gezahlt , welches ich dir aus überströmender Fülle verschwenderisch hinschüttete ! Hast mich mir selbst entfremdet , nicht aus Leidenschaft , nein , wie der Vogelsteller mit süßgiftigem Tone die Nachtigall aus ihrer grünen Laubzelle in seine Netze lockt ! « Er konnte nichts erwidern und nickte nur seine schweigende Bejahung , dann ging er still und gebückt , ohne die Augen vor mir aufzuschlagen . Bald erhielt ich einige Zeilen von ihm , worin er mir sagte , daß , nach dem , was ich nun wisse , er keine Macht mehr über mich haben wolle , und daß es von mir abhange , unser Verhältnis aufzulösen . Ich antwortete ihm darauf , daß man die Frauen in Europa nicht so von Tag zu Tage nehme und entlasse , daß ich überlegen und zu seiner Zeit das Nötige beschließen werde , daß aber vorderhand unsre Scheinehe fortdauern müsse . Diese Entdeckungen waren kurz vor Hermanns Ankunft geschehen . Es hatte sich eine dunkle Nacht über mich und mein Leben ausgebreitet . Seine Erscheinung war der erste Lichtstrahl in dieser Finsternis , sie gab mir wieder die Möglichkeit einer Hoffnung , einer Zukunft . Ich glaube , daß ich nur durch ihn die Stärke zu dem Entschlusse gewonnen habe , den ich nachmals ausführte , als Medon bei der herannahenden Gefahr mich in seine Irrbahn wieder mit fortreißen wollte ; mein Geschick nämlich von dem seinigen durch rasche Flucht für immer abzusondern . Hier schließe ich . So kann eine Frau für die edelsten Regungen büßen . Und von solchem Falle kann sie wieder erstehn . In der freudigen Rührung , die mich immer ergreift , wenn ich meines gewendeten Schicksals denke , werde auch dem Verirrten ein entschuldigendes Wort nachgerufen . Er schläft fern in dem fremden Lande , jenseits des Weltmeeres . Klima und Kummer zehrten ihn dort auf , nachdem seine phantastischen Verbrechen hier gescheitert waren . Er hat schwer gefehlt , es ist wahr . So übel stehn unsre Angelegenheiten nicht , wie er sich einbildete , und seine Denkungsweise war übler , als das Übelste . Aber man erwäge , daß vieles bei uns zusammentrifft , gerade die lebendigen , strebsamen Geister in unheilbaren Trübsinn zu versenken , aus welchem denn auch wohl Frevel der seltensten Art hervorgehen können . IX. Der Herausgeber an den Arzt Sie haben mir durch die Mitteilung der beiden Bekenntnisse große Freude bereitet . Diese Frauen stellen gewissermaßen die Pole der weiblichen Natur dar . Die eine zieht sich keusch in ihr Innerliches zurück und steigert sich bis zu einer krankhaften Zartheit , welche freilich die nächsten Verhältnisse zerstört , ihre Umgebungen unglücklich macht . Die andre , mit heitern Sinnen gegen die Welt gewendet , wird Patriotin aus Lebhaftigkeit . Besonders anmutig erscheint mir Johanna , und es ist gar lieb und schön , wie sie das scheinbar der Frau ganz Widerstrebende in ihrer weichen Brust verarbeitet . Amor , mit den Waffen des Mars spielend , ist ein reizendes Bild , und ähnlich dem Eindrucke , den diese Zusammenstellung erregt , ist die Empfindung , die man hat , wenn man ihre weißen , feinen , schmalen Hände ( bekanntlich die schönsten , welche Gott je in seiner besten Laune einer Frau gegeben ) mit den strengen , geschichtlichen , politischen Begriffen gebaren sieht . Daß sie eine Zeitlang ein Opfer ihrer geistigen Weite und Freiheit werden konnte , ist ebenso tragisch , als anziehend . Der Briefwechsel , wenn er ein wahrer ist , vertritt die Stelle des Gesprächs , und dieses besteht aus Rede und Gegenrede . Lassen Sie mich Ihnen also erzählen , was Sie , damals von * entfernt , nicht so genau wissen können ; wie nämlich Johanna sich herstellte . Der Krieg ist nicht so schlimm , als seine Folgen es sind . Man könnte , wenn man Lust an auffallenden Reden hat , sagen : der Krieg mordet erst im Frieden . Außerordentliche Kräfte ruft er hervor , und in denen , welche die Kugel des Feindes nicht trifft , regt er unendliche Erwartungen an . Wie sollten diese auch geringer sein , da jeder ein Unendliches , das Leben , auf das Spiel zu setzen gewohnt war ? Nun können aber jene Erwartungen auch nicht im entferntesten befriedigt werden ; der schleppende Gang der wieder eintretenden Gewöhnlichkeit hemmt die Seelen und ist doch nicht imstande , sie zu fesseln , dadurch entsteht in feurigen Geistern eine Art von Verzweiflung ohne Gegenstand , welche manchen hinrafft , ohne daß sich eine äußere Ursache entdecken läßt . So viel ist gewiß , die eigentlichen Helden einer denkwürdigen Periode überleben sie selten lange . Zu den Opfern des Krieges im Frieden gehörte unser alter würdiger Freund , der General . Auf seinem Rosse , kühner Reiter , verwegner Reiterführer , war ihm das Leben in jenen unruhigen Zeiten ein tägliches Glücksspiel gewesen . Wo sich ein Widerstand gegen den Unterdrücker auftat , hatte sein Degen geblitzt , so gingen ihm zehn Jahre in der beständigen Abwechselung der Schlachten und Belagerungen , der Nachtund Tagemärsche hin . Seine Locken waren sparsam geworden und erbleicht , aber seine Augen scharf geblieben , als die letzten Donner des großen Völkergewitters in Paris verhallten . Nun kehrte er zurück , Lorbeeren auf dem Haupte , Orden auf der Brust , im Munde des Volks als einer der unermüdlichsten Streiter hoch emporgetragen . Aber wie es zu gehn pflegt , die Menge vergißt sehr bald ihre Begeisterung und erinnert sich derselben erst wieder bei dem Leichenbegängnisse , und die Machthaber werden von großen Verdiensten , die nicht ganz in der Stille geblieben sind , immer nur belästigt . Man lobte ihn , ließ es an leeren Auszeichnungen nicht fehlen , in den wesentlichen Dingen aber fing man binnen kurzem an , ihn zu vernachlässigen . Er wurde so umhergestoßen , wo es eigentlich nichts zu tun gab , endlich schob man ihn sacht beiseite . Der alte feurige