dem Schloß richtig . « Der Ehinger Spitzenkrämer trennte sich darauf von dem Jäger . Letzterer hatte abenteuerliche Gedanken über den Fremden im Schlosse , der ein Goldmacher sein sollte und den sein Landsmann suchte , konnte jedoch denselben nicht lange nachhangen , denn bald fesselte ein Anblick der unerwartetsten Art seine Aufmerksamkeit . Der Weg kreuzte die große Heerstraße , welche den Osten Deutschlands mit dem Westen verbindet , und auf dieser sah er ein wundersames Fahrzeug sich langsam heranbewegen . Gezogen wurde es von zwei Ochsen mit Bügeln , woran Schellen klingelten , den Wagen selbst aber hätte man von weitem für einen sogenannten überdeckten Wurstwagen halten können . Er war dieses aber nicht , sondern ebenfalls ein östliches oder wenigstens ostartiges Gefähr . Auf Stützen ruhte ein Dach von rotem Tuch mit gelben Troddeln über einem weitläuftigen Kasten , den schmale Borde umschlossen . In diesem Kasten lagen orientalische Polster , und auf den Polstern saß mit gekreuzten Beinen ein Türke und hielt den Bernsteinknopf seiner Pfeife am Munde . Nicht allein war dieser Türke in dem Kasten , sondern verschiedenes anderes Getier teilte denselben mit ihm ; ein Paar Affen in Käfichen und drei oder vier Papageien . Neben den Ochsen ging ein junger Neger in weißen Hosen und roter Jacke , lenkte sie , wo es nötig war , trieb sie jedoch nicht sonderlich an , so daß das Fuhrwerk sich nur langsam fortschob . Der Jäger begriff nicht , wie der Orient plötzlich hieher komme , sein Erstaunen wuchs aber , als der Türke , dessen blasses und geistreiches Gesicht etwas ungemein Gelangweiltes offenbarte , ihn in reinem Deutsch nach der Entfernung des Schlosses fragte , dem der junge Liebende ebenfalls zustrebte . Als er den Fremden bei der Antwort näher ansah , schoß ihm plötzlich eine Erinnerung durch den Kopf . Ein sehr ähnlicher Kupferstich , den er kurz vor seiner Abreise aus Schwaben gesehen hatte , fiel ihm ein , und es wurde ihm klar , daß er so glücklich sei , zwischen den Affen und Papageien den berühmtesten Reisenden der Gegenwart zu erblicken , den Liebling aller modernen Damen und Herren . Als der Jäger bescheiden seine Vermutung aussprach , wurde ihm die Bestätigung aus dem Munde des deutschen Türken und Semilasso gab sich sogleich mit dem jungen Grafen in ein geistreiches Gespräch . Er erzählte ihm , daß er aus dem Morgenlande zurückkehre , um den Abend jetzt mit seinen gewonnenen Erfahrungen aufzuklären . - » Die Journale haben verbreitet « , sagte er , » daß ich noch eine Zeitlang in Smyrna verweilen werde ; ich pronierte auch dieses Gerücht und reiste in der Stille ab , teils um den Okzident zu überraschen , teils um einen Streit unter den Gelehrten anzufachen über die Frage , wo ich nun eigentlich sei , ob in Ost oder in West ? Die einen werden sich auf Augenzeugen berufen , die mich in Smyrna gesehen , die anderen werden meine Karte abdrucken lassen , die ich ihnen sandte . Es kann « , sagte Semilasso mit feierlicher Leichtigkeit und anmutigem Gähnen , » eine interessante Debatte werden , welche das Publikum ein paar Monate lang beschäftigt , denn das will immer angeregt und gekitzelt sein . « - Der Jäger befragte ihn über seine Reiseroute , worauf Semilasso versetzte : » Ich bestieg in Smyrna ein österreichisches Schiff , fuhr quer durch das Mittelländische Meer an den Säulen des Herkules vorbei , um Portugal herum durch die Biskayische See , lenkte in den Kanal ein und debarkierte in Havre . Die gerade Linie ist so langweilig ; es lebe die krumme ! Mein Dromedar und der Hengst von Dongola folgen mir um einen Tagemarsch . Mein Kammerdiener geht , armenisch gekleidet , als Furier voraus , und so haben die Leute an jedem Orte , den die Reise berührt , drei Tage lang von mir zu reden , einen , wo der Furier ankommt , einen , wo ich ankomme , und einen , wo der Dromedar und Hengst ankommen . « Der Jäger sah verwundert das Ochsengefähr an . Semilasso erriet seine Gedanken , lachte und sagte : » Meine Ochsen sind Ihnen auffallend . Ich kaufte sie in der Normandie ; im Orient fährt man fast nur mit diesen Tieren , sie paßten in meine jetzige Liebhaberei und in mein System . Denn seit alle Welt sich blitzschnell fortbewegt , ist es bei mir Prinzip geworden , nur Schritt zu fahren , habe daher , um mich nicht von der plebejischen Eile verführen zu lassen , diese Ochsen vorgespannt und mache so täglich höchstens vier Meilen . Von Havre bin ich drei Wochen unterwegs . Theodor Mundt wird - if possible - an dieses Schrittfahren tiefsinnige Untersuchungen über Weltfragen und wichtige Probleme der Zivilisation knüpfen . In diesem Theodor erlebe ich überhaupt mein eigentliches Reflexions- und spekulatives Leben . Ich kann sagen , daß ich manches aus Laune und in unbewußten Anstößen getan habe . Aber Theodor rückt alles welthistorisch und bedeutend zurecht - im kleinen auf seinem Studierstübchen . Theodor und ich stellen eine umgekehrte telegraphische Anstalt dar . Ich mache da droben im Freien wunderbar arbeitende Bewegungen , welche die Hand Theodors , des Telegraphisten , regieren , so daß sie unten im Turmgemache ein niedlich Figürchen meiner Winkel und Charaktere nachzeichnet . Er hat mich sogar zu einem Stilmuster gemacht . Darüber habe ich doch lachen müssen . Denn an meinen Stil glaube ich nicht . Ich will eher glauben , daß Theodor eine Komödie machen könne , als daß ich glaube , ich schreibe einen Stil . Wie käme ich zu Stil ? Gehöre ich denn zur Rotüre ? Meine Wappenvögel fliegen über allen Stil hinaus . - Aber , passons là dessus , Theodor sagt , ich habe Stil , es mag also drum sein . - Wenn er mich nur nicht kopierte ! Ich habe ihm ausdrücklich gesagt , als ich ihn bei der