die Wirtsstube , ich mußte sie zuriegeln , ich glaub , der Bock hätte sie sonst mit seinen Hörnern aufgeklemmt . Ei , hätten ' s die Tiroler auch so gemacht , der Kaiser hätte Brot schaffen müssen ; die machten ' s aber wie der Schäfer , der blieb verdattert auf dem Berge stehen und sah seine Herde davoneilen . » Du kannst tausend Dummheiten in einen kleinen Raum einpferchen , wie der Schäfer die Herde « , sagte der Bruder Franz , da er mich mit der nachgeeilten Herde angekommen sah . Bis alles sich reisefertig gemacht hatte , ging ich in den Kuhställen umher . Das Gehöfte ist unendlich groß , man könnte ein Vorwerk drin anlegen , sie rufen von der entferntesten Scheune zur andern mit einem Sprachrohr . Der Kuhstall inmitten bildet ein Amphitheater , ein Halbkreis von spiegelglatten Kühen , an jedem Ende durch einen Bullen abgeschlossen . An dem Ende , wo ich eintrat , ist der Ochs so freundlich , zärtlich , daß er jeden , der ihm nahe kommt , mit der Zunge zu erreichen sucht , um ihn zu belecken ; er muhte mich an in hohem Ton , ich wollte ihn nicht vergeblich bitten lassen , mußte mein Gesicht von seiner schaumigen Zunge belecken lassen ; das schmeckte ihm so gut , er konnte nicht fertig werden , er verkleisterte mir alle Locken , die Deine Hand immer in so schöne Ordnung streichelt . - Jetzt beschreib ich Dir die Burg , aber flüchtig ; denn wo ich nicht in Worten liebkosen kann , da verweile ich nicht lange . - Sie ist besser erhalten wie alle andern , auch selbst die Gelnhäuser ist lange nicht so ganz mehr , und ich begreife nicht , daß man keine Rücksicht darauf nimmt . Sie gehörte ehemals den Herren von Griesheim , jetzt ist sie an die Grafen Stolberg gefallen . - Die Burg ist in ihrem Hauptgemäuer noch erhalten , nur innen ist manches eingestürzt , der Söller ist noch ganz , auf diesem kann man rund um die Burg gehen . Nach allen Seiten sieht man ins Fruchtland , das in der Weite wieder an andern Burgruinen hinaufsteigt . So blüht und reift der ewige Segen zwischen Gräbern und verlaßnem Gemäuer , und der Mensch braucht nur sich einzufinden , so ist er auch da und umwandelt und umkleidet ihn . Die Sonne schmeichelt ' s dem lieben Herrgott ab , daß er seinen Menschenkindern hundertfältige Ähren reifen läßt ; die Sonne und der Gott liebkosen einander , und dabei haben die Menschen gutes Spiel , und wer liebt , der stimmt ein in die Liebe Gottes , und durch ihn und in ihm reift auch der göttliche Segen . In der Kapelle stehen noch etliche Säulen mit ihren gotischen Kapitalen ; etliche liegen an der Erde , aber noch ganz erhalten , eins , was ich nur unvollkommen Dir hier abzeichne . Die Mondessichel hebt das Wappen in der Luft und bildet so das Kapitäl , unter ihr zwei Drachen , die sich verschlingen . Die Leute sagen , sie haben goldne Schaumünzen im Rachen gehabt , so sind sie in einer alten Chronik verzeichnet . Ein anderes ist noch viel schöner ; ich wollt es auch abzeichnen , aber es war so kalt und feucht da unten ; Rosen , wunderschön in Stein gehauen , bilden einen Kranz , Schlangen winden sich durch und strecken ihre gekrönte Köpfchen aus und bilden so einen zweiten Kranz ; es ist gar zu schön , hätt ich ' s mitnehmen können , ich hätte Dir ' s gebracht ! Während ich ' s durchzeichnen wollte , kam eine kleine Schlange unter dem Gras hervor und richtete sich vor mir auf , als wollte sie zusehen , wie ich das Bild ihrer Ahnen nachzeichnete , und das erschreckte mich in der Einsamkeit , so daß ich mit einem Schauder davoneilte . In dem äußeren Burgtor sind noch die Türangeln , über dem innersten Burgtor auf dem Söller ist ein Steinherd mit einer kleinen Brandmauer umgeben , die wie eine Nische gebildet ist . Da haben sie das Pech glühend gemacht und durch ein Loch über der Mitte des Tores durchgegossen ; alles wurde betrachtet , beachtet , erklärt , zurechtgerückt , noch manches blieb unerklärt , die Verwundrung über vorige Zeiten , und daß sie mit ihren Resten noch so derb in unsre hineinreichten , machte uns zu einfältigen Leuten ; ja , mir ward angst , diese alte grobknochige Zeit könne plötzlich über den Augenblick der Gegenwart kommen und ihn verschlingen . O Goethe , mir ist nur eins wichtig , mein Dasein in Dir ! Und nach diesem komme das End aller Dinge . Soll ich Dich denn noch weiter mitnehmen auf meinen Streifzügen , oder ist ' s genug der eingefallnen Mauern , der Wildnis , die alles überwuchert , des Efeus , der aus dem kalten Boden hervorsprießt , unermüdlich hinaufklettert an der öden Mauer , bis er die Sonne erblickt , und dann gleich wieder hinabsteigt , mit weit reichenden Ranken nach der feuchten , düsteren Tiefe verlangt ? Gestern war der Himmel blau , heute rubinfarb und smaragden , und dort im Westen , wo er die Erde deckt , jagt er das Licht im Safrangewand vor sich her aus der Schlafstätte . Einen Augenblick kann sich die sehnende Liebe ergötzen daran , daß die ganze Natur schlummernd saugt ; ja , ich fühl ' s : wenn die Nacht einbricht , daß jedes Würzelchen trinkt , in jedem liegt Begierde , Sehnsucht nach Nahrung , und diese Anziehungskraft zwingt die Erde , die ihre Nahrung nicht versagt jedem lebenden Keim ; und so liegt in jedem Blumenhaupt schwärmende Begeistrung , die aus dem Licht der Sterne Träume herabzieht , die es umweben ; geh über einen Wiesenteppich in stiller sternenflimmernder Nacht , da wirst Du , wenn Du Dich herabbeugst zur Flur , die