aufnehmt . Martell allein wird mir Rechenschaft ablegen . Seid Ihr damit zufrieden ? « Die Spinner murmelten unverständliche Worte . » Ja oder nein ! « rief Adrian herrisch . » Weigert Ihr Euch nur noch minutenlang , so entlasse ich Euch in Masse und suche mir andere Arbeiter . Die Fabrik gehört mir , das Geld ist mein , ich kann Arbeit geben , wem ich will , und diese Arbeit bezahlen , wie ich will . Wem das nicht ansteht , der gehe in Gottes Namen seiner Wege . Ich halte Keinen . - Trotzen aber lasse ich mir nicht , am wenigsten von Leuten , die ich erhalte . Und ehe ich nur um eines Haares Breite von meinem Vorsatze abweiche , soll meinenthalb das Werk vierzehn Tage still stehn ! Gehorsam will und befehle ich ! Dem blind Gehorchenden werd ' ich ein gütiger Herr sein ! - Jetzt geht ! « Diese Antwort war ein Donnerschlag für die armen Spinner . Mit gesenktem Haupt standen sie vor dem allgewaltigen Herrn , nicht wissend , was sie ihm antworten , wozu sie sich entschließen sollten . Da erhob . sich von außen ein lautes Geschrei , das immer heftiger wurde und schnell dem Hause näher kam . Adrian verfärbte sich und ließ einen langen Blick durchs Fenster fallen . Ueber den See der jetzt vom Nebel frei war , kam die Fähre , mit Menschen und Waarenballen belastet . Einige Kähne mit Frauen und Mädchen hatten theils grade angelegt , theils waren sie im Landen begriffen . Aus dem mehrmals sich wiederholenden Geschrei konnte man deutlich eine klagende Frauenstimme unterscheiden . Sie kam näher und näher . Ein Rudel Menschen drängten zur Thür , die Stimme erklang im Hause selbst . Vollbrecht öffnete die Saalthür . Ein bleiches Weib , kümmerlich in leichte Kleidung gehüllt , mit verworrenem , flatterndem Haar , ohne Kopf- und Brusttuch , nacktarmig und mit einem Wahnsinnsblick im Auge , stürzte schreiend und händeringend in das goldstrahlende Prunkgemach und warf sich vor Adrian auf die Knie . » Herr am Stein , Sie müssen es wieder lebendig machen , « rief sie hohl und dumpf , » oder ich verfluche Sie mit den gräßlichsten Flüchen ! « Es war Lore , Martells Weib . In ihrer Verzweiflung hatte sie ihren Mann nicht bemerkt . Stier und gläsern das weit aufgerissene Auge , über dessen Lider dicke Thränen auf die erdfahlen Wangen herabrieselten , auf Adrian geheftet , lag sie zitternd auf dem Teppich . Man hörte das Zusammenschlagen ihrer Zähne . » Lore , mein Weib ! « rief Martell und streckte beide Hände nach der Armen aus . Die Unglückliche wendete sich um . Ein mildes Lächeln lief über ihr schmerzzerrissenes Antlitz , wie ein goldener Sonnenblick über eine verwüstete Landschaft . » Martell , « sagte sie gerührt , die rechte Hand dem Gatten entgegenstreckend , » er ist todt unser Hans ! Hier an dieser verwelkten Brust ist er gestorben ! Er wimmerte der gute , liebe Knabe , wimmerte immer leiser , bis ein Lächeln seine bleiche Lippe krümmte . Und in diesem Lächeln küßte ihn der Engel des Todes . - O mein Kind , mein armes Kind ! « Martell hatte mit entsetzlicher Ruhe diesen Bericht angehört . Jetzt wendete er Blick und Antlitz wieder dem Grafen zu . » Mörder ! « sprach er düster , » Mörder meines Kindes ! Vor Gottes Throne werde ich Dich anklagen ! Jetzt sollst Du frei ausgehen . « Er hob Lore mit sanfter Gewalt auf und wollte sie fortführen . » Geht an die Arbeit ! « sprach er barsch zu seinen Begleitern . » Spinnt , bis Euch die Finger verkrummen und Gott ein Wunder thut . Und er wird es thun , ich weiß es ; es müßte denn in seinem Rathschlusse beschlossen worden sein , daß die Welt untergehen solle ! « Neues Klopfen und ein Zurückweichen der Menge vor der äußern Thür machte die im Zimmer Versammelten aufmerksam . Durch die weit aufgehenden Flügelthüren traten einige Gerichtsdiener ein . Alle erstaunten und sahen einander an . » Treffen wir hier den hochwohlgeborenen Herrn Grafen Adrian von Boberstein , genannt Herr am Stein ? « fragte der Stattlichste dieser unheimlichen Ankömmlinge . Adrian verneigte sich . Der Gerichtsdiener griff in seine Rocktasche und langte ein großes , versiegeltes Schreiben hervor , das er mit kalter Verbeugung dem Grafen überreichte , indem er sprach : » Vom Landesgericht zu Görlitz . « Adrian sah ihn erstaunt an , riß das Sigel auf und warf einen Blick in das Schreiben . Die Umstehenden bemerkten , daß seine Hand zitterte . » O Sloboda ! Sloboda ! « murmelte er zwischen den Zähnen . » Er hat ' s erreicht , ein falscher Boberstein ist aufgefunden ! « Erschöpft sank er in seinen prachtvollen Fauteuil und bedeckte sein Gesicht mit beiden Händen . » Das ist Gottes Hand ! « rief Martell . » Er ist mit den Gerechten ! Geht , Brüder , an Euer Tagewerk , ich aber , ich will mein gemordetes Kind begraben . « Schluchzen erstickte seine Stimme . Er schloß Lore in seine Arme , küßte das arme Weib auf Stirn und Mund und führte sie aus dem glänzenden Saale . Die Uebrigen folgten dem trauernden Paare schweigend . Auch Vollbrecht schloß sich den Spinnern an . Allein , von tausend Zweifeln gepeinigt , von innerm Frost geschüttelt , blieb Adrian zurück in der kalten Pracht seines modernen Palastes . Sechstes Kapitel . Die Zusammenkunft . Wohl eine Stunde verharrte Graf Adrian in dieser Stellung . Niemand störte seinen Gedankengang . In und außer dem Haufe , überall war Todtenstille . Der schreiende Haufe seiner Spinner war auseinandergestoben , Vollbrecht und die Diener waren verschwunden . Er hatte vollkommen Zeit , über sich und seine Lage nach zudenken . Als er die Augen wieder aufschlug , fielen sie auf