese aber dachten statt seiner , ordneten und regierten statt seiner und sowie er eine an ihn gerichtete Frage nach einem brummischen Räuspern nicht beantworten konnte , rief er eine seiner -oren oder -etten zu Hülfe , die Dore , die Flore oder die Lorette und ließ den Fall entscheiden ... sie waren alle auf dieselben Dinge abgerichtet und leisteten in jedem das Mögliche . Seit drei Monaten war Wandstabler nicht aus der Rührung herausgekommen . Seine ohnehin sehr leicht thränenden Augen flossen bei jeder noch so leisen Berührung an die gefährlichen Fragezeichen seines künftigen Schicksals . Der junge Prinz war ihm von früher nur ziemlich flüchtig erinnerlich . Er ahnte , daß er von seinem Leben nicht vielen Vortheil haben würde , wußte aber auch , da er nun heftig erkrankt war , daß mit seinem Tode vollends jede Hoffnung schwand . Die Töchter waren nicht minder erschrocken . Den jungen neuen Herrn hatten sie eigentlich kaum noch gesehen , und Anfangs auch noch nicht recht fürchten wollen . Alle weiblichen Dienstboten des Hauses , die unter dem alten Fürsten trotz ihrer eignen großen Geltung doch immer jung und gefällig sein mußten , waren zwar rasch abgeschafft worden , aber .. Lorette , die Vierundzwanzigjährige , hatte eine schöne Gestalt , eine gewisse Anmuth , ja sogar die Dreißigjährige , Dorette Wandstabler , konnte unter gewissen Umständen sich zutrauen , wenn auch keinen Eindruck , doch sich gefällig , angenehm , beliebt zu machen . Frauen fürchten sich vor Männern nie . Und so hofften Flore , Dore , Lore auch hier schon fertig zu werden .. nun aber wurde der Prinz krank und die Ärzte machten die bedenklichsten Mienen .. Sie sprachen vom Nervenfieber .. einer Krankheit mit so tückischen Möglichkeiten . In der schönen Wohnung , die Wandstabler im Parterre rechter Hand inne hatte , saßen Dorette und Lorette am Fenster auf einem Tritt und richteten ihr Auge bald auf die Wägen zweier Ärzte , die vorm Hause standen , bald auf einen würdigen hohen , stattlichen Mann , der in Begleitung eines schönen Knaben auf einem Sopha saß und mit ernster , fast trauriger Miene die Bilder an den Wänden musterte . Es waren dies Ackermann und Selmar . Sie hatten in der That bei Schlurck in aller Frühe einen Besuch gemacht , waren von ihm in das Palais des Prinzen beschieden worden , wo er ihnen auf Ackermann ' s überraschenden Antrag , die Hohenberg ' schen sämmtlichen Güter in Pachtung zu nehmen , Bescheid geben wollte . Nun saßen sie schon eine Stunde und harrten .. und erfuhren , daß Prinz Egon von einer Reise krank zurückgekehrt war .. Die Ärzte waren am Lager des jungen Prinzen , sie